TransAustralia – 3059 Km zu Fuss mit dem Einkaufswagen durch Down Under

Christian Zimmermann durchquerte 2016 innerhalb 105 Tagen ganz Australien, von Darwin nach Adelaide, zu Fuss – mit einem Einkaufswagen! Im Interview / in diesem Bericht gewährt er uns einen kleinen Einblick in seine Erlebnisse und Geschichten. Wer mehr erfahren möchte, besucht eine seiner spannenden Live-Reportagen auf seiner Tournee durch die ganze Schweiz oder liest sein Buch – Spannung ist dabei in jedem Fall garantiert!

Christian Zimmermann, wie sind Sie auf die Idee gekommen, 3059 Kilometer zu Fuss, mit einem Einkaufswagen, durch den roten Kontinenten zu gehen?

Also mal vorneweg… es war keine Schnapsidee und ich habe auch keine Wette verloren. Ich wollte einfach wieder einmal ein Abenteuer erleben und auch ganz bewusst meine Komfortzone verlassen. Australien als Reiseland stand mittlerweile zuoberst auf meiner Wunschliste, denn mein letzter Trip durch Down Under lag schon 17 Jahre zurück.

Mein Reiseziel stand also schnell fest. Ich gab mir vier Monate Zeit für die Reise und es musste etwas Spezielles sein. Etwas, was ich nicht schon einmal gemacht habe. Ich habe Australien schon mit dem Fahrrad, einem 4×4 und PKW bereist, so blieb, wie ihr seht, nur noch eine Reise zu Fuss übrig.

Ich habe mir einfach mal zugetraut, rund 30 Kilometer am Tag zu marschieren und so kam ich zum Schluss, dass die Gesamtdistanz nicht viel mehr als 3000 Kilometer betragen sollte. Und da bot sich der berühmte Stuart Highway an, der Darwin im Norden mit Adelaide im Süden verbindet.

Nur, wie soll ich das gesamte Material transportieren? Plötzlich hatte mein Bruder Andreas eine geniale Idee: „Nimm doch einen Einkaufswagen, solche findest du überall und im schlimmsten Fall kannst du so ein Gefährt für einen Dollar mieten…“

So war also mein Projekt „TransAustralia, 3059 Kilometer zu Fuss mit dem Einkaufswagen durch Down Under“ geboren.

Was hatten Sie auf dieser Reise alles dabei und wie schwer war alles zusammen?

Mein Einkaufswagen wog vollbeladen über 120 Kilogramm. Ich musste gut 30 Liter Trinkwasser bunkern, um bei Temperaturen von bis zu 38 Grad im Schattenüber die Runden zu kommen. Auch Proviant für eine Woche musste ich mitnehmen. Die Distanz zwischen den Roadhouses, also den Orten, bei denen ich wieder einkaufen konnte, variierte zwischen 80 und 256 Kilometer.

Selbstverständlich musste auch die gesamte Campingausrüstung mit: Zelt, Schlafsack, Liegematte, Kocher, Kleider etc. Alleine meine Fotoausrüstung mit Stativ wog um die 15 Kilogramm!

Warum haben Sie sich für X-Kameras entschieden und welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Es war klar, dass ich meine Reise intensiv dokumentieren wollte und ich keine Kompromisse bei der Qualität eingehen möchte. Ich hatte zwei Exemplare der FUJIFILM XT-1 dabei. So musste ich nicht ständig Objektive wechseln, was im ziemlich staubigen Outback ein grosser Vorteil ist.

Mit den Objektiven 10-24mm, 16-55mm, 50-140mm und 60mm Macro konnte ich die wichtigsten Brennweiten abdecken. Aus Gewichtsgründen verzichtete ich schweren Herzens auf das tolle 100-400mm.

Durch die kompakte Bauweise der Kamera konnte ich einiges an Platz und Gewicht einsparen. Meine beiden XT-1 haben jederzeit zuverlässig gearbeitet, obschon sie auf meinem Trip einiges aushalten mussten.

