Filmsimulationen bilden die Grundlage des Farblooks den viele an FUJIFILM schätzen. Mit sogenannten Filmrezepten lassen sich diese Filmsimulationen gezielter anpassen und zu einem ganz eigenen Bildstil weiterentwickeln. Durch die Kombination verschiedener Einstellungen wie Kontrast, Farbsättigung oder Körnung entstehen individuelle Looks, die direkt in der Kamera gespeichert und verwendet werden können.
Der beste Weg, um Filmrezepte (Recipes) abzuspeichern, führt über das Erstellen eines Custom Setting. Du kannst bei den meisten FUJIFILM-Kameras aktuell bis zu sieben Profile abspeichern. Das funktioniert so:
Scrolle durch die I.Q.-Seiten nach unten bis zum Punkt EDIT/SAVE CUSTOM SETTING.
Hier siehst Du die Speicherplätze C1 bis C7. Wähle einen freien oder zu überschreibenden Slot aus.
Nun öffnet sich eine Liste mit allen relevanten Parametern. Beginne oben mit der Basis-Filmsimulation und arbeite Dich Schritt für Schritt durch Dynamic Range, White Balance Shift, Highlights, Shadows und so weiter, bis alle Werte im I.Q.-Menü Deines Recipes eingetragen sind.
Drücke die DISP/BACK-Taste und speichere Dein neu erstelltes Recipe ab. Hier hast Du zudem die Möglichkeit dem Recipe einen eigenen Namen zu geben.
Wenn Du eine der neueren Kameras mit einem dedizierten Filmsimulations-Wahlrad besitzt (wie die X-T30 III oder die X-E5), hast Du einen entscheidenden Vorteil. Auf dem Rad findest Du die Positionen FS1, FS2 und FS3. Diese Slots kannst Du im Menü unter FILM SIMULATION DIAL SETTING direkt mit kompletten Recipes belegen. Einmal gespeichert, reicht ein kurzer Dreh am Rad, und Dein Lieblings-Look ist aktiv. Möchtest Du Anpassungen vornehmen, wählst Du das entsprechende FS-Profil über das Rad und passt die Werte im Menü an. Neben den Parametern im I.Q.-Menü siehst Du dabei auch, welche FS-Position aktuell aktiv ist.
Hinweis: Die X-T50 besitzt zwar ebenfalls ein solches Wahlrad, unterstützt die direkte Recipe-Eingabe auf den FS-Slots jedoch nicht.
Ein Recipe ist nur dann wirklich nützlich, wenn Du es im Alltag schnell und intuitiv aufrufen kannst. Niemand möchte mitten in einem Shooting tief in den Menüs wühlen, um den Look zu wechseln. Zum Glück gibt es hier ein paar sehr elegante Lösungen, um die Recipes über Custom Settings aufzurufen.
Ein bequemer Weg führt über die Q-Taste auf der Rückseite Deiner Kamera. Das Quick-Menü lässt sich individuell anpassen. Stelle sicher, dass das Feld SELECT CUSTOM SETTING in Deinem Q-Menü hinterlegt ist. So kannst Du mit einem einzigen Tastendruck das Q-Menü öffnen und blitzschnell zwischen Deinen gespeicherten Profilen C1 bis C7 hin- und herwechseln. Übrigens: Wenn Du die Q-Taste für etwa zwei Sekunden gedrückt hältst, springst Du direkt in das Menü EDIT/SAVE CUSTOM SETTING und kannst die Parameter schnell anpassen.
Für noch mehr Geschwindigkeit kannst Du den Wechsel der Custom Settings auch auf eine der frei belegbaren Funktionstasten (Fn-Buttons) legen. Halte dazu einfach die DISP/BACK-Taste gedrückt, um in das Tastenbelegungs-Menü zu gelangen. Weise einer gut erreichbaren Taste die Funktion SELECT CUSTOM SETTING zu. So kannst Du den Look wechseln, ohne die Kamera vom Auge lösen zu müssen.
Die Welt der FUJIFILM-Recipes ist riesig und wächst jeden Tag. Wenn Du nicht einen Look selbst von Grund auf neu erfinden möchtest, gibt es grossartige Anlaufstellen, um Dich inspirieren zu lassen und fertige Looks auszuprobieren.
Die mit Abstand grösste und bekannteste Plattform ist Fuji X Weekly. Der Gründer Ritchie Roesch hat dort Hunderte von Recipes veröffentlicht, die klassischen Analogfilmen nachempfunden sind. Es gibt auch eine dazugehörige Smartphone-App.
Bei FUJISTYLE findest Du eine weitere hervorragende Community. Neben einer grossen Auswahl an Recipes gibt es hier auch eine Fotorahmen-App, die perfekt auf den FUJIFILM-Workflow abgestimmt ist.
Ich lasse mich für neue Recipes vor allem von anderen Fotograf:innen auf Sozialen Medien inspirieren. Viele teilen dort ihre Setups inklusive Beispielbildern, wodurch man einen guten ersten Eindruck vom Look erhält.
Wenn ich selbst experimentiere, nutze ich einen einfachen, aber sehr effektiven Ansatz: Ich fotografiere eine Serie im RAW-Format, idealerweise in möglichst unterschiedlichen Lichtsituationen wie Sonne, Schatten, Indoor oder Kunstlicht. Diese Dateien lade ich anschliessend in FUJIFILM X RAW Studio auf meinem Laptop. Die Software greift direkt auf den Prozessor der angeschlossenen Kamera zu, wodurch die Ergebnisse exakt so aussehen, als wären sie vor Ort entstanden. Am grossen Bildschirm kann ich dann alle Parameter in Ruhe durchspielen und sehe sofort, wie sich der Look in verschiedenen Situationen verhält, bevor ich ihn als Custom Setting in der Kamera speichere.
Filmsimulationen und Recipes eröffnen viele Möglichkeiten, den eigenen fotografischen Stil bereits direkt in der Kamera mitzugestalten. Das direkte Feedback im Sucher verändert dabei oft auch die Art, wie fotografiert und beobachtet wird. Wer sich intensiver mit den einzelnen Einstellungen beschäftigt, entwickelt mit der Zeit ein besseres Verständnis dafür, wie Bildwirkung entsteht – von subtilen Farbverschiebungen bis hin zu charakteristischen Looks.
Mehr zu den Grundlagen, Parametern und kreativen Möglichkeiten von Filmsimulationen findest Du in Teil 1 dieses Beitrages.
Foto & Text: Denny Waves
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