Filmkamera: Das sollten Sie beim Kauf beachten

Filmkamera: Das sollten Sie beim Kauf beachten

Mit allen erdenklichen Kameraformaten kannst Du heute Videos aufnehmen. Aber die besten Ergebnisse erzielst Du mit einer Filmkamera. Welche technischen Eigenschaften beim Kauf wichtig sind, und auf welche Kleinigkeiten Du achten solltest, erfährst Du in unserem Ratgeber.

Was macht eine gute Filmkamera aus?

Technisch zeichnet sich eine Filmkamera vor allem durch ihre Nutzung aus: Du machst damit Videos statt Bilder. Geht es Dir um exzellente Fotos, sind weiterhin DSLMs wie die Fujifilm X-S10 die erste Wahl. Hegst Du hingegen Ambitionen als Hobbyfilmer, sind passende Filmkameras die spezialisierte Wahl. Preislich stehen Dir bis zu fünfstelligen Beträgen alle Bereiche offen. Wir legen den Fokus unseres Ratgebers jedoch nicht auf den High-End-Bereich. Stattdessen richten wir uns an Personen, die hochwertige Filme produzieren möchten, aber dafür keinen Vermögen auf den Tisch legen wollen.

Auflösung: Was ist heute wichtig?

Vorab gilt, dass Du unterhalb von 1920 mal 1080 Pixeln heute keine Filmkamera mehr kaufen solltest. Diese Auflösung wird auch als Full-HD oder 1080p bezeichnet. Die allermeisten typischen Anzeigegeräte – PC-Monitore, Notebooks, TVs, Beamer und sogar Smartphones – kommen heute mit mindestens dieser Auflösung in den Handel. Viel Geld musst Du nicht ausgeben, da die Industrie 1080p heute als Einstieg ansieht.

4K-Auflösung als Ideallösung

3840 mal 2160 Pixel sind der nächste Schritt. Diese Auflösung läuft Dir auch als 4K oder Ultra-HD über den Weg, seltener als 2160p. Im Vergleich zu Full-HD vervierfacht sich die Anzahl der Pixel. Dies führt zu einer wesentlich höheren Bildschärfe und ist ganz klar die Zukunft für bewegte Bilder. Die Technik bringt jedoch einige Nachteile mit, die Du nur mit Investitionen aus der Welt schaffen kannst.

Du brauchst zunächst ein geeignetes Anzeigegerät. Denn 4K-Content auf 1080p-Bildschirmen sieht zwar gut, aber nicht überragend aus. Ausserdem steigt der Speicherbedarf rasant an, weshalb Du wahrscheinlich neue Speicherkarten benötigen wirst. Davon abgesehen, empfehlen wir die Anschaffung einer Ultra-HD-fähigen Filmkamera. So bist Du in Zukunft sicher aufgestellt und musst nicht in einigen Jahren ein neues Modell kaufen.

8K: Berauschend, aber unnötig

Die nächsthöhere Auflösung steckt noch in den Kinderschuhen. Hier und da drängen jedoch erste Anzeigegeräte auf den Markt, die 7680 mal 4320 Pixel darstellen können – also 8K. Der Zugewinn an Bildschärfe ist vor allem auf grossen Fernsehern enorm. Hier bewegen wir uns allerdings im absoluten Enthusiasten-Bereich. Falls Du nicht sehr viel Geld übrig hast, empfehlen wir Dir, noch einige Jahre zu warten und stattdessen 4K zu wählen. 8K-Auflösung bekommst Du momentan bereits bei YouTube geboten, aber nur ein Bruchteil der Zuschauer besitzt die passenden Anzeigegeräte. Arbeitest Du nicht professionell mit Videos, solltest Du mit diesem Schritt noch abwarten.

Fazit: 1080p ist gut, aber…

Kannst Du es Dir leisten, raten wir Dir unbedingt eine Ultra-HD-Kamera. Damit wirst Du die nächsten zehn Jahre Ruhe haben, denn vorher ist mit einer Verbreitung von 8K nicht zu rechnen. Nebenbei kannst Du mit diesen Filmkameras in der Not auch recht ansehnliche Bilder schiessen.

Die Geschwindigkeit Deiner Kamera

Die Geschwindigkeit Deiner Kamera

Sehr wichtig ist die Anzahl der Bilder, die Deine Filmkamera pro Sekunde aufnehmen kann. Sie bestimmt den Grad der Zeitlupe, den Du später umsetzen kannst, sowie die Weichheit von Bewegungsabläufen. Normalerweise bewegen sich Videos in einem Bereich zwischen 25 und 30 Bildern pro Sekunde. Dies wird für die meisten Kinofilme genutzt und suggeriert dem menschlichen Auge eine recht flüssige Bewegung.

Alles, was darüber hinausgeht, sieht noch weicher aus oder liefert Dir die Möglichkeit, Zeitlupen in Deine Videos zu integrieren. Ab 60 Bildern pro Sekunde kannst Du das Geschehen halb so schnell ablaufen lassen. Die Bewegung im Video sieht trotzdem noch immer flüssig aus. 120 Bilder eröffnen Dir eine vierfache Verlangsamung, was für bestimmte Aufnahmen sehr nützlich ist. Filmst Du etwa Aktionen auf Wasser oder Rauch in Bewegung, sieht dies überaus imposant aus.

