Tipps für das Fotografieren an (Openair) Festivals

Sommerzeit ist Festival- und Openair-Zeit. Für Konzert- aber auch Hobby-Fotografen die Gelegenheit, um einzigartige Konzert- und Eventsfotos zu machen. Die Kombination von unvorhersehbarem Wetter, mehreren Bühnen, schier unzähligen Bands und allenfalls mehreren Tagen ist zwar herausfordernd, vor allem aber sehr lohnenswert. Til Jentzsch, selbst Konzert-Fotograf, gibt in diesem Artikel praktische Tipps, wie diese Fotos gelingen und worauf man auch als Profi achten sollte.

Das 1×1 der Openair-Festivals

Als erstes, bevor wir zu den fototechnischen Aspekten für ein Musikfestival kommen, sollte man sich, genau wie jeder andere Festival-Besucher, auf ein Festival vorbereiten:

  • Immer genügend Wasser / Flüssigkeit dabei haben
  • Sonnenschutz tragen
  • Bequeme (und je nach dem wasserfeste) Schuhe tragen
  • Snacks mitbringen

An einem Festival ist man wahrscheinlich stundenlang auf den Beinen. Sowohl im überfüllten Fotograben als auch beim Laufen zwischen den verschiedenen Bühnen ist bequemes Schuhwerk unerlässlich. Die Flip-Flops lässt man am besten zu Hause.

Vergessen Sie nicht, durch den Tag genügend zu trinken und zu essen. Packen Sie wenn möglich kleine Snacks wie Energieriegel ein, damit Sie zwischendurch Energie tanken kann.

Openair Fotografie Grundlagen

Folgende Tipps gelten sowohl für nicht-akkreditierte als auch für offiziell für den Fotograben und die Medienbereiche zugelassenen Fotografen. Tipps für letztere finden Sie weiter unten in diesem Artikel.

Den Tag planen

Machen Sie für das Fotografieren von Openairs bereits einige Wochen im Voraus einen Zeitplan für die Bands, die Sie fotografieren möchten. Wie bei den meisten Fotografie-„Disziplinen“ ist auch bei der Openair Fotografie das Timing alles.

Da oft Dutzende von Bands an einem bestimmten Tag auftreten, lohnt es sich, einige Minuten in einen „Schlachtplan“ zu investieren um das Maximum herauszuholen. Planen Sie, wenn immer möglich, auch Pausen für sich selbst ein, um wieder Energie zu tanken. Kleine Pausen können den Unterschied machen, ob man seine Leistung bei den grössten Bands am Ende eines Festivaltages abliefern kann oder nicht.

Die Startzeiten, der Abstand zwischen den Bühnen, die zu erwartende Popularität der Bands und die mit dieser einhergehende Grösse der „Crowd“ sind die Hauptfaktoren für diese Planung. Kommen Sie also früh zur Bühne für die Bands, die Sie unbedingt fotografieren müssen oder wollen – auch wenn dies bedeutet, dass Sie andere Acts „verpassen“.

Fotografie Tipps für Festivals

Grundsätzlich gelten an Open-Airs dieselben Fotografie-Tipps wie an „normalen“ Konzerten. Diese finden Sie in diesem Beitrag, ebenfalls von Til Jentzsch. Einzig die Lichtverhältnisse sind an einem Openair-Festival anders, was eine Auswirkung auf den Weissabgleich hat:

Weissabgleich richtig einstellen

Bei ganztägigen Festivals spielt die Mehrheit der Bands bei Tageslicht und nicht mit Bühnenlicht. Je nach Ausrichtung der Bühnen und Tageszeit kann es aber sein, dass die Band im Schatten der Bühnen-Überbauung spielen.

Die Voreinstellung des Weissabgleichs für schattige Bühnen kann helfen, Szenen aufzuwärmen, die sich sonst mit dem automatischen Weissabgleich als etwas kühl erweisen könnten. Die Verwendung der Tageslichtvorwahl „Bewölkt“ oder die manuelle Anwahl in einem Kelvin Bereich von 5000-7000 sollte in den meisten Fällen funktionieren. Dieser kleine Trick kann ausreichen, um Künstler unter schattigen Bühnen davon abzuhalten, zu blau auszusehen.

Fotoausrüstung für Openairs

Kamera und Objektive für Festival-Fotografie

Grundsätzlich nehme ich persönlich immer zwei Kameras zu einem Festival mit, sodass ich nicht immer die Objektive wechseln muss. Bis vor kurzem waren das noch FUJIFILM X-T2 mit Batteriegriff. Im Frühjahr dieses Jahres habe ich dann auf die FUJIFILM X-H1 mit Batteriegriff gewechselt, diese verfügt über einen eingebauten Bildstabilisator (IBIS (in body image stabilisation).

Mein Festival-Kit enthält zudem drei Zoom-Objektive:

  • ein Ultra-Weitwinkelobjektiv (KB ca. 10-24mm)
  • eines im mittleren Bereich (KB ca. 24-80mm)
  • ein Teleobjektiv (KB <50mm)

Mit Ausnahme der „Headliner“, welche in der Regel erst am späteren Abend aufspielen, können die meisten der Tages-Acts auch mit einem «einfachen» Kit-Zoom-Objektiv (KB 24-80mm) mit variabler Blende fotografieren kann.

Trotzdem sind f/2.8 Zoom (durchgehend gleichbleibende Blende) empfohlen, denn wenn die Sonne untergeht und die Headliner auf der Bühne stehen, werden Objektive mit kleinerer Blendenöffnung mit der normalen Bühnenbeleuchtung Schwierigkeiten haben.

Weitwinkel-Objektive

Ein Ultraweitwinkelobjektiv wie das Fujinon 10-24mm f/4, das ich benutze, ist grossartig, um die Atmosphäre von Festivals einzufangen, und besonders schön, wenn die Acts die Bühne verlassen um nah und persönlich mit den Fans in Kontakt zu kommen. Darüber hinaus sind Weitwinkelobjektive fantastisch um das Lichtspektakel der Hauptbühne am Abend einzufangen und auch noch das Publikum miteinzubeziehen.

Für Konzertaufnahmen wird ein Ultraweitwinkel aufgrund der Höhe der Hauptbühnen nur einen begrenzten Nutzen haben. Für die kleineren und weniger hohen Nebenbühnen gibt es aber gute Einsatzmöglichkeiten. Hier kann man dann selbst von vor der Bühne gute Übersicht-Aufnahmen der Band bekommen bzw. von einer seitlichen Perspektive sowohl Bühne als auch Fans auf ein