Was waren die Schwierigkeiten auf diesem Trip?

Die Hitze am Anfang der Reise war heftig. An vielen Tagen kletterte das Thermometer über 35 Grad im Schatten. Zusätzlich heizte der Asphalt von unten mit über 70 Grad zusätzlich ein.

Auch den Verkehr musste ich ständig im Auge behalten. Vor allem wenn die bis zu 54 Meter langen Roadtrains heranbrausten, hiess es für mich meistens, die Strasse verlassen, aber schnell!

Auch das Überqueren der vielen Viehroste war nicht einfach, da die Räder des Einkaufwagens sich darin verkeilten bzw. stecken blieben. Da ging mit Stossen nichts mehr. Mühsam musste ich meinen Einkaufswagen mit roher Gewalt über die Metallschienen reissen.

Gab es Momente, in denen Sie alles hinwerfen, in einen Wagen sitzen und nach Hause gehen wollten?

Nein, eigentlich nicht. Ich wusste, wenn ich die ersten zwei Wochen durchhalte, werde ich es ziemlich sicher bis in den Süden schaffen. Als Fotograf bin ich es mir auch gewohnt, alleine unterwegs zu sein. Und je länger meine Reise ging, desto mehr schätzte ich mein langsames Reisetempo.

Was waren die besonderen, die schönen Momente?

Ganz klar die Begegnungen mit den Menschen unterwegs. Ich habe wirklich die unterschiedlichsten Leute getroffen. Manche waren lustig oder langweilig, unterhaltsam oder seltsam, meistens aber in jedem Fall freundlich und hilfsbereit.

Wie haben Sie sich motiviert, durchzuhalten?

Auf so einem gewaltigen Fussmarsch muss man sich kleine Ziele setzen, die man auch erreichen kann – halt wie im normalen Leben zuhause.

Hätte ich am Start meiner Reise die gesamte Australienkarte ausgefaltet und geguckt, wie weit ich an einem Tag zu wandern habe, wäre ich sicherlich fast übergeschnappt.

So waren meine Ziele zum Beispiel die nächste Pause, eine gerade Kilometerzahl oder das Erreichen des nächsten Roadhouses.

Trotz der kleinen Ziele darf man aber auch das Gesamtbild nicht aus den Augen verlieren. Mein Rückflug war schon gebucht und so musste ich meine Kilometerleistungen im Griff haben, damit ich pünktlich in Adelaide ankommen konnte.

Wie sah ein normaler Tag von Christian Zimmermann auf diesem Trip aus?

Um die kühlen Morgenstunden ausnützen zu können, stand ich meistens um fünf Uhr auf, manchmal auch früher. Nach der Morgentoilette, Porridge essen, Kaffee trinken und Camp abbauen, war ich 45 Minuten später schon „abfahrtbereit“ zurück auf der Strasse.

Bis zum Mittag hatte ich meistens schon über 20 Kilometer geschafft. Für meine drei-bis vierstündige Siesta nach dem Mittagessen habe ich mir einen einigermassen schattigen Platz gesucht, was manchmal nicht ganz einfach war. Nach dem Essen habe ich es mir, auf meinem Campingstuhl, mit dem Notebook auf dem Schoss, bequem gemacht und an meinem Tagebuch gearbeitet.

Ab 15 Uhr ging es noch einmal für zwei bis drei Stunden auf die Strasse. Im Durchschnitt bin ich 32 Kilometer pro Tag marschiert, einige Male ging es sogar über die Marathondistanz von 42 Kilometer.

Ab 17 Uhr habe ich Ausschau gehalten, um ein geeignetes Nachtlager zu finden. Wichtig war da, dass es ein bisschen weg von der Strasse war und dass man mich vom Highway aus nicht sehen konnte – sicher ist sicher.

Wurden Sie nicht auch ab und zu ein wenig komisch angeschaut, so alleine, mit Einkaufswagen in der Wüste?

