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Das Fujinon XF50mmF1.0 R WR „King of Bokeh“

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Jens Krauer

Er ist auf den Strassen von New York, Istanbul, Paris, Kiew bis Hongkong auf der Suche nach dem besonderen Moment. Für Jens Krauer ist Streetphotography ein Lebensprojekt. Warum es ihm wichtig ist, das urbane Leben im öffentlichen Raum abzubilden, und was man dabei als Fotograf beachten sollte, erzählt uns der Street- und Dokumentarfotograf und Fujifilm X-Photographer in unserer neuen Podcastfolge.

Istanbul ist ein wunderbares Pflaster für Strassenfotografie. Eine meiner bevorzugten Städte für lange Shooting Sessions über Wochen hinweg. Wo sich der asiatische und der europäische Kontinent begegnen sind die Motive so vielfältig wie die Kulturen die sich seit Jahrtausenden um den Bosporus vermischt und niedergelassen haben. Auch steht der historische Mythos von Konstantinopel der Faszination von maximal offenblendigen Objektiven in der Fotografie in nichts nach. Tiefe Blendenwerte haben in der Fotografie schon Immer hohe Begehrlichkeiten geweckt. Für drei Wochen habe ich mein angestammtes 56mm 1.2 durch das 50mm 1.0 ersetzt und mich auf die Suche nach Motiven auf den Strassen von Istanbul gemacht.


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2018 hat Fujifilm kommuniziert das man es sich zur Aufgabe gemacht ein F 1.0 Objektiv für das Fujifilm X-System zu entwickeln. Ein Plan der sich im Grenzbereich des Machbaren bewegt wenn man Grösse und Gewicht des Endproduktes limitieren und auch den Autofokus integrieren will. Mehr Lichtstärke erfordert einen exponentiellem Anstieg der Objektivgrösse durch die Menge an Glas die verbaut werden muss damit mehr Licht den Sensor erreicht. Was ursprünglich als 33mm 1.0 geplant war, wurde am Ende des Designprozesses zu einem 50mm 1.0. Wohl durchaus auch, um die physikalisch erforderliche Grösse im Verhältnis zur Blende 1.0 zu reduzieren und die gewohnte Bedienbarkeit der Fujifilm Objektive zu erhalten. Dies tut aber der Faszination keinen Abbruch. Im Gegenteil.

Wir erwarten von Fujifilm nichts anderes als das was wir hier bekommen. Ein Objektiv mit einem großartigen haptischen Charakter, direkten Kontrollelementen für Blende und Fokus in einem massive gebauten Metall-Gehäuse. Es fühlt sich solide an. Für mich ist die grösste Qualität von Equipment das es nicht viel Aufmerksamkeit erfordert und auch unter widrigen Umständen zuverlässig funktioniert. Weder Regen und Sturm, noch Staub und Dreck oder der gelegentliche, unbeabsichtigte Stoss in den engen und vollen Gassen Istanbuls konnten dem Objektiv etwas anhaben. Die Wetterfestigkeit ist absolut zuverlässig, auch bei strömendem Regen und die Konstruktionsqualität ist exzellent. So exzellent, dass ich mir zu keinem Zeitpunkt und unter keinen Umständen Sorgen um das Objektiv gemacht habe.

Wie erwähnt, Qualität und Lichtstärke kommen mit einem Preis in Form von Gewicht und Grösse; ungefähr das doppelte des 56mm 1.2 in beiden Punkten. Warum also hat das 50mm 1.0 trotzdem seinen Platz in meinem Setup?

Die Antwort ist relativ simpel; nicht umsonst hat sich das Objektiv den Titel „King of Bokeh“ verdient. Um dieses Bokeh zu generieren lässt sich beides (Gewicht und Grösse) nicht vermeiden, wobei das 50mm 1.0 im Vergleich mit Objektiven mit ähnlichen Spezifikationen wieder eher klein ist und, was nicht selbstverständlich ist, die volle Funktionalität des Autofokus bietet. Wer sich nun denkt, der Unterschied zwischen 1.2 und 1.0 kann nicht sehr gross sein, liegt falsch. Das Bokeh ist traumhaft. Wer die Stärken eines minimalen Fokusbereiches kreativ umsetzen kann bekommt hier, unabhängig vom eigenen Genre, ein kraftvolles Werkzeug das im Fujifilm Line Up mit diesen Eigenschaften in Sachen Charakter und Potential seinesgleichen sucht. Im direkten Vergleich mit dem 56mm 1.2, ist das noch intensivere und wunderbar weich gerenderte Bokeh des 50mm 1.0 in seiner Qualität und seinem Charakter klar erkennbar. Wer das 56mm 1.2 mag, bekommt somit von allem etwas mehr. Sowohl an Gewicht und Grösse, aber, und das ist in diesem Fall ausschlaggebend, auch an optischer Qualität und mächtigem Bokeh.

