Objektiv: Diese Unterschiede gibt es

Objektive gehören zum wichtigsten Zubehör eines Fotografen. Mit dem richtigen Objektiv können Sie aus verschiedenen Situationen und Motiven das beste Ergebnis erzielen. Doch welche unterschiedlichen Objektive gibt es – und wann lohnt sich der Kauf? In unserem Ratgeber finden Sie die Antwort.

Grundlegende Unterschiede zwischen Objektiven

Das Objektiv gehört zu den wichtigsten Komponenten einer Kamera. Es wird auch als «Auge der Kamera» bezeichnet, und ohne das Objektiv kann eine Kamera eher schlecht genutzt werden. Es ist entweder fest verbaut, wie bei Kompaktkameras und Bridgekameras, oder kann wie bei Digitalen Spiegelreflexkameras (DSLR) und Systemkameras beliebig gewechselt werden.

Mit dem Objektiv wird das Motiv des Bildes optisch abgebildet. Es besteht aus einer oder mehreren geschliffenen Glaslinsen, die einzeln oder in Gruppen angeordnet sind. Verschiedene Objektiv-Arten unterscheiden sich durch ihre Bauweise und die Qualität der Verarbeitung, aber auch hinsichtlich des Einsatzzwecks.

Die Merkmale, anhand derer sich verschiedene Objektive unterscheiden, sind insbesondere die Brennweite und damit der Bildwinkel, die Lichtstärke und die Naheinstellgrenze. Die Brennweite entscheidet darüber, wie viel vom Motiv auf das Bild passt. Manche Objektive sind so konzipiert, dass sie weit entfernte Motive nah heranholen. Andere sind besonders gut geeignet, um grössere Szenen komplett aufs Bild zu bekommen.

 

Unterschiede in der Lichtstärke

Objektive mit einem grossen Bildwinkel haben kleine Brennweiten. Grosse Brennweiten stehen hingegen für einen kleinen Winkel und somit einen kleinen Bildausschnitt. Es gibt Objektive mit Festbrennweiten, die nur eine einzige Brennweite haben. Zoom-Objektive vereinen mehrere Brennweiten in sich.

Zur Unterscheidung verschiedener Objektive ist deren Lichtstärke wichtig. Hierüber gibt der Blendenwert Aufschluss, der als f (für «focus») angegeben wird. Er bezeichnet, wie weit die Blende geöffnet werden kann. Eine weit geöffnete Blende lässt viel Licht einfallen. Sie können mit einem lichtstarken Objektiv auch in Situationen mit schwachem Licht noch gut fotografieren, ohne einen Blitz benutzen zu müssen. Sehr lichtstark sind Objektive mit f/1.8 und weniger.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Naheinstellgrenze des Objektivs, oder anders ausgedrückt: Wie nah können – oder müssen – Sie beim Fotografieren an das Motiv ran?

 

Beziehen Sie den Crop-Faktor mit ein

Wenn Sie überlegen, ein neues Objektiv zu kaufen, müssen Sie dabei die Sensorgrösse Ihrer Kamera beachten. Nicht jede Kamera hat einen Vollformat-Sensor. Davon ist die Rede, wenn das Format dem des klassischen Kleinbildfilms – 24 x 36 mm – entspricht. Bei Sensoren, die kleiner sind, wird ein Teil des Bildes beschnitten, und zwar um den Crop-Faktor (vom Englischen «crop», «beschneiden»).

Der Crop– oder Formatfaktor gibt das Verhältnis an, in dem das Bild beschnitten wird. Der Bildausschnitt wird verkleinert, wodurch es wirkt, als sei das Motiv aus geringerer Entfernung aufgenommen worden. Es wird nicht alles dargestellt, was bei einem Vollformat-Sensor (Kleinbild)  abgebildet würde. Dadurch verlängert sich die Brennweite.