Ich wurde andauernd komisch angeschaut und für verrückt erklärt. Ich war ja definitiv der einzige Fussgänger weit und breit! Die Aussies konnten nicht glauben, was sie da sahen. So war ich schnell als „The Trolley Man“ bekannt undnd mein Einkaufswagen wurde sogar von einer Schulklasse auf „Mrs. Molly“ getauft, weil es sich so schön auf „Trolley“ reimt.

Was sind Ihre 3 wichtigsten Abenteurer-Tipps?

  1. Den gesunden Menschenverstand walten lassen.
  2. Wissen, was man kann und was nicht. Sich nicht selber überschätzen.
  3. Auf seinen Körper hören.

Was macht Christian Zimmermann, wenn er nicht gerade Australien zu Fuss durchquert?

Seit fast 25 Jahren betreibe ich, gemeinsam mit meinem Bruder Andreas, die Firma Global AV-Produktionen. So sind wir regelmässig auf der halben Welt mit unseren Kameras unterwegs und halten unsere Abenteuer fest, welche wir dann auf der Tournee in unseren Live-Reportagen zeigen.

Nach den Reisen verwandeln wir uns deshalb von Abenteurern zurück in „Bürogummis“. Dann heisst es: Bild- und Videomaterial sichten, bearbeiten und unsere Live-Reportagen zusammenstellen. Auch in der Organisation unserer Tourneen steckt viel Arbeit und Herzblut.

Planen Sie bereits weiter solche Projekte? Verraten Sie uns, welche?

Nach der erfolgreichen Durchquerung des Roten Kontinentes habe ich kurzerhand meine „Mrs. Molly“ in Adelaide verschifft. Mittlerweile ist mein Einkaufswagen in der Schweiz angekommen. Das langsame Reisetempo durch Australien hat mir extrem gut gefallen. So in zwei, drei Jahren plane ich deshalb mit Mrs. Molly von meinem Wohnort in der Schweiz nach Moskau zu marschieren…

Sie und Ihr Bruder machen so zu sagen abwechslungsweise diese Abenteuer-Reisen und Live-Reportagen und können mittlerweile sogar davon leben. Denken Sie nicht ab und zu daran, einfach in ein Büro zu sitzen und einem „normalen“ Job nachzugehen?

Zwei Drittel unserer Arbeitszeit findet im Büro statt und das reicht völlig. Die Abwechslung macht unsere Arbeit zum Traumjob.

Was erwartet die Besucher an einer solchen Live-Reportage?

Wir bieten zwei Stunden Unterhaltung. Auf einer bis zu 7×3 Meter grossen Leinwand präsentieren wir unsere Produktionen live: Tolle Bilder, coole Videos, interessante Interviews oder wunderbare Zeitraffer machen die Shows zu einem kurzweiligen Erlebnis.

Die Besucher können in ein anderes Land oder in ein Abenteuer eintauchen und dem Alltag für kurze Zeit entfliehen und das garantiert ohne Jetlag! Sie können mit uns persönlich fachsimpeln und sich auch Tipps für eigene Reisen abholen.

Alle Infos sowie Tickets für die Live-Reportagen zu „TransAustralia“ finden Sie unter www.global-av.ch

Weitere Impressionen von Christian Zimmermanns „TransAustralia“ Abenteur

Im Fokus: Christian Zimmermann

Christian Zimmermann wurde 1968 geboren und machte ursprünglich eine Lehre als Lanschaftsgärnter. Das Reisen hat er jedoch bereits früh entdeckt und führe ihn immer wieder nach Australien und andere Destinationen auf der ganzen Welt.

Das Fotografieren brachte er sich selbst bei und mittlerweile ist er ein begeisterter FUJIFILM-User.

Mehr Infos zu Christian Zimmermann und seinem Buch (Tredition Verlag) sowie den Live-Reportagen zu „TransAustralia“ finden Sie unter www.global-av.ch

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18.10.2017