Telezoom: Ideal für Landschafts- und Naturaufnahmen

Telezoom: Ideal für Landschafts- und Naturaufnahmen

Objektive mit Telezoom sind Begleiter für unterwegs und auch für Anfänger in der Fotografie gut geeignet. Aber was genau kannst Du mit ihnen anstellen? Der folgende Ratgeber verrät es Dir und erklärt den Umgang mit den praktischen Geräten.

Warum gibt es das Telezoom-Objektiv?

Der Name lässt schon vermuten, dass sich hier zwei Welten miteinander vereinen:

  • Ein Teleobjektiv hat gegenüber einem gewöhnlichen Normalobjektiv eine längere Brennweite. Dies reduziert den Bildwinkel, holt aber entfernte Objekte näher heran.
  • Ein Zoomobjektiv hat gegenüber einem gewöhnlichen Objektiv eine kürzere Brennweite. Der Bildwinkel wird dadurch wesentlich weiter gefasst, auf das Bild passt ein grösserer Ausschnitt.

Diese Tatsachen stellen Fotografen stets vor Probleme. Denn: Siehst Du ein Motiv in weiter Entfernung, hast aber kein Teleobjektiv zur Hand, wirst Du dieses Ereignis nicht adäquat einfangen können. Umgekehrt könntest Du mit einem solchen Objektiv eine beeindruckende Landschaft, die sich vor Dir auftut, nicht in ihrer gesamten Pracht festhalten.

Aus diesem Grund haben fortgeschrittene Fotografen stets mehr als ein Objektiv bei sich. So sind Sie auf jeden Fall für jede Eventualität gerüstet und können reagieren, wenn es erforderlich ist. Das wiederum bringt aber neue Einschränkungen mit sich:

  • Der Wechsel von Objektiven kostet Zeit. Möchtest Du scheue Tiere mit einem Teleobjektiv fotografieren, kann es gut sein, dass diese schon wieder weg sind, wenn Du bereit bist. Selbst ein geübter Fotograf braucht Zeit, um ein Objektiv fachgerecht und mit Rücksicht auf die teure Technik zu wechseln.
  • Objektive können sehr schwer sein. Nimmst Du mehrere von ihnen mit, wird dies das Gewicht Deines Rucksacks beträchtlich erhöhen. Offensichtlich ist das keine gute Idee für Wanderungen, die selbst ohne Gepäck schon sehr mühsam sein können.
  • Bedenke stets die Kosten! Hochwertige Objektive sind sehr teuer und verlangen Mut zur Investition. Eine ausgewachsene, über Jahrzehnte gepflegte Objektivsammlung kann bei den Anschaffungskosten problemlos in den fünfstelligen Bereich steigen.

Die Objektivhersteller haben dieses Dilemma erkannt und – zu grossen Teilen – gelöst: Das Telezoom war geboren.

Was zeichnet ein Telezoom aus?

Was zeichnet ein Telezoom aus?

Angestrebt haben die Produzenten die Kombination aus Tele- und Zoomobjektiv. Praktisch umgesetzt haben sie das, indem sie Objektive mit einem umfangreichen Brennweitenspektrum konstruiert und mit einer Kamera wie der Fujifilm X-T30 kombiniert haben. Zur Erinnerung: Die Normalbrennweite, die beispielsweise in der Porträtfotografie verwendet wird, bewegt sich im Bereich von 50 mm.

Das Telezoom-Objektiv versucht nun, diesen Bereich deutlich zu unterbieten – für Panorama-ähnliche Aufnahmen – und für Zooms zu überbieten. Typische Objektive dieser Klasse decken daher Bereiche von 18 bis 300 mm ab, was für Zooms und auch Landschaftsaufnahmen gut geeignet ist.

Wie profitierst Du von einem Telezoom?Wie profitierst Du von einem Telezoom?