Beim Objektiv-Kauf müssen Sie den Crop-Faktor im Hinterkopf behalten. Ein häufiger Crop-Faktor ist 1,5. Das entspricht dem Crop-Faktor bei den FUJIFILM Kameras der X-Serie. Angenommen, Sie möchten ein 50-mm-Normalobjektiv haben, dann müssen Sie bei einem Sensor mit APS-C Format eine Brennweite von 35 mm (zum Beispiel das XF 35mm F1.4 R) haben. Dies entspricht dann umgerechnet auf Kleinbild 50 mm.

Bein den FUJIFILM Mittelformat-Kameras der GFX-Serie ist der Crop-Faktor 0,79. Das heisst bei einem Objektiv mit 63 mm Brennweite ergibt das 50 mm Brennweite auf Kleinbild äquivalenz gerechnet.

 

Wovon die Qualität eines Objektivs abhängt

Wer darüber nachdenkt, ein Objektiv zu kaufen, stellt schnell fest, dass die Preisspanne gross ist. Für den Laien ist oft kaum erkennbar, wo die Qualitätsunterschiede zwischen verschiedenen Produkten liegen. Die Qualität eines Objektivs bemisst sich in erster Linie an der Qualität des Materials und wie hochwertig es verarbeitet ist.

Schon kleinste Verarbeitungsfehler können gravierende Folgen haben, etwa beim Fokussieren und der Schärfe. Bei Kameras mit Vollformat-Sensor sind Fehler im Objektiv besonders deutlich sichtbar, während sie bei Kameras mit kleineren Sensoren oft weniger oder gar nicht auffallen.

Ob das Gehäuse eines Objektivs aus Metall oder Plastik ist, ist für sich genommen kein Qualitätsmerkmal. Metall ist zwar robuster und damit weniger anfällig für Schäden durch Stürze oder andere äussere Einflüsse, allerdings wiegt es auch deutlich mehr. Gerade bei grossen Objektiven wie Teleobjektiven kann ein Metallgehäuse das Herumtragen der Foto-Ausrüstung stark erschweren. Das bessere Material ist letztlich das, was Ihnen besser liegt. Probieren Sie es aus und entscheiden Sie selbst.

 

 

Festbrennweite oder Zoom-Objektiv?

Grundlegend müssen Sie entscheiden, ob es ein Objektiv mit Festbrennweite oder ein Zoom-Objektiv sein soll. Dabei kommt es darauf an, was Sie in erster Linie fotografieren möchten. Wenn Sie sich auf einen bestimmten Bereich fokussieren möchten, sind Sie mit einer Festbrennweite meist am besten beraten. Schliff und Abstand der Linsen oder Linsengruppen sind dabei exakt für die jeweilige Brennweite und damit einen klar definierten Bildabstand berechnet. Das macht Objektive mit Festbrennweite weniger anfällig für Fehler und sorgt für eine bessere Abbildungsleistung als bei Zoom-Objektiven.

Andererseits reicht ein einziges Festbrennweiten-Objektiv womöglich nicht aus, um Ihnen den nötigen Spielraum beim Fotografieren zu geben. Sie müssen sich sehr viel bewegen, um mit einer Festbrennweite verschiedene Motive ablichten zu können. Nicht für alle Situationen ist das eine Option. Mehrere Objektive mit Festbrennweite können das Problem lösen, jedoch müssen Sie dafür womöglich viel Geld investieren. Ausserdem kann es unpraktisch sein, gleich mehrere Objektive mit sich herumzutragen.

Zoom-Objektive erlauben Ihnen ein grösseres fotografisches Spektrum. Sie können dasselbe Objektiv für verschiedenste Situationen nutzen. Allerdings geht diese Flexibilität oft zulasten der Bildqualität. Ausserdem sind Zoom-Objektive meist weniger lichtstark. Wer nicht nur Schnappschüsse machen möchte, sondern hohe Ansprüche an die Bildqualität hat, der ist mit Festbrennweiten in vielen Fällen besser beraten.

