
Ich bin Phil Bucher, Fotograf aus dem Wallis. Ich bin viel draussen unterwegs – oft irgendwo zwischen Bergen, Reisen und Projekten, die sich nicht immer planen lassen. Meine Bilder entstehen selten aus einem Konzept heraus, sondern eher aus Momenten, die passieren, wenn man mittendrin ist.
Ich wurde ziemlich unerwartet Teil der SRF-Dok. Aus über 600 Bewerber:innen wurden sechs ausgewählt – und ich war einer davon. Für mich war schnell klar: Ich will die Reise nicht nur erleben, sondern auch festhalten. Nicht als klassischer Dokumentarist, sondern auf meine Art: nah dran, ehrlich, ohne Inszenierung.
Ich möchte Bilder machen, die nicht erklären, was passiert ist, sondern zeigen, wie es sich angefühlt hat.
Vom tiefsten Punkt der Schweiz bei Brissago bis hinauf zur Dufourspitze.
Rund 230 Kilometer, fast 15’000 Höhenmeter.
Dazwischen gibt es alles: Wasser, Asphalt, Trails, Gletscher und Fels.
Die Disziplinen wechseln ständig:
SUP, Rennvelo, Wandern, Mountainbike und später Gletscher- und Hochgebirgswandern.
Der Plan steht, aber draussen hält sich nichts daran.
Das Wetter kann jederzeit umschlagen.
Das Material kann streiken.
Der Körper sowieso.
Mich reizt genau das.
Nicht, wenn alles funktioniert, sondern wenn es kippt.
Wenn es nicht mehr um Leistung geht, sondern nur noch ums Weitergehen.
Schritt für Schritt, ohne gross zu überlegen.
Dort verändert sich etwas.
Der Blick wird ruhiger.
Und genau dort entstehen die Bilder, die bleiben.



Ich bin grundsätzlich viel unterwegs, aber für dieses Projekt hat das allein nicht gereicht. Ich habe gezielt Ausdauer und Höhenmeter trainiert: Ich bin viel gelaufen und habe viel Zeit draussen verbracht, oft auch mit müden Beinen. Es ging weniger um Perfektion als darum, den Körper daran zu gewöhnen, lange unter Belastung zu funktionieren.
Das mentale Training war fast noch wichtiger. Solche Situationen kannte ich aus früheren Projekten: Wenn man nicht mehr frisch ist, fängt der Kopf an zu zweifeln. Genau dort entscheidet sich, ob man weitergeht oder stehen bleibt.




Da auf so einer Tour jedes Gramm zählt, war ich nur mit zwei Kameras – der FUJIFILM X-T5 und der FUJIFILM X half – sowie mit zwei Linsen unterwegs. Viel mehr braucht es nicht, wenn man nah dran ist. Im Gegenteil: Das reduzierte Setup hat mir geholfen, effizienter zu arbeiten und schneller zu reagieren. Wenn man weniger Optionen zur Verfügung hat, fängt man gar nicht erst an zu überlegen, sondern handelt einfach.
Die FUJIFILM X-T5 war meine zuverlässige Begleiterin für beinahe jede Situation. Ohne viel Nachdenken, ohne Stress. Gerade in Momenten, in denen es schnell gehen musste oder ich selber schon müde war, war das entscheidend. Ich konnte mich darauf verlassen, dass sie einfach mitzieht.



Die FUJIFILM X half war perfekt für zwischendurch: leicht, unkompliziert und stets griffbereit. Ich hatte sie vor allem fürs Rennvelo dabei und genoss es, sie schnell umzuhängen, loszufahren und unterwegs spielerisch zu experimentieren.



Wenn etwas nicht funktioniert hat, dann höchstens ich selbst. Manchmal war ich zu müde, zu langsam oder zu spät dran. Aber das gehört dazu.
Und vielleicht ist genau das der Punkt: Die Ausrüstung war nie das Limit.
Ich war Teil einer TV-Produktion, aber für mich lief immer auch eine zweite Ebene mit. Während gefilmt wurde, habe ich versucht, das einzufangen, was dazwischen passiert – die Momente, die nicht geplant sind.
Ich hatte keine konkreten Bilder im Kopf. Keinen Shot-Plan. Mich interessieren keine perfekten Postkarten. Mich interessieren die Übergänge: wenn jemand still wird, wenn die Energie kippt, wenn aus einer Gruppe langsam ein Team wird.