  • Vor allem auf Reisen musst Du nicht mehrere Objektive auf einmal mitnehmen. Dieser beliebte Einsatzzweck hat den Objektiven zusätzlich den Namen «Reise-Zoomobjektiv» eingebracht.
  • Du sparst Geld, da Du nur ein einziges Objektiv für alle Fälle brauchst. Wenige hundert Franken reichen aus, um ein gutes Objektiv in dieser Klasse zu kaufen.
  • Ein Fotograf ist immer so gut wie seine Motive. Mit einem Telezoom bist Du auf jeden erdenklichen Fall vorbereitet und kannst den Auslöser betätigen, bevor das Ereignis vorbei ist.

Da sich die Hersteller darüber bewusst sind, dass diese Objektive oft auf Reisen mit genommen werden, achten sie auf Gewicht und Abmessungen. Insgesamt klingt es so, als wäre das Telezoom die ideale Lösung für alle Anwendungsfälle – und davon gibt es viele.

Einsatzbereiche der Telezoom-Objektive

Einsatzbereiche der Telezoom-Objektive

Da es sich bei diesen Objektiven um Alleskönner handelt, ist die Bandbreite möglicher Einsatzbereiche entsprechend umfangreich. Trotzdem hat sich im Laufe der Zeit ein typischer Einsatzzweck für das Telezoom herausgestellt: Landschaft und Natur. Der Grund dafür ist, dass Du die anderen Bereiche sehr gut mit Festbrennweiten abdecken kannst. Um schöne Aufnahmen einer Stadt zu machen, ist nicht zwingend ein Telezoom-Objektiv notwendig.

Beeindruckende Architektur mag imposant aussehen – aber sie wird sich garantiert nicht von der Stelle bewegen. Du hast also viel Zeit, um einen geeigneten Ort für die Fotografie mit Festbrennweite zu finden. Unterwegs ist das seltener der Fall: Nicht domestizierte Tiere sind ebenso schlau wie scheu und werden sich vor Dir in Sicherheit bringen. Mit einem Telezoom an Deiner Kamera bist Du schnell genug, um trotzdem ein gutes Foto zu schiessen.

Bei Wanderungen wirst Du ausserdem von einer Situation in die nächste geraten. Eben hast Du auf eine imposante Landschaft geschaut – ideal für kurze Brennweiten –, und nun stehst Du vor einer Berghütte. Normalerweise bedeutet das: Objektivwechsel. Das Telezoom gibt Dir die Freiheit, beide Sehenswürdigkeiten auf einmal festzuhalten.

Vorrangig solltest Du diese Art von Objektiv also für Landschaft und Natur einplanen. Bereiche wie Porträts oder Architektur werden mit Festbrennweiten bereits abgedeckt – was natürlich nicht heisst, dass Du dort mit einem Telezoom keine guten Ergebnisse erzielen kannst. Du musst Dich allerdings auf einige winzige Schwächen einstellen.

Die Grenzen des Telezooms

Die Grenzen des Telezooms

Die gewaltige Flexibilität ist der grosse Pluspunkt dieser Objektive – die aber bei einigen Aufnahmen an ihre Grenzen stösst.

Abwägen von Brennweite und Lichtstärke

Zunächst gilt: Vor allem im mittleren Brennweitenbereich erzielt der Telezoom häufig hervorragende Resultate. Das ändert sich jedoch, wenn man sich den beiden Extremen nähert. Die sehr langen Brennweiten sind in der Regel lichtschwächer als bei spezialisierten Objektiven. Ausserdem wirst Du Homogenität vermissen – was bei einem Blick auf die Lichtstärke deutlich wird.

Je weiter Du in den Telebereich des Objektivs vordringst, desto stärker sinkt in der Regel die Lichtstärke. Ein Beispiel verdeutlicht, was gemeint ist:

Auf einem typischen Telezoom-Objektiv findest Du beispielsweise Angaben wie «1:2.8-5.6 18-58 mm». Konkret verstecken sich hinter dieser kryptischen Zeichenfolge die folgenden Informationen: In der kürzesten Brennweite (18 mm) liegt eine Blendenöffnung von f/2.8 vor. Die längste Brennweite von 58 mm bekommt hingegen eine Öffnung von f/5.6.