 

Normalobjektiv: Gut für Einsteiger

Das Normalobjektiv hat eine Festbrennweite von 50 mm. Mitunter werden in den «normalen» Brennweitenbereich auch Brennweiten zwischen 40 und 60 mm gezählt. Normal heisst es deshalb, weil Abbildung und Bildverhältnis am ehesten dem natürlichen Sehen entsprechen.

Solche Objektive sind meist vergleichsweise günstig erhältlich und eignen sich für viele Situationen im Alltag. Mit einer Festbrennweite von 50 mm können Sie etwa Strassenszenen, Stillleben, Landschaften oder Menschen fotografieren. Ein Normalobjektiv ist auch in der Reportagefotografie beliebt. Vor allem für Einsteiger ist eine solche Brennweite meist eine gute Wahl.

 

Weitwinkel-Objektiv: Geringe Brennweiten, weite Bildausschnitte

Kurze Brennweiten von 14 bis 35 mm gelten als Weitwinkel-Objektive. Durch den grossen Bildwinkel passt besonders viel aufs Bild – selbst, wenn das Foto aus unmittelbarer Nähe geschossen wird. Meist ist auf dem Bild mehr zu sehen als in das unmittelbare Sichtfeld des Fotografen passt. Dieser müsste den Kopf drehen, um in der Realität alles zu sehen, was abgebildet wird. Das Motiv erscheint kleiner, als es in Wahrheit ist.

Weitwinkel-Objektive zeichnen sich durch eine grosse Schärfentiefe über das gesamte Motiv hinweg aus. Selbst Details werden scharf dargestellt. Solche Objektive sind besonders zum Fotografieren von grösseren Szenen, Architektur oder Landschaften geeignet. Für Porträts sind Weitwinkel-Objektive hingegen nicht geeignet, weil sie tonnenförmige Verzeichnungen verursachen.

 

Fisheye: Für lustige Fotos

Brennweiten unter 20 mm, die gleichzeitig rund verzeichnen, sind als Fisheye-Objektive (oder Fischaugenobjektive) bekannt. Der Blickwinkel beträgt 180 Grad. Gerade Linien werden durch die stark nach aussen gewölbte Frontlinse nach aussen verzerrt, was nah an der Kamera ist, wird besonders gross dargestellt. Weiter entfernte Objekte erscheinen hingegen unverhältnismässig klein.

Fisheye-Objektive sind aus Sicht vieler Hobby-Fotografen eher ‘nice to have’ als zwingend erforderlich. Sie eignen sich insbesondere für lustige Bilder und Schnappschüsse, sind im fotografischen Alltag aber kaum brauchbar. Als einziges Objektiv ist ein Fischaugenobjektiv meist keine gute Wahl.

 

Teleobjektiv: Ganz nah dran

Die längste Brennweite haben Teleobjektive, nämlich 60 bis 300 mm und mehr. Der Bildwinkel ist bei diesen Objektiven am geringsten. Dabei soll nicht das grosse Ganze abgebildet werden, sondern die Details – und zwar ganz gross. Mit einem Teleobjektiv stellen Sie Motive vergrössert dar und holen sie optisch nah heran. Der Hintergrund ist nicht durchgehend scharf abgebildet. Es entsteht eine Unschärfe, die auch als Bokeh bekannt und häufig als Stilmittel gewollt ist.

Teleobjektive sind eine gute Wahl, wenn Sie weit entfernte Motive abbilden möchten. In der Sport-, Tier– und Naturfotografie gehören solche Objektive zum essenziellen Zubehör. Leichte Teleobjektive, etwa 70 mm, eignen sich auch gut für Porträts. Gesichter erscheinen dadurch schmaler, der unscharfe Hintergrund rückt den Fokus unweigerlich auf das Motiv.

Gerade Teleobjektive mit langen Brennweiten sind oft sehr schwer. Die Verwackelungsgefahr, vor allem in Objektiven ohne Bildstabilisator, ist vergleichsweise gross. Die Verwendung eines Stativs lohnt sich oder ist je nach Brennweite zwingende Voraussetzung, um mit solchen Objektiven gut zu fotografieren.

