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Wissenswertes

Das Recht am eigenen Bild

Immer wieder hört man vom „Recht am eigenen Bild“. Was beim Fotografieren und vor allem Benutzen von Bildern zu beachten ist, ist zwar mit keinem speziellen Artikel im Schweizer Recht festgehalten, dennoch besitzt jede Person dieses Recht. Aber, was heisst das genau?

Persönlichkeitsrecht

Das Recht am eigenen Bild (egal ob gezeichnet, fotografiert, gefilmt oder gemalt) ist ein Persönlichkeitsrecht. Jeder Mensch darf grundsätzlich selbst darüber bestimmen, ob und in welchem Zusammenhang Bilder von ihm verwendet werden dürfen. Dies gilt auch für den eigenen Namen und die eigene Stimme. Es gehört aber nicht zum Bereich der menschlichen Existenz und kann somit veräussert, sprich es kann zum Gegenstand vertraglicher Vereinbarungen gemacht werden (im Gegensatz zu unveräusserlichen Rechte wie das Recht auf Leben).

 

Grundsätzlich gilt: wer ein Bild einer Person veröffentlicht, ohne deren Einverständnis, verstösst gegen das Gesetz. Kommt es zu einer Klage muss ein Gericht entscheiden, ob diese gerechtfertigt ist, denn es gibt auch Ausnahmeregelungen bzw. Rechtfertigungsgründe, ein Bild auch ohne direktes Einverständnis veröffentlichen zu können.

 

Dabei darf nicht vergessen werden: Es muss sich nicht zwingend um fremde Personen handeln!

 

Bei der Beurteilung, ob eine Veröffentlichung eines Bildes gegen das Persönlichkeitsrecht verstösst, müssen zwei Dinge berücksichtigt werden:

 

die Art der Abbildung und der Kontext

Art der Abbildung

 

A: Die Person steht NICHT im Zentrum der Abbildung, ist also nur „Beiwerk“

Im öffentlichen Raum ist es teilweise unmöglich, Bilder ohne Menschen darauf zu schiessen. Sei es an touristischen Plätzen, an öffentlichen Veranstaltungen oder an einem belebten Bahnhof. Daher gilt: wenn sich eine Person in die Landschaft bzw. die Umgebung einfügt und nicht gezielt im Fokus steht, braucht es keine Einwilligung der abgebildeten Person.

  • Sie machen ein Foto des Kolosseums in Rom, dabei stehen viele Leute vor der Sehenswürdigkeit. Es ist unmöglich ein Bild ohne Menschen zu schiessen. Sind hier Personen nicht im Fokus, so sind diese „Beiwerk“.

B: Die Person steht im Zentrum der Abbildung

Damit man nicht gegen das Recht am eigenen Bild verstösst, und eine Person im Fokus eines Bildes steht, muss diese dies selbst wollen und auf dem Bild erkennbar sein.

Es ist dabei hilfreich zu beachten, wo man sich gerade befindet (ob im öffentlichen, privaten oder sogar geheimen Lebensbereich). Je mehr die abgebildete Person durch das Bild in ein schlechtes Licht gerückt werden kann, desto strenger wird beurteilt.

  • Sie machen ein Foto des Kolosseums in Rom, dabei stehen viele Leute vor der Sehenswürdigkeit. Es ist unmöglich ein Bild ohne Menschen zu schiessen. Dabei steht Ihr Partner vor der Sehenswürdigkeit und ist klar auf dem Bild ersichtlich. Nun kommt es auf den Kontext an.

Kontext

 

Es gibt drei Rechtfertigungsgründe, wieso eine Veröffentlichung eines Bildes auch im Falle einer im Fokus stehenden Person, verhältnismässig und gerechtfertigt und somit zulässig ist.