Wir erinnern uns: Je kleiner der Wert der Blendenöffnung, desto mehr Licht fällt durch das Objektiv auf den Sensor. Du wirst beim Fotografieren bemerken, dass Du entfernte Motive im Telebereich des Objektivs wesentlich lichtschwächer wahrnimmst als in der Realität. Ein gutes Motiv verwandelt sich dadurch vielleicht nur noch in einen besseren Schnappschuss.

Nicht zu vergessen ist dabei die Verwirrung, die entstehen kann, wenn Anfänger mit einem Telezoom hantieren. Objektive mit Festbrennweite bieten Dir keine schwankenden Blendenöffnungen – und hier springt dieser Wert plötzlich hin und her. Am Anfang kann das frustrierend wirken. Trotz des flexiblen Allrounder-Images, das Telezoom-Objektive mitbringen, ist also durchaus Fingerspitzengefühl gefragt.

Schwierig ohne Bildstabilisator

Schwierig ohne Bildstabilisator

Ein weiterer Nebeneffekt der Konstruktion von Telezooms wird erst bei der Nutzung bemerkbar. Arbeitest Du gerade im Telebereich mit einem Telezoom, neigen diese Objektive bei sehr langen Brennweiten dazu, verwackelten Aufnahmen zu liefern. Warum ist das so? Verwackelte Aufnahmen (Schlieren und Unschärfen auf dem fertigen Foto) entstehen, wenn Du die Kamera nicht ruhig hältst. Lichtinformationen aus leicht unterschiedlichen Winkeln treffen auf den Sensor. Dieser versucht, alles auf einmal abzubilden, und Du siehst überall verwaschene Farben, Konturen und Kontraste. Arbeitest Du im Telebereich, wird dieser Effekt verschärft.

Denn: Jede noch so kleine Bewegung wird umso mehr verstärkt, je weiter Du in den Telebereich vordringst. Eine einfache Faustregel, die sich über viele Jahrzehnte als verlässlich erwiesen hat, schafft Abhilfe:

  • Die Verschlusszeit sollte ungefähr der Brennweite des Objektivs entsprechen.

Bei einer Brennweite von 150 mm sollte eine Verschlusszeit von ungefähr 1/150s vorliegen. Noch kürzere Zeiten – etwa 1/250s – wären sogar noch besser. Bei 20 mm würde 1/20s ausreichen. Mit kürzeren Verschlusszeiten lässt Du dem Sensor weniger Zeit, Dein Bild verwackelt aufzunehmen. Um diese kurzen Verschlusszeiten zu erreichen, muss jedoch innerhalb kurzer Zeit genügend Licht durch das Objektiv auf den Sensor fallen können. Dies unterstreicht einmal mehr, warum die Wahl der passenden Lichtstärke sehr wichtig ist.

Objektive, die «sich Zeit lassen», fördern die beschriebenen negativen Effekte und führen zu schlechteren Ergebnissen. Zusätzlich solltest Du immer den Bildstabilisator einschalten – zumindest im Telebereich. Er sorgt mit einer ausgeklügelten Technik für winzige Korrekturen an der beweglichen Linse. Erschütterungen oder unruhige Hände beseitigt diese Technik weitgehend, aber nicht komplett. Eine Alternative, die das Problem wirklich vollständig aus der Welt schafft, ist das Stativ.

Insgesamt überwiegen die Vorteile

Insgesamt überwiegen die Vorteile

Bei allen Schwachpunkten dieser Objektivkategorie – Lichtstärke, Verwackelungen, Probleme in den Extremen des Brennweitenbereichs – könnte schnell ein schlechtes Bild der Geräte entstehen. Dieser Eindruck ist allerdings nicht unser Ziel: Das Telezoom ist für das, was es erreichen möchte, ein hervorragend geeignetes Objektiv.

