Ein halbes Jahr GFX und X-T3 – ein Erfahrungsbericht von Mel Weber

Die Schweizer Landschafts- und Wildlifefotografin Mel Weber ist seit dem Spätsommer mit der FUJIFILM GFX 50s, dem GF 23mm f/4.0 und der FUJIFILM X-T3 unterwegs. Ein Bericht.
Mel Weber

Mel Weber, geboren in Bern, ist eine Schweizer Fotografin mit grosser Leidenschaft für Landschaft- und Wildlife. Sie lebt zwischen dem Berner Oberland und dem Emmental und hat somit eine wunderbare Berglandschaft direkt vor der Haustür.

Sie ist regelmässig in unserer wundervollen Bergwelt aber auch in fernen Gegenden wie Kanada, Skandinavien, Alaska oder Neuseeland unterwegs, immer auf der Suche nach Wildtieren und dem schönsten Licht.

Sie schreibt immer wieder Gastbeiträge in Fachzeitschriften und bietet zudem Workshops und andere Arbeiten an.

Fast ein halbes Jahr ist nun her, seit die Schweizer Landschaftsfotografin Mel Weber ihrer Ausrüstung ein „Major Update“ verpasst hat. Davor war sie im Bereich Landschaft mit der X-T2 und im Bereich Wildlife mit der XH1 unterwegs. Nach dem sie schon lange mit Mittelformat geliebäugelt hatte, ergriff sie dann im Spätsommer die Gelegenheit und gönnte sich eine GFX 50s und ein GF 23mm f/4.0. Ergänzend hat sie die X-H1 durch die X-T3 ersetzt. Nach einigen Monaten im Einsatz möchte sie nun über ihre Erfahrungen mit dieser Kombination berichten.

Neues Format eröffnet neue Möglichkeiten

Die Umstellung von APS-C (oder Vollformat) auf Mittelformat braucht schon ein bisschen Eingewöhnungszeit. Zwar ist die Bedienung der GFX im gewohnt benutzerfreundlichen Fujifilm-Stil und selbst Neulinge werden sich mit der Handhabung schnell zurecht finden. Woran ich mich eher gewöhnen musste, war das 4:3 Format und die (bewusst gewählte) Einschränkung einer 23mm – Festbrennweite (Vollformat-Äquivalenz ca. 18mm). Das (für mich) neue Format eröffnet neue Möglichkeiten in der Bildgestaltung, aber ich musste mein Auge zunächst etwas darauf schulen.



«Geduldiges und präzises Arbeiten für höchste Qualität!»

Bei Landschaftsaufnahmen nehme ich zur Bildgestaltung gerne markante Objekte in den Vordergrund. Spätestens hier kommt ein weiterer Unterschied zu APS-C zum Tragen: die Schärfentiefe! Während ich mit einer APS-C Kamera bereits bei einer 8er oder 9er Blende ein durchgehend scharfes Bild habe, muss ich beim Mittelformat mindestens auf f/13 oder gut und gerne auch mal auf f/18 oder mehr abblenden. Dies kann, je nach Lichtverhältnissen, auch zu längeren Belichtungszeiten führen und man ist relativ rasch auf ein Stativ angewiesen. Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich die GFX nicht ein einziges Mal freihand verwendet. Ich arbeite in der Landschaftsfotografie aber grundsätzlich sehr gerne mit dem Stativ. Dadurch bin ich fokussierter und nehme mir mehr Zeit, meine Aufnahme sauber zu komponieren. Und genau dafür ist die GFX gemacht: geduldiges und präzises Arbeiten für höchste Qualität!

Diese Qualität sieht man übrigens ziemlich deutlich in der Nachbearbeitung. Da wäre einerseits die sehr genaue, natürliche Farbwiedergabe und andererseits hat man im Dynamikbereich so viel Spielraum, dass die Verwendung von Verlaufsfiltern eigentlich fast überflüssig wird. Am deutlichsten wird der Unterschied bei der Randschärfe, was bei APS-C und teilweise sogar bei Vollformat im Weitwinkelbereich immer ein bisschen eine Problemzone ist. Hier spielt die GFX in Kombination mit dem GF 23mm f/4.0 einfach in einer anderen Liga!



Kompakter. Leichter. Flexibler. Schneller. X-T3.

So weit so gut, aber was sind nun die Nachteile an dieser Kamera? Abgesehen von den Anschaffungskosten muss man sich einfach über eines im Klaren sein: Die GFX ist weder gemacht noch gedacht für alles, was Geschwindigkeit voraussetzt: Wildlife, Sport, Action – forget it!



Nicht jedes Motiv hat die nötige Geduld

Hier trumpft dafür die X-T3 gross auf! Als Allrounderin mit einem hervorragenden Preis/Leistungsverhältnis konzipiert, liegt man mit dieser APS-C Kamera grundsätzlich nie falsch. Ich habe sie mir aber vor allem für den ganzen Wildlife-Bereich angeschafft. Da sie als direkte Nachfolgerin der X-T2 praktisch identisch aufgebaut ist, brauchte ich hier keine „Angewöhnungszeit“. Dafür habe ich sehr Freude an den Verbesserungen, allen voran dem noch schnelleren und treffsicheren Autofokus.

Wenn die (Berg)Tour etwas anstrengender und komplizierter ist

Ein weiterer grosser Pluspunkt und für mich der Urgedanke, weshalb ich Ende 2017 überhaupt den Systemwechsel zu Fujifilm vollzogen habe, ist die Kompaktheit des X-Systems. So kommt die X-T3 doch auch ab und zu im Bereich Landschaft zum Zuge, wenn die (Berg)Tour etwas anstrengender und komplizierter ist. Ich unternahm beispielsweise Anfangs Jahr eine Tour zu einer Gletscherhöhle, wo ich weder wusste, was mich auf dem Zustieg noch im Inneren der Höhle genau erwarten würde. In solchen Situationen ziehe ich das leichte und flexible X-System dann tatsächlich der qualitativ besseren, aber halt auch klobigeren GFX vor.



Welche denn nun?

Wann kommt die GFX 50s für mich zum Einsatz?

  • Wenn ich höchste Qualität brauche/will
  • Wenn ich nicht so sehr auf Geschwindigkeit angewiesen bin (typischerweise in der Landschaftsfotografie)
  • Wenn ich hohe Kontraste und Dynamikumfang erwarte (typischerweise bei Sonnenauf- oder Untergang)
  • Wenn ich ein 4:3 Format möchte
  • Wenn Gewicht und Packmass nicht so eine Rolle spielen

Wann kommt die X-T3 zum Einsatz?

  • Wenn ich Geschwindigkeit und präzisen Autofokus brauche (typischerweise im Bereich Wildlife)
  • Wenn ich leichtes und kompaktes Equipment dabei haben will (typischerweise auf langen Bergtouren)
  • Wenn ich nicht so recht weiss, was mich „on location“ erwartet und ich möglichst flexibel sein will

«die beiden Systeme ergänzen sich für meine Art der Fotografie perfekt!»

Fazit: Auch nach rund einem halben Jahr im Einsatz bin ich sehr happy mit der Kombination GFX 50s und X-T3! Beide Kameras machen Spass und haben mich noch nie im Stich gelassen. Je nach Einsatzgebiet weiss ich genau, was ich will und bekomme – die beiden Systeme ergänzen sich für meine Art der Fotografie perfekt!



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