Blumen fotografieren – so gelingen schöne Blumenbilder

Blumen und Blüten sind für Fotografen dankbare Objekte: Sie sind farbenfroh, vielfältig und bieten fast endlose Details. Egal, ob von Nahem oder als Farbtupfer in einer Landschaft: Blumen machen fast jedes Bild ein wenig schöner. Zudem halten Blumen still und laufen nicht im besten Moment aus dem Rahmen. Mit ein wenig Fachwissen ist es erstaunlich einfach, tolle Blumenbilder zu machen

Komposition und Bildgestaltung

Für Blumenfotos gelten dieselben Kompositionsregeln, wie für die meisten anderen Sujets auch, wobei man auf folgende Grundlagen besonders achtensollte: Die Drittelsregel, Abwechslung im Blickwinkel und der Lichteinfall.

Mehr zum Thema Drittelsregel finden Sie im Artikel „Bildgestaltung – vom Goldenen Schnitt zum perfekten Bild“.

Blickwinkel und Aufnahmeposition

Gerade der Blickwinkel ist bei Blumen und Blüten ein einfaches Mittel, um das Bild interessanter zu gestalten. Meist kennt man die Blumen nur aus der Frontalansicht. Probieren Sie also einmal etwas anderes aus: Seitliche Aufnahmen oder sogar Bilder von unten, sieht man von Blumen eher selten, dabei können gerade solch unübliche Blickwinkel besonders spannende Bilder von Blumen ergeben

Die „Käferperspektive“: Geht man mit dem Objektiv genug weit nach unten, erhält man das Gegenstück zur Vogelperspektive. Das lässt die Blumen grösser erscheinen und lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters darauf.

Die Ansicht von unten bietet sich allerdings nur bei grösseren Blumen, wie beispielsweise der Sonnenblume, an. Hier kann man so sehr schöne und nicht ganz alltägliche Blumen-Fotos aufnehmen, wohingegen es sich bei kleineren Pflanzen schwierig gestalten könnte, die Kamera überhaut darunter zu bekommen.

Achten Sie auf den Hintergrund!

Nicht zu unterschätzen ist, ebenfalls hinsichtlich der Perspektive, der Hintergrund. Fotografiert man eine Blume von oben, wird der Hintergrund mit grosser Wahrscheinlichkeit braun, grün oder eine Kombination davon. Das ist vielleicht manchmal erwünscht, aber nicht immer die interessanteste Option.

Verlegt man seinen Aufnahmewinkel tiefer hinunter, erhält man mehr Variationen im Hintergrund. Beispielsweise andere Blumen, die sich bei starker Tiefenunschärfe als Farbtupfer im Hintergrund bemerkbar machen. Auch der farbliche Übergang zwischen einer grünen Landschaft und einem blauen Himmel sorgt für mehr Abwechslung und eine vielfältigere Farbpalette.

Blumen in Gruppen aufnehmen und mit der Tiefenschärfe spielen

Neben Detailaufnahmen sind Blumen auch in Gruppen oder als ergänzende Elemente sehr interessant.

Ein klassisches Motiv ist zum Beispiel, Blumen in den Vordergrund einer Aufnahmezu stellen und diese Komposition einmal mit Fokus auf den Hintergrund und einmal mit Fokus auf die Blumen zu fotografieren. Dabei verwendet man selten eine einzelne Blume im Vordergrund, sondern eher grössere Gruppen.

Auch blühende Büsche eignen sich hierfür ausgezeichnet. Der Hintergrund sollte natürlich möglichst interessant sein. Im Idealfall sind weitere Blu­men im Hintergrund vorhanden. Diese kommen sich sowohl im Fokusbereich als auch im unscharfen Bereich (Bokeh) bestens zur Geltung.