Die derzeitige Speerspitze steht bei 180 Bildern pro Sekunde (für Endkunden). Professionelle Filmkameras schaffen Tausende Bilder, aber dies hat mit gewöhnlichen Kameras nichts mehr zu tun. Achte beim Kauf darauf, dass Deine gewünschte Bilderanzahl für die Auflösung gilt, die Du später nutzen möchtest. Viele Hersteller werben mit 4K Auflösung, aber geben dann die Bilderanzahl für 1080p an. Diese liegt stets höher. Übrigens ist die Angabe der Bilder pro Sekunde nicht zu vergleichen mit Serienbildern bei Fotokameras.

Optische und digitale Zooms

Optische und digitale Zooms

Möchtest Du weit entfernte Motive näher heranholen, hilft nur die Zoom-Funktion. Wichtig ist das unter anderem, wenn Du zum Beispiel Tiere filmen möchtest. Denn denen kannst Du Dich nur sehr schwer nähern. Der Markt unterscheidet zwischen optischen und digitalen Zooms.

Optischer Zoom: Die beste Lösung

Filmkameras im bezahlbaren Bereich schaffen heute optische Zooms zwischen 5x und 20x, sprich: eine fünf- bis zwanzigfache Vergrösserung. Der Vorteil dieser Zoom-Technik ist die bestechende Qualität. Alles, was im optischen Zoom-Bereich liegt, wirkt selbst bei Vergrösserung sehr scharf und sehenswert. Wirst Du viel mit Zooms arbeiten, solltest Du unbedingt diese Variante bevorzugen.

Digitaler Zoom: Die Notlösung

Als Anfänger ist es leicht, sich von digitalen Zooms blenden zu lassen. 100- oder gar 200-fache Zooms sind kein Problem. Allerdings wird die Vergrösserung über Softwaretricks erreicht und nicht optisch. Viel Interpolation hilft dabei, diese wahnwitzigen Vergrösserungen zu erreichen. Wirklich ansehnlich sind die Bilder dann aber nicht mehr. Die digitalen Zooms solltest Du daher nur im Notfall verwenden.

Anschlüsse und Speichervarianten

Anschlüsse und Speichervarianten

Moderne Systemkameras wie die Fujifilm X-T4 sichern Fotos auf SD-Karten (und ihren diversen Varianten). Bei Filmkameras gab es über einen langen Zeitraum sehr viele unterschiedliche Standards, was nicht besonders kundenfreundlich war. Heute haben sich aber ebenfalls SD-, SDHC- und SDXC-Karten durchgesetzt. Hast Du bereits eine Fotokamera, kannst Du die Speicherkarten also weiterhin verwenden. Wir raten Dir dringend dazu, eine Filmkamera mit Support für SDXC zu kaufen. Dieses Speichermedium gibt Dir aktuell Zugriff auf bis zu 512 GB Kapazität pro Karte. SDHC ist auf 32 GB limitiert, SD sogar nur auf 2 GB. Damit kommst Du im Ultra-HD-Zeitalter nicht mehr weit.

Welche Anschlüsse sind wichtig?

Um Deine Aufnahmen schnell auf einem grossen Display prüfen zu können, sollte ein HDMI-Anschluss unbedingt dabei sein. USB hingegen ist praktisch für die Datenübertragung, wenn Du keine Lust auf den Wechsel der SD-Karten hast. Da Filme auch vom Sound leben, solltest Du ausserdem auf einen Mikrofoneingang achten. Sonst bist Du immer auf das integrierte Mikrofon angewiesen, das aber stets etwas vom Geschehen entfernt ist.

Kopfhörer sind ebenfalls wichtig, um die vom Mikrofon eingefangene Soundkulisse ohne Nebengeräusche live zu prüfen. Verzichten kannst Du heute in der Regel auf S-Video und den Komponenteneingang. Einige Filmkameras haben WLAN an Bord, was hin und wieder nützlich sein kann. Kostet es Dich keinen Aufpreis, kannst Du das Feature mitnehmen. Dir wird im alltäglichen Einsatz aber wahrscheinlich nichts fehlen, wenn Du darauf verzichtest. Sinnvoll ist möglicherweise eine Fassung für Objektivwechsel: So kannst Du bei Bedarf sogar Tele- oder Makroobjektive verwenden.

Auf keinen Fall vergessen: Bildstabilisator

Auf keinen Fall vergessen: Bildstabilisator

Viele hochwertige Kameras wie die Fujifilm GFX 50R haben ihn an Bord, und bei Filmkameras darf er nicht fehlen. Die Rede ist vom Bildstabilisator. Je nach Technik wird er OIS oder EIS genannt (optische oder elektronische Bildstabilisierung). Mit einem OIS bist Du normalerweise besser beraten, die EIS haben in den letzten Jahren aber gut aufgeholt. Einen Pauschaltipp gibt es trotzdem nicht.