Die Verbindung der Stärken der spiegellosen Fotografie und der Lichtstärke des 50mm 1.0 entfaltet das volle Potential innerhalb der Möglichkeiten des X-Systems. In der Nacht oder dunklem Umfeld ist die Absenz von Licht kein Hinderungsgrund für ein gutes Bild. Die Nutzung der bekannten, hervorragenden ISO Stärke der Fujifilm Kameras in Kombination mit der Blende 1.0 des 50mm eröffnet Bildchancen auch da wo fast kein Licht mehr ist. Auf der anderen Seite des Spektrums ermöglicht einem die Nutzung des elektronischem Shutters mit Verschlusszeiten bis zu 1/32`000 auch in vollem Sonnenlicht die Ästhetik und den Look von f1.0 kreativ zu nützen. Der Autofokus funktioniert zuverlässig und es gilt auch zu erwähnen, das Fujifilm hier eines der einzigen f 1.0 Objektive konstruiert hat das mit Autofokus und absolut zuverlässig funktioniert. Selbst wer sich bisher nicht mit entsprechend schnellen Objektiven auf dem Markt auseinandergesetzt hat, wird sich innerhalb des Fujifilm X-Systems mit diesem Objektiv aus dem Stand zuhause fühlen.


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Alles was dieses Objektiv grossartig für die kreative Fotografie macht, gilt auch für den Video und Film Bereich. Der Fokusverlauf ist weich, optisch elegant und lässt sich sehr gut kontrollieren. Ob im manuellen Modus oder unter der Nutzung den diversen Personalisierungs-Möglichkeiten der Fujifilm Kameras Fokus-Eigenschaften, man wird mit sehr cinematischen Bildern belohnt. Wer auch O-Ton aufnimmt sollte zu einem externen Mikrofon greifen, da die Fokusmotoren viel Glas im Austausch für die herausragende Lichtstärke bewegen und somit auch über das interne Mikrofon in einem ruhigen Umfeld hörbar sein können.

Diskretion und Grösse sind in der Street- und Dokumentarfotografie wichtige Faktoren. Man gewöhnt sich in kürzester Zeit an das, im Fujifilm Kontext, etwas wuchtigere 50mm 1.0 an der Kamera. Für mich war die zusätzliche Grösse kein Hinderungsgrund oder hat meine Arbeitsweise negativ beinträchtigt. Das Objektiv fühlt sich gut an, auch ausserhalb des 1.0 Bereiches und liefert auch bei höheren Blendenwerten exzellente Resultate. So gut das ich während der drei Wochen in Istanbul kein einziges Mal daran gedacht habe, es durch ein anderes Objektiv, oder mein 56mm 1.2 zu ersetzen. Das zusätzliche Gewicht fällt innert Stunden in Vergessenheit und spätestens nach Sonnenuntergang weiss man genau warum man dieses Objektiv dabei hat. Die kreative Gestaltungsmöglichkeiten die sich einem bieten, inspirieren dazu die Nacht zu Tag zu machen und auch bei minimalem Licht mit sehr tiefen ISO Werten zu fotografieren.

Wer ein kreatives, hochwertiges und vielseitig einsetzbares Objektiv im offenen Blendenbereich sucht wird hier absolut fündig. Die Möglichkeiten sind vielfältig und unabhängig vom eigenen Genre kann es kreativ und bereichernd eingesetzt werden. Das faszinierende Alleinstellungsmerkmal ist der Look der dieses Objektiv generiert, der eine kreative Ergänzung für viele Anwendungsbereiche sein kann. Fotografen und Fotografinnen die diesen Look suchen und für sich bewusst nutzen können werden mit diesem Objektiv ein wertvolles Werkzeug zu ihrem Setup hinzufügen können. Ein herausragendes Objektiv dass denen die es gekonnt einzusetzen wissen optisch wunderbare Resultate liefert. Mein 56mm 1.2 ist immer noch zuoberst auf meiner Liste, aber es hat Gesellschaft bekommen. Gute Gesellschaft.


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