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Der Foto-Knigge der Food-Fotografie.

15 Tipps für appetitliche Food-Fotografie

Erbsen machen kein Drama vor der Kamera. Dafür manchmal Küchenchefs. Kann man so Food-Fotografie zusammenfassen? Nein, natürlich nicht, das war nur ein kleiner Appetizer für das feine Interview, das wir mit Rahel, Food-Stylistin und Ron, Fotograf, geführt haben. Wir haben sie nach ihren besten persönlichen Rezepten für appetitliche Food-Fotografie gefragt. Das experimentierfreudige Duo hat uns tatsächlich ihr Geheimrezept verraten und das ist: Experimentieren. We like. Freu dich auf unseren 15-Gänger, den wir dir jetzt auftischen. Vielleicht hast du danach noch mehr Hunger auf Food-Fotografie.


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Tipp Nr. 1:  Es gibt keine No-Gos

Keine No-Gos? Keine Fettnäpfchen, in die du treten, keine Suppe, die du versalzen kannst? Aber irgendwas darfst du doch bestimmt nicht machen? Nope, alles ist erlaubt. Wenn das Bild schön aussieht und die Wirkung hat, die es haben soll, dann ist es gut. Wenn es ein No-Go gibt, dann, dass du nicht zu fest drauf schauen sollst, was die anderen machen. Stell dir niemals die Frage, ob du etwas machen darfst oder nicht. Hemmungen zu haben, ist ein No-Go. Wie so oft im Leben geht es darum, einfach mal zu starten und auszuprobieren, zu experimentieren. So haben auch Rahel und Ron einfach mal angefangen. Inspiriert von Freunden, die ihr Essen und die Inszenierung ihres Essens unglaublich appetitlich fanden. Mittlerweile leben sie von ihrer Leidenschaft und beglücken Kunden mit ihren Food-Inszenierungen, dass einem das Wasser nur so im Mund zusammenläuft. Apropos Wasser im Mund, lass dir den nächsten Tipp auf der Zunge zergehen.


Tipp Nr. 2:  Mit vollem Magen ist gut fotografieren

Mit einem knurrenden Magen ans Set zu kommen, kann fatale Folgen haben. Wieso das denn? Indem die zu fotografierenden Leckereien verschwinden. Zum Beispiel im Mund des Kunden, weil er unbewusst davon nascht. Obwohl das Angerichtete noch fotografiert werden müsste. Alles schon passiert bei Rahel und Ron. Und dann muss der Küchenchef nochmal seine Messer wetzen und das Gericht nachkochen. Könnte ein Drama werden. Muss es aber nicht. Wenn du mit dem Küchenchef gut Freund bist.


Tipp Nr. 3:  Sei ein Freund des Küchenchefs

Sieht das Essen nicht gut aus oder ist das «Geshootete» nicht zufriedenstellend, dann heisst es: «Bitte, zurück in die Küche». Küchenchefs reagieren darauf etwas angespannt. Allgemein sind zu Beginn eines Shootings Küchenchefs hie und da etwas mürrisch, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt und dann betrittst du auch noch die Küche. Da hauen sie vielleicht unbewusst ein wenig stärker mit dem Fleischklopfer aufs Brett als sonst, um ihr Revier zu markieren. Aber nach einer Stunde tauen sie auf und bringen selber Ideen oder posieren gar fröhlich vor der Kamera. Obwohl der Kunde am Anfang gesagt hat: «Bitte schaut, dass der Koch nicht auf dem Bild ist, er möchte das auf gar keinen Fall». Das ist schon schön, wie sich die Beziehung mit dem Küchenchef während des Shootings verändert. Deshalb ist es fast wichtiger, mit dem Küchenchef gut auszukommen als mit dem Kunden. Fast. Aber wenn du in so einer anfänglichen mürrischen Phase den Teller zurückschickt, kann der eine oder andere Küchenchef dann schon mal laut werden. Das gehört dazu. Ist kein Drama.


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Tipp Nr. 4:  Kommunikation ist das Salz und der Pfeffer

Man könnte meinen, dass es bei der Food-Fotografie, anders als bei der People-Fotografie, wie in einem Schweigeseminar ganz still zu und her geht. Denn du musst ja dem Broccoli keine Anweisungen geben, welche Pose er einnehmen soll. Doch auch bei der Food-Fotografie ist die Kommunikation am Set das A und O. Zum einen geben sich Fotograf und Food-Stylistin gegenseitig Inputs: «Kannst du das hinzufügen oder wegnehmen» oder «hey, lass uns das noch ausprobieren». Du kommunizierst mit dem Kunden: «Passt das «geshootete» Foto oder sollen wir noch eins machen?» und du besprichst den Ablauf mit dem Küchenchef, damit es auch für ihn passt. Eigentlich wird ganz schön viel geredet. Am meisten mit dem Küchenchef.