 

A: Einwilligung

Zeigt sich eine Person mit einer Veröffentlichung (idealerweise bereits vor der Aufnahme) einverstanden, darf das Bild für den bekanntgegebenen Zweck benutzt werden. Achtung: Diese Einwilligung bezieht sich meist nur auf den konkreten Fall und muss nicht für andere, künftige Zwecke gelten.

 

Eine Einwilligung muss aber nicht zwingend explizit ausgesprochen werden. Das Verhalten, die Gestik und die Mimik einer Person können als stillschweigende Einwilligung gedeutet werden (zBsp. durch bewusstes Posieren, alleine oder auf einem Gruppenfoto). Ein Strassenkünstler zum Beispiel lebt davon, fotografiert zu werden. (Strassenarbeiter jedoch nicht!)


Die Einwilligung ist, ausgenommen von wenigen Ausnahmen, jederzeit frei widerrufbar.

  • Ihr Partner posiert willentlich vor dem Kolosseum damit Sie ein tolles Foto schiessen können.

B: Überwiegendes öffentliches oder privates Interesse

Dieser Rechtfertigungsgrund (zur Verletzung des Rechts am Bild) ist für Medienschaffende besonders wichtig. Das Interesse der Öffentlichkeit muss hier wichtiger sein als das Recht am Bild der abgebildeten Person (Politiker, etc.). Oft muss eine öffentliche Person hinnehmen, was für eine private Person schon eine ungerechtfertigte Verletzung seines Rechts am Bild ist.

  • Während einem Halt in einem Café läuft ein TV, es werden gerade Nachrichten gezeigt. Dabei ist ein wichtiger Politiker zu sehen, welcher an einer Veranstaltung teilnahm.

C: Gesetzliche Grundlage

Private Interessen als Rechtfertigungsgrund sind selten, kommen aber beispielsweise dann vor, wenn ein Bild eines Straftäters zu Fahndungszwecken veröffentlicht wird.

  • Im Café liegen auch Zeitungen zum Durchschauen bereit. Die Polizei appelliert zur Hilfe aus der Bevölkerung, einen Ganoven zu schnappen, und zeigt dabei das Fahndungsfoto auf der Frontseite.

Einwilligung von Kindern und Jugendlichen

Hierbei geht es darum, unter welchen Bedingungen jemand überhaupt eine rechtlich gültige Einwilligung geben kann. Die Person muss urteils- aber nicht zwingend handlungsfähig sein. Das heisst also, sobald eine Person, egal in welchem Alter, Sinn, Tragweite und Nutzen Ihrer Handlung erkennen kann, kann diese ihre Einwilligung geben.

  • In der Stadt steht eine Gruppe Schüler. Als diese merkt, dass Sie ein Foto machen möchten, stellt sich die Gruppe zusammen und schaut gespannt in Ihre Kamera und ruft „Cheeeees“.

Das Recht am eigenen Bild wurde ungerechtfertigt verletzt – was tun?

Zuerst sollte man, wenn möglich, das Gespräch mit der Person suchen, die das Bild oder das Video veröffentlich hat und darum bitten, dieses zu löschen. Ein Schritt vors Gericht lohnt sich nur in sehr schwerwiegenden Fällen, denn dabei entstehen hohe Kosten und es dauert meist sehr lange.

 

Fazit

Grundsätzlich ist das Recht am eigenen Bild zwar gegeben und es braucht eine Einwilligung der abgebildeten Person, unter gewissen Umständen kann das Recht aber gerechtfertigt verletzt werden.

 

In jedem Fall sollte mit Respekt und Anstand gehandelt werden. Bilder, welche Personen blossstellen, lächerlich machen oder beleidigen sollten nicht veröffentlicht werden. Hierbei könnten auch Grenzen anderer Strafbestände überschritten werden.

 

Es lohnt sich auch, das Kleingedruckte bei den sozialen Netzwerken gut durchzulesen...

 

>> Mehr Inforamtionen und der gesamte gesetzliche Text finden Sie bei der Bundesverwaltung unter dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten.

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