Zusammengefasst ergeben die Vor- und Nachteile folgendes Bild:

  • Unter allen Objektiv Varianten bietet Dir das Telezoom mit Abstand die grösste Flexibilität, …
  • … für die Du allerdings kleine Abstriche in einigen Bereichen in Kauf nehmen musst.

Es ist nicht der Anspruch dieser Objektive, in allen Bereichen die bestmögliche Qualität zu liefern. Ein hervorragendes Objektiv mit Festbrennweite, gekoppelt mit einer Mittelformatkamera wie der Fujifilm GFX 50R, wird jedes Telezoom-Objektiv hinsichtlich der Bildqualität schlagen. Dies allein sollte Dich aber nicht davon abhalten, den Vorteilen der Telezooms eine Chance zu geben.

Welche technischen Daten sind wichtig?

Welche technischen Daten sind wichtig?

Mit Ausnahme der Brennweiten unterscheiden sich Telezoom-Objektive nicht signifikant von ihren Pendants mit Fest- und Normalbrennweite. Je nach Einsatzbereich solltest Du daher auf folgende Bereiche achten:

Ein schneller Autofokus ist eine feine Sache, wenn Du vor allem Tiere aufnimmst (oder Ereignisse aus Bereichen wie dem Sport verfolgst). Du kannst es Dir nicht leisten, erst auf die notwendige Schärfe zu warten – denn dann ist das Motiv längst weg. Bei Tieraufnahmen ist ein leises Objektiv ebenfalls ein grosser Vorteil.

Zusätzlich bieten diese Objektive zwei unterschiedliche Arten, um den Brennweitenbereich zu bestimmen. Objektive mit einem Einstellring lassen sich in vordefinierten Schritten verschieben. Du erreichst die gewünschte Brennweite sehr schnell, der Einstellring ist ausserdem gross und gut zu greifen. Fehler kannst Du nicht machen.

Die zweite Methode verfügt über einen Drehring am Objektiv, der Dir die Wahl der Brennweite erlaubt. Dies funktioniert wesentlich langsamer als die Variante mit dem Einstellring. Der Vorteil ist allerdings, dass Du die Brennweite in winzigen Schritten definieren kannst – perfekt für das letzte Quäntchen Schärfe. Besser ist letztere Variante, schneller bist Du aber mit dem Einstellring unterwegs.

Ein Wort zur Bildqualität

Telezooms teilen sich übergreifend eine wichtige Eigenschaft: Je weiter der Brennweitenbereich, desto mehr nimmt die Bildqualität ab. Ein Objektiv mit 35 bis 200 mm wird daher im Durchschnitt bessere Bilder produzieren als eine Alternative mit 18 bis 300 mm. Das heisst nicht, dass nicht beide Objektive im mittleren Bereich gute Fotos erzeugen – aber im Durchschnitt trifft die Aussage zu.

Ob Du diesen Unterschied wirklich wahrnimmst, ist eine andere Sache. Typische Effekte sind etwa abnehmende Bildschärfe an den Rändern, weniger Auflösung als gewünscht und der genannte Mangel an Lichtstärke. Einem günstigen Standardobjektiv und jedem Smartphone sind aber selbst die einfachsten Telezoom-Objektive noch immer haushoch überlegen.

Die Erfahrung macht den Unterschied

Viele der objektiven und subjektiven Nachteile dieser Objektivklasse lassen sich mit Erfahrung aus der Welt schaffen. Wenn Du nach einigen Monaten ein Gespür dafür bekommst, was Dein Objektiv kann, wirst Du automatisch die richtigen Entscheidungen treffen. Gefahr der verwackelten Bilder im Telebereich? Kein Problem für Dich – denn Du wirst ohnehin mit Stativ oder Bildstabilisator arbeiten. Auch mit einem Telezoom als Lösung halten wir also fest: Übung macht den Meister und die Meisterin. Kauf Dir Dein neues Telezoom und fang direkt an. Einige einfache Tipps reichen oft schon aus, um gute Ergebnisse zu erzielen.

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