Tipp Nr. 5: Fokus, Fokus, Fokus

Sei konzentriert am Set, verfalle nicht in Hektik. Achte auf Details, beobachte. Schau dir das Bild genau an. Passt es oder passt es nicht? Anders als bei der Fashion-Footgrafie schreit da niemand in das Set hinein: «Mehr Drama, Baby». Der Teller bewegt sich nicht. Du kannst auch nicht einfach abknipsen und sagen: «Ich nehme dann eins der Bilder». Meistens reicht ein Bild und dieses Bild muss deswegen perfekt sein. Sei deshalb nie zu schnell zufrieden.


Tipp Nr. 6:  Sei vorbereitet, sei schnell

Gewisse Lebensmittel verändern sich durch die Umgebungstemperatur, deshalb solltest du schnell fotografieren. Doch zuerst baust du das Set auf, richtest das Licht. Du machst Probeschüsse mit einem leeren Teller oder mit einem improvisierten Gericht. Wenn das Essen aus der Küche kommt, muss alles vorbereitet sein. Dann drückst du nur noch ab. Nice.


Tipp Nr. 7:  Mit Licht rückt man Lebensmittel ins beste Licht

Licht ist das wichtigste bei der Food-Fotografie. Ein Foto, das du im Restaurant mit dem Smartphone geknipst hast, wird niemals an ein Foto herankommen, das du mit kontrolliertem Licht «geshootet» hast. Ob Tageslicht oder Studiolicht sei dir überlassen. Beides hat Vor- und Nachteile. Tageslicht ist schön und bringt die Echtheit des Gerichts mehr zur Geltung. Schiebt sich eine dunkle Wolke über das Set, musst du warten und vielleicht das Essen in die Küche zurückschicken. Dann muss der Küchenchef nochmals ran, Entschuldigung. Möglicherweise hören wir ein kleines Donnerwetter aus der Küche. Weiter mit dem Wetter: Grundsätzlich ist ein etwas bewölkter Himmel besser als ein strahlender Himmel mit starker Sonne. Weil es dann schwierig ist, die «Glare»-Spots aus dem Essen rauszubekommen. Doch mit ein wenig Herumexperimentieren, kannst du Tageslicht mit Blitz und Dauerlicht auch im Studio simulieren. Es ist auf jeden Fall eine andere Herausforderung mit Tageslicht als mit Studiolicht.


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Tipp Nr. 8:  Einmal Poulet mit Holzlack, bitte.

Man sagt, das 20. Jahrhundert war das Jahrhundert der Produzenten. Das 21. Jahrhundert sei das Jahrhundert der Konsumenten. Im Fokus stehen Echtheit und Transparenz. Zeigen, wie es ist und auch sich zeigen, wie man als Person ist. Den Big Mac-Effekt nimmst du bei einer gewissen Fast-Food-Ketten Kauf. Du weisst ja, dass der Big Mac auf dem Foto nichts mit der Realität zu tun hat. Wenn du Lust auf einen Big Mac hast, dann hast du Lust auf einen Big Mac. Und wenn du Lust auf ein Glacé hast, dann wissen die wenigsten, dass das auf dem Foto kein Glacé ist, sondern Kartoffelstock oder eine spezielle Modelliermasse. Denn nur damit bringt man die typischen Risse hin, die man mit Glacé-Kugeln verbindet. Auch wenn das bei echtem Glacé gar nicht passiert. Früher hat man auch das Poulet mit Holzlack glasiert, damit es knusprig aussieht. Aber Brands, bei denen Echtheit, Nachhaltigkeit und Transparenz im Vordergrund stehen, die wollen auch entsprechend kommunizieren. Ohne Tricks. Sei es in der Bildwelt oder in der Sprache. Das Essen soll so dargestellt werden, wie es auf den Teller kommt und wie es gegessen wird. Heutzutage merkst du, wenn geschummelt wird. Spätestens, wenn du dich im Restaurant auf das abgebildete Essen freust und dann das reale Produkt serviert bekommst. Wenn Foto und Realität voneinander abweichen, ist die Enttäuschung bei den Gästen gross. Schade. Wenn aber die Kunden das bestellen, das sie auf den Fotos am meisten «gluschtet» hat und sie es dann auch so bekommen, dann freuen sie sich. Deshalb fokussieren sich Rahel und Ron auf Echtheit und Natürlichkeit.


Tipp Nr. 9: Immer genug Tupperware dabeihaben

Der Nachhaltigkeitsgedanke ist sehr wichtig. Dazu gehört eben auch, dass nicht getrickst wird. Das Ziel ist: Alles soll essbar bleiben. Wird etwas für das Shooting produziert, soll es nachher auch konsumierbar sein. Und wenn dann mal am Ende des Shootings etwas übrigbleibt, dann füllen alle ihre Kühlschränke, wie beim Käse-Shooting, mit ganz vielen Kilos Käse. Auch der Art Director nimmt dann Tupperware mit nach Hause, eine schöne Überraschung: «Hallo, Schatz, ich hab 5 Kilo Käse mitgebracht.»