 

Zoom-Objektiv: Vielfältige Möglichkeiten, flexibel einsetzbar

Besonders flexibel und damit vielseitig einsetzbar sind Zoom-Objektive. Solche Objektive decken verschiedene Brennweiten ab und können beliebig eingestellt werden, um ein Motiv optimal abzubilden. Entweder decken sie ein breites Brennweiten-Spektrum ab, etwa 18 bis 55 mm, oder sie sind speziell für einen bestimmten Bereich gemacht. Es gibt etwa Tele-Zoom-Objektive oder Weitwinkel-Zoom-Objektive.

Achten Sie beim Kauf eines Zoom-Objektivs unbedingt auf die Lichtstärke. Zoom-Objektive haben oft unterschiedliche maximale Blendenöffnungen je nach Brennweite, können aber auch durchgehend dieselbe grösstmögliche Blende haben. Die Blendenzahl ist auf dem Objektiv angegeben, etwa F3,5 – 5,6 80 – 105 mm. Dann bewegt sich die maximale Blendenöffnung je nach Brennweite zwischen 3,5 und 5,6 mm.

Gerade bei Einstiegsmodellen hat die grosse Flexibilität solcher Objektive jedoch einen Preis: die Qualität ist meist schlechter als bei der Verwendung eines Objektivs mit der entsprechenden Festbrennweite. Viele ambitionierte Fotografen und Profis bevorzugen deshalb Festbrennweiten. Um für viele Situationen gerüstet zu sein, kann ein Zoom-Objektiv dennoch eine gute Wahl sein.

Zoom-Objektive kommen vor allem dann infrage, wenn häufige Objektivwechsel unpraktisch oder kaum möglich sind. Ein Extrembeispiel: Wer in sehr kalten Gebieten Tiere fotografiert, hat oft gar keine Zeit, rechtzeitig das Objektiv zu wechseln, darüber hinaus wäre das aufgrund der Kälte sehr unangenehm. Auch, wer nur begrenzt Ausrüstung mitnehmen kann, geht mit einem Zoom-Objektiv einen guten Kompromiss ein.

 

Makroobjektiv für Nahaufnahmen

Objektive werden in erster Linie anhand ihrer Brennweiten oder des Brennweiten-Spektrums voneinander unterschieden. Manche Objektive bieten zusätzlich bestimmte Eigenschaften, die sie für spezielle Zwecke zum Mittel der Wahl machen.

Dazu zählen Makroobjektive. Kleine Dinge ganz gross rausbringen – das geht beim Fotografieren mit einer Spiegelreflex- oder Systemkamera ohne weiteres Zubehör meist nur schwer. Dafür sind Makroobjektive gemacht. Mit ihnen können Sie im Nahbereich auch kleinste Gegenstände fotografieren. Der Abbildungsmassstab liegt je nach Modell bei 1:2, 1:1 oder 2:1. Das Motiv wird dann bei diesen beispielhaften Werten halb so gross auf dem Sensor abgebildet, in Originalgrösse oder doppelt so gross dargestellt.

Makroobjektive haben unterschiedliche Brennweiten. Je nach Hersteller sind sie mit Brennweiten zwischen 50 und 200 mm erhältlich. Mit 50 mm müssen Sie nah am Motiv sein, bei 200 mm können Sie entsprechend weit weg sein.

Die Schärfentiefe ist bei solchen Objektiven gering, was ein Bokeh erzeugt. Beachten Sie beim Kauf eines solchen Objektivs die Naheinstellgrenze und damit, wie nah Sie an das Objekt herangehen können. Manchmal geht es gerade darum, möglichst nah ranzukommen, in anderen Fällen ist das unvorteilhaft. Wenn Sie zum Beispiel scheue Tiere fotografieren, wäre es ein Nachteil, diesen sehr nahe kommen zu müssen.

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