Daher gilt: Probiere die Filmkamera am besten vor dem Kauf aus und prüfe den Bildstabilisator durch heftige Bewegungen. Die Technik sorgt dafür, dass beispielsweise im Auto ruhige Bilder entstehen – sogar bei voller Fahrt. Der OIS oder EIS erkennt Deine Bewegungen und gleicht sie durch winzige Bewegungen der Linse aus. Der Unterschied zu einem System ohne Bildstabilisierung ist daher wie Tag und Nacht.

Verzichten solltest Du nur, wenn Du genau weisst, dass Du stets mit Stativen arbeitest (etwa in Interview-Settings). So gut wie alle Käufer werden jedoch früher oder später in Bewegung Videos aufnehmen. Spätestens dann wirst Du Dich ärgern, wenn die Stabilisierung komplett fehlt. Tipp: Um einen guten Stabilisator zu finden, empfiehlt es sich, die Funktion in vollem Zoom zu testen.

Unterstützte Aufnahmeformate

Aufgenommene Videos werden immer in bestimmten Formaten gespeichert. Filmst Du vorrangig für Inhalte, die später auf einer DVD landen sollen, brauchst Du keine allzu modernen Formate. Support für MPEG-4 reicht dann vollkommen aus. Geht es hingegen um Blu-rays und damit mindestens eine Auflösung von 1080p, sollte die Filmkamera sowohl H.264 als auch AVCHD verstehen. Diese Formate komprimieren das Bild effizienter, lassen aber noch genügend Raum für hervorragende Qualität. Heute solltest Du nicht mehr auf diese Codecs verzichten, da sie sich auch im Internet etabliert haben.

Nicht vergessen: Die Ergonomie

Nicht vergessen: Die Ergonomie

Man geht als Anfänger schnell zwischen zahlreichen technischen Kleinigkeiten verloren. Ebenso wichtig ist jedoch der alltägliche Gebrauch. Dazu raten wir Dir, die Filmkamera Deiner Wahl einfach in die Hand zu nehmen und einige Minuten damit zu verbringen. Liegt das Gerät gut in der Hand? Ist es nicht zu schwer? Kommst Du schnell an alle wichtigen Einstellungen, Knöpfe und Rädchen?

Da Ergonomie stark subjektiv ist, können wir Dir keine pauschale Empfehlung geben. Du solltest allerdings versuchen, die Kamera bei einem Test vor allem in ungewöhnlichen Positionen zu halten. So findest Du schnell heraus, ob etwas nicht passt. Ausserdem gilt: Egal, wie gut die Technik ist – wenn Du damit nicht gerne hantierst, macht das Filmen keinen Spass.

Guter Helfer: Der Touchscreen

Oft übersehen wird die Qualität des Bildschirms. Du hast die Wahl zwischen LCD und OLED, wobei OLED immer besser (aber leider auch teurer) ist. Viele, aber nicht alle Fotokameras unterstützen ausserdem die Bedienung via Touchscreen. Dies ist im Einsatz sehr praktisch, da der Touchscreen Dir eine weitere Option für die Bedienung gibt. Sobald Du die wichtigsten Arbeitsschritte einstudiert hast, bewegst Du Dich damit sehr flüssig durch die Menüs.

Hinsichtlich der Technik sind Bilddiagonalen ab drei Zoll sehr gut. Weniger bedeutet, dass Du weniger Details erkennst. Abschliessend spielt die Pixelanzahl eine Rolle. Alles ab einer halben Million Pixel ist der Standard und für den Hobbyfilmer ausreichend. Möchtest Du mehr – etwa 920’000 Pixel aufwärts –, landest Du schnell bei bis zu 1000 Franken. Bei einem Test solltest Du die Performance des Bildschirms auch bei Nacht prüfen. Eine zu geringe Helligkeit verdirbt Dir sonst schnell den Spass.

Darauf kannst Du verzichten

Für Anfänger klingt es verführerisch, die Filmkamera für Fotoaufnahmen zu verwenden. Die Hersteller unterstützen dies oft, indem Sie schön klingende Megapixel-Werte auf ihre Verpackungen drucken. Davon solltest Du Dich aber nicht beeindrucken lassen.

Denn: Der Sensor in Filmkameras ist normalerweise so klein, dass ohnehin nicht genügend Bildinformationen für gute Standbilder übrigbleiben. Selbst die vergleichsweise günstige FUJIFILM X-T100 produziert mit ihren 24 Megapixeln deutlich bessere Fotos als jede Filmkamera. Spiel also nicht mit dem Gedanken, die Videokamera für Fotos zu nutzen – ausser für Schnappschüsse vielleicht.

Auch die Nachtsichtfunktion ist heute normalerweise überflüssig. Sie taucht alles in monochrom-grünes Licht, das in jeder Situation schrecklich aussieht. Besser ist Zubehör wie ein starkes LED-Licht für den Zubehörschuh. Dank LED-Technik ist der Akkuverbrauch so niedrig, dass kein Bedarf mehr an der Nachtsichtfunktion besteht. Wir raten Dir daher, kein Geld in dieses Feature zu stecken.

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