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Tipp Nr. 10: Salée Sucrée, Cholera, Meitschibei

Bitte wie? Bitte ja: Verstehe Essen und Kochen. Das ist essenziell. Als Autodidakt kannst du auch alle Rezepte eines Kochbuchs durchkochen. Inspiriere dich von Kochbüchern. So haben es Rahel und Ron gemacht. Mittlerweile haben sie 200 Kochbücher zuhause und entwickeln eigene Rezepte für ihre Kunden und kochen die Gerichte auch. Für alle Shootings wird das fotografierte Menü mindestens einmal vorher selbst Probe gekocht. Das ist sehr aufwendig. Die Vorbereitungszeit darfst du daher niemals unterschätzen. Bereit für den nächsten Tipp?


Tipp Nr. 11: Vorbereitung ist alles

Zuerst erstellst du zwei Moodboards für den Kunden. Manchmal kommt es vor, dass der Kunde die Zutaten der beiden Moodboards mixt. Bleib ruhig, schmeiss den Kochlöffel nicht gleich hin. Wir wissen, es ist nicht optimal, aber machbar. Für das Shooting kauft Rahel das Essen meistens selbst ein. Da hast du alles selbst in der Hand. Ausser es ist was Spezielles, dass es nur beim Kunden gibt, dann bringt er das selbst mit. Wenn es sich um ein Restaurant-Shooting handelt, kannst du das Essen natürlich nicht selbst mitbringen.


Tipp Nr. 12: Entdecke das Experimentieren

Experimentiere, probiere alles aus. Dabei merkst du, was dir gefällt. Richte das Auge auf das, was wahrgenommen werden soll. Dann ist weniger meistens mehr. Es gibt natürlich auch Fotografen, die das ganze Bild füllen. Das geht auch. Alles geht, hurrah! Es gibt so viele Stile. Am besten probierst du Verschiedenes aus. Was passiert mit dem Käse, wenn das Licht von dieser Seite kommt? Wie verändert sich die Farbe des Brotes, wenn zu viel Licht draufkommt? Schaut es dann noch appetitlich aus? Das Ziel ist immer, die Betrachter «gluschtig» zu machen. Das gelingt dir auch, wenn du aus allen Mustern komplett ausbrichst. Also, trau dich. Lass Freude und Kreativität in dein Leben.


Tipp Nr. 13: Erfinde dich neu und bleib dir trotzdem treu

Klar, du hast einen eigenen Bildstil, aber wie wär’s, wenn du mal nicht im Mittelpunkt stehst? Wenn du auf den Kunden eingehst, ihn zu verstehen versuchst und den für ihn und seinen Brand passenden Bildstil kreierst? Klingt gut? So machen es Rahel und Ron. So vermeidest du ähnliche Fotos für verschiedene Restaurants. Und es macht Spass, sich für jeden Kunden, neu zu erfinden. Was bleibt, ist der minimale Stil, der Fokus aufs Essen, Natürlichkeit. Kein Tricksen, kein Verändern. Keine fragwürdigen Klavierblätter auf dem Bild. Das Essen so darzustellen, wie es gegessen wird. Eine feine Sache. En Guete.


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Tipp Nr. 14: Alles hängt voneinander ab

Die Fuji GFX 100 kriegt die Farben besonders intensiv und echt hin. Doch, wenn das Original schon eine mässig gute Farbe hat, nehmen wir an, ein Spargel ist schon im Original etwas bräunlich, dann nützt die beste Kamera nichts. Du kannst dann das «Grünliche» in der Bildbearbeitung etwas herausholen. Dabei liegt der Fokus immer noch darauf, das Produkt echt zu zeigen. Aber vergiss nicht: die beste Kamera nützt dir nichts, wenn das Licht nicht stimmt, das Set nicht gut aussieht, die Qualität der Produkte nicht stimmt, der Koch das Menu nicht hinkriegt. Alles hängt voneinander ab.


Tipp Nr. 15: Arbeite mit Menschen, die dich gut kennen oder auch nicht

Rahel und Ron treten als Gesamtpaket auf. Das ist ein Erfolgsrezept, denn die beiden kennen sich in- und auswendig. Mit ihren verschiedenen Blickwinkeln ergänzen sie sich optimal. Du kannst aber auch dein eigenes Süppchen kochen. Und dich dann immer wieder am Set mit neuen Leuten ergänzen. Es gibt kein Muster. Alles ist möglich, probier’s aus.

Und nun wünschen wir dir: Brich mutig aus Mustern aus und experimentiere, probiere aus, sei kreativ. In der Food-Fotografie wie auch im echten Leben. Herzlichen Dank an Rahel und Ron für ihre inspirierenden Einblicke in die Food-Fotografie. Jetzt haben wir Hunger. Ihr findet alles über sie unter hurrah.ch


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1 Kommentar

lovely color and balance the color character ,is not so strong as natural
i love it .