Mehr zum Thema Schärfentiefe finden sie im Artikel „Schärfentiefe Teil 1“ oder im Artikel „Schärfentiefe Teil 2“

Blumen als Rahmen

Blumen eignen sich auch gut als Rahmen. Eine hübsche Landschaft oder eine Person mit ein paar Blumen rundherum wirken immer gut. Achten Sie aber darauf, dass die Blüten das Bild tatsächlich auch schön ergänzen und nicht, als hätte man sie beim Fotografieren übersehen…

Der Fokus kann dabei entweder auf dem Hintergrund oder auf den Blumen liegen. Den Hintergrund und die Blumen gleichzeitig im Fokus zu haben, bringt eher wenig und lässt sich technisch nur schwierig bewerkstelligen. Ausserdem fehlt es dem Bild dann, durch die nicht vorhandene Tiefenunschärfe, an Tiefe.

Makroaufnahmen

Eine gute Möglichkeit für gelungene Blumenbilder, ist die Makrotechnik.

Als Makroaufnahmen bezeichnet man extreme Nahaufnahmen, die meistens mit speziellem Makro-Objektiven oder aber dem bei heutigen Kameras fast immer vorhandenen Makro-Modus angefertigt werden.

Wo genau der Makrobereich beginnt, ist umstritten und auch nicht so wichtig.

Makro-Aufnahme-Technik

Die Makrofotografie funktioniert etwas anders als die herkömmliche Fotografie: Die Linse muss extrem nahe zum Objekt und durch die so gegebenen, kurzen Distanzen schmilzt der Schärfebereich massiv.

Mehr zum Thema Makrofotografie finden Sie in den Artikeln „Makrofotografie im Alltag“, „Makrofotografie – eine faszinierende Welt“ und „Makrofotografie – einfach näher ran“.

Kameras und Objektive für Makroaufnahmen

Für Makroaufnahmen lohnt sich fast immer ein spezielles Makro-Objektiv bzw. ein bestimmter Brennweitenbereich. Dieser liegt zwischen 50 und 105mm (Kleinbild).

Für Smartphones und Kompaktkameras gibt es zwar die bereits erwähnten Makromodi, die jedoch nicht an die Leistung eines Makro-Objektivs heranreichen.

Blende, ISO, Verschlusszeit bei Makroaufnahmen

Blendenöffnungen im einstelligen Bereich sind nur sehr selten sinnvoll. Die Blendenzahlen  werden sie sich zwischen f11 und f22 bewegen. Das erfordert entsprechend mehr Licht:  Entweder durch künstliche Lichtquellen, längere Belichtungszeiten oder höhere ISO-Werte.

Ein höherer ISO-Wert führt zu mehr Bildrauschen und ist deshalb, zugunsten der Bildqualität, jeweils die letzte Wahl.

Für statische, sich nicht bewegende Objekte ist eine längere Belichtungszeit ideal. Gerade aber bei Fotos im Freien (Wind) oder bei beweglichen Sujets wie Insekten ist das keine Option.

Lichtquellen für gelungene Makroaufnahmen

Oft helfen nur externe Hilfsmittel, um genügend Licht auf die Linse zu bringen.

Hier gibt es bei Makroaufnahmen zwei Varianten: Blitzlicht oder durchgehendes Licht – wie sonst in der Fotografie auch.

Blitzlicht ist deutlich kräftiger und effizienter, allerdings für Tierfotos ungeeignet. Wer seiner Katze ins Auge blitzt, muss mit stark reflektierenden (roten) Augen und vielleicht mit dem einen oder anderen Kratzer rechnen. Da eignet sich eine durchgehende Lichtquelle wie eine Taschenlampe besser.

Da man bei Makroaufnahmen meistens extrem nahe am Sujet dran ist, sind reguläre Blitze nicht besonders vorteilhaft und müssen entweder aus unorthodoxen Winkeln verwendet oder indirekt auf das Sujet gelenkt werden. Beides ist nicht ideal.

Eine gute Alternative zu herkömmlichen Blitzen sind Ringblitze oder Ringlampen. Diese kreisförmigen Lichtquellen werden direkt am Objektiv montiert und beleuchten so das Sujet nicht nur aus nächster Nähe, sondern auch ohne unerwünschten Schattenwurf.

Mehr zum Thema Fotografieren mit Blitz finden Sie in diesem Artikel.

Quelle: PCtipp / Mai 2017

Autor: Luca Diggelmann

www.pctipp.ch

Vielen Dank der PCtipp Redaktion, dass wir diesen Artikel wiederverwenden dürfen.

546 1 32
16.06.2017