Vielleicht geht es am Ende weniger um die Schweiz als Ort, sondern vielmehr darum, was sie mit einem macht. Um Nähe und um Grenzen, die sich verschieben – körperlich und im Kopf.
Mir war wichtig, dass die Bilder für sich stehen können. Auch ohne Kontext, ohne TV, ohne Erklärung. Ein Bild funktioniert nur dann, wenn es etwas in einem auslöst – nicht, weil man weiss, was passiert ist.

Wir waren sechs Leute mit komplett unterschiedlichen Hintergründen. Viele von uns hatten sich vorher noch nie gesehen. Am Anfang ist da immer eine gewisse Distanz. Jede und jeder hat einen eigenen Rhythmus und einen eigenen Kopf.
Für mich hat sich die fotografische Rolle irgendwo dazwischen bewegt: Ich war Teil der Gruppe, aber gleichzeitig auch immer einen Schritt daneben. Nicht als klassischer Beobachter von aussen, sondern eher mittendrin – einfach mit einem anderen Blick.














Mich haben weniger die grossen Momente interessiert, sondern das, was dazwischen passiert: kleine Blicke, kurze Pausen, wie sich die Dynamik verändert und wie aus Fremden langsam ein Team wird.
Die Landschaft war da, klar. Aber sie war nie das Eigentliche.
Das Eigentliche waren die Menschen darin.
Es gab nicht diesen einen grossen Moment.
Es waren eher die Phasen, in denen alles zusammenkam: Müdigkeit, Wetter, Zweifel – und trotzdem ging es weiter.




Ein Moment ist mir aber geblieben: am Seil, zusammen mit Richi, auf dem Weg in Richtung Dufourspitze. Früh wurde entschieden, dass wir uns anseilen. Vor uns waren mehrere Gruppen. Irgendwann hat Richi angezogen. Wir haben angefangen, die anderen Gruppen zu überholen.

Ab da ging alles sehr schnell.
Ich hatte kaum noch Zeit, an Fotos zu denken. Der Puls war oben, der Fokus nur noch auf dem Schritt vor mir.
Und trotzdem lief die Kamera mit.
Irgendwann waren wir vorne. Richi hat angehalten. Für mich ist er so etwas wie der Chef am Berg – wenn er stoppt, wird es ernst.
In diesem Moment entstand das Bild.
Der Entscheid: umdrehen. Zu viel Neuschnee.
Sportlich war das sehr hart. Man ist so nah dran und muss dann doch loslassen.
Fotografisch war es jedoch genau das, was ich gesucht habe.
Kein Gipfel. Kein Erfolg.
Nur dieser Moment, in dem alles kippt.
Ein Bild nach einem langen Tag.
Irgendwo drinnen. Der Körper ist müde, der Kopf noch unterwegs.

Nichts Spektakuläres. Kein Gipfel, kein Moment, den man geplant hätte.
Einfach dieser Zustand danach.
Für mich geht es bei diesem Bild nicht darum, was gezeigt wird, sondern um das, was bleibt, wenn alles vorbei ist.
Ich brauche nicht mehr – weder beim Fotografieren noch sonst. Weniger wirkt oft klarer und ehrlicher. Das ist nichts Neues für mich, aber diese Reise hat es noch einmal bestätigt.
Die Schweiz hat sich nicht verändert. Aber mein Blick darauf vielleicht. Es geht mir weniger darum, «schöne Bilder zu machen», sondern vielmehr darum, einfach da zu sein und geschehen zu lassen.
Gestalterisch heisst das: noch mehr loslassen. Weniger planen, mehr vertrauen. Die besten Bilder entstehen nicht, wenn man sie sucht, sondern wenn man offen dafür ist, dass sie entstehen.
Und vielleicht ist genau das das Einzige, was bleibt: Nicht versuchen, alles zu kontrollieren. Einfach draussen sein. Und dann passiert etwas.
Foto & Text: Phil Bucher
Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, drücke auf das Herz.