Winter-Fototipps – so einfach können Sie das Beste aus Schnee und Kälte rausholen – auch mit dem Smartphone!

Der Winter soll kein Grund sein, um mit dem Fotografieren aufzuhören oder zu pausieren. Allerdings stellt er seine eigenen Anforderungen: Während Fotos vom Strand fast automatisch gelingen, müssen wir uns oft trüben und nebligen Tagen stellen. Diese praktischen Tipps helfen weiter. Dabei konzentrieren wir uns auf die Smartphone-Fotografie. Vieles lässt sich aber auch mit einer konventionellen Kamera umsetzen. Von Klaus Zellweger (PCtipp)

Der Winterblues und seine Tücken

Weisser Himmel

Einzelne Wolken am Himmel sind eine Wonne für Landschaftsfotografen. Doch ein grau-weisser Himmel ohne Details ruiniert ein Foto. Die Lösung ist banal, aber wirkungsvoll: nehmen Sie den Himmel nicht mit aufs Bild. Stattdessen wählen Sie einen Ausschnitt, bei dem sich im Hintergrund ein Gebäude, eine Mauer oder ein Baum befindet.

Ausserdem lassen sich mit den Einstellungen in nahezu jeder Foto-App die Farben und die Sättigung verstärken.

Farbige Motive

Hochnebel und dichte Wolken erzeugen ein weiches Streulicht, das jegliche Konturen und Schatten verschwinden lässt. Dagegen lässt sich nichts machen – aber Sie können die flache Bildwirkung durch Farben kompensieren. Halten Sie an solchen Tagen vornehmlich nach bunten, fröhlichen Motiven Ausschau.

Wolken

Wenn sich am Himmel doch noch einige Wolkenfetzen auf blauem Untergrund zeigen, bauen Sie diese grosszügig in Ihr Bild ein. Mit der richtigen App lässt sich die Wirkung deutlich verstärken, zum Beispiel mit «Snapseed» von Google (gratis für Android und iOS).

Im einfachsten Fall wählen Sie den Filter «Drama» aus, um die Wirkung deutlich zu erhöhen:

Snapseed Filter „Drama“

 

Wenn Ihnen das zu weit geht:

  1. Tippen Sie im Bereich Tools auf die Schaltfläche Selektiv.
  2. Tippen Sie bei aktiviertem Pluszeichen, auf den Himmel, um eine neue Maske zu erstellen.
  3. Spreizen Sie mit zwei Fingern, um die Maske aufzuziehen. Diese wird dabei rot markiert.
  4. Achten Sie darauf, dass der Himmel mehr oder weniger abgedeckt ist – die Maske muss nicht auf den Pixel genau sein.
  5. Wischen Sie jetzt mit dem Finger von oben nach unten, um zwischen der Helligkeit, dem Kontrast und der Sättigung zu wechseln.
  6. Mit einer horizontalen Wischbewegung wenden Sie den Regler an.
  7. Um einen Himmel dramatischer aussehen zu lassen, reduzieren Sie die Helligkeit ein wenig, während der Kontrast und die Sättigung erhöht werden.

Belichtung anpassen

Selbst das schönste Wetter erweist sich als tückisch, wenn der Schnee ins Spiel kommt. Die weissen Flächen sind so hell, dass sie den Belichtungsmesser täuschen und den Dynamikumfang des Fotosensors überfordern.

  • Der Belichtungsmesser misst die Lichtverteilung der Umgebung. Aufgrund der Resultate wird die Verschlusszeit angepasst, also die Dauer der Belichtung (Smartphones haben keine Blendenlamellen, mit denen sich die Menge des Lichts steuern liesse).

Der reflektierende Schnee sorgt dafür, dass der Belichtungsmesser die Szene viel heller einschätzt, als sie tatsächlich ist. Das führt unweigerlich zur Unterbelichtung an anderen Stellen, zum Beispiel in den Gesichtern. Zum Glück lässt sich die Fehlbelichtung auf dem Display einfach prüfen und korrigieren:

Belichtung anpassen mit dem iPhone

  1. Tippen Sie einmal auf das Hauptmotiv im Display.
  2. Verwenden Sie den Schieberegler neben der kleinen Sonne, um die Belichtung der wichtigen Bildteile anzupassen.
  3. Wenn Sie das Display für eine Sekunde gedrückt halten (zum Beispiel über einem Gesicht), werden die Belichtung und der Fokus auf diese Stelle fixiert – auch wenn Sie später den Ausschnitt verändern.

 

 

 

 

Belichtung anpassen mit Android

Die gleiche Funktionalität bieten unter Android verschiedene Apps, darunter auch die kostenlose «Open Camera».

  1. Tippen Sie in der App auf das Symbol für die Belichtungskorrektur.
  2. Verschieben Sie den Regler für die Belichtung nach Wunsch.
  3. Praktisch: Mit einem Tippen auf das Vorhänge- Die Belichtungskorrektur in «Open Camera»  wird die gewählte Belichtung fixiert, auch wenn Sie den Ausschnitt ändern.

 

 

 

 

Nahe Motive mit dem Blitz aufhellen

Falls es «nur» darum geht, ein Gesicht aus nächster Nähe ein wenig aufzuhellen, können Sie in der Kamera-App den Blitz zuschalten. Erwarten Sie aber keine Wunder – die Sonne ist ein mächtiger Gegner.

HDR-Aufnahmen sind oft die einzige Lösung

Wenn Sie im Schnee die Belichtung an die dunklen Stellen anpassen, werden hellere Partien oft überbelichtet – ein so hoher Dynamikumfang überfordert den Sensor. Die einzige Möglichkeit für ein ausgewogenes Foto ist eine HDRAufnahme.

Dabei werden in schneller Folge zwei oder mehr Bilder mit unterschiedlichen Belichtungen geschossen.

Danach werden aus den einzelnen Fotos möglichst viele Informationen aus den Lichtern und Schatten extrahiert und zu einer neuen Aufnahme zusammengesetzt.

Achtung – Verwacklungs-Gefahr!

Die Sache hat auch einen Haken, sonst würden wir alle nur noch HDR-Fotos schiessen: Da zwischen den beiden Aufnahmen ein Sekundenbruchteil vergeht, sind zwei Freihandaufnahmen nie deckungsgleich. Entweder hat der Fotograf gezittert oder das Motiv hat sich bewegt. Wenn die Abweichung besonders gross ist, führt das zu doppelten Konturen, «Ghosting» genannt. Stellen Sie die Kamera oder das Smartphone auf eine Unterlage resp. ein Stativ.

HDR-Aufnahmen mit dem iPhone

Um den HDR-Modus auf dem iPhone zu aktivieren, tippen Sie einfach am oberen Display-Rand auf die SchaltflächeHDR“ und wählen den gewünschten Modus aus (Auto, Ein oder Aus).

Wählen Sie Ein, um eine HDR-Aufnahme zu erzwingen.

Für den Fall, dass bei der HDR-Umsetzung etwas schiefgeht: aktivieren Sie im Bereich „Fotos & Kamera“ ganz unten die Option «Foto behalten». Jetzt wird zusätzlich zum HDR-Bild das Original gesichert.

Die App „Pro HDR Camera“ bietet noch mehr

Deutlich mehr Möglichkeiten bietet die empfehlenswerte App «Pro HDR Camera», die für ca. 2 Franken sowohl für iOS als auch für Android angeboten wird. Bevor die einzelnen Aufnahmen zu einem HDR-Bild zusammengefügt werden, lässt sich zusätzlich die Bildwirkung festlegen. Dazu bietet die App verschiedene Effekte und Einstellungen, um beispielsweise die Sättigung zu erhöhen oder um die Schatten gezielt aufzuhellen.

Backups

Bevor Sie sich in die Kälte wagen, sollten Sie vom SmartphoneInhalt ein Backup anlegen. Unfälle passieren – und bekanntlich immer im unpassendsten Moment.

Weitere Tipps für Winterfotos finden Sie hier.

 

Quelle: PCtipp / Februar 2016

Autor: Klaus Zellweger

www.pctipp.ch

Vielen Dank der PCtipp Redaktion, dass wir diesen Artikel wiederverwenden dürfen.

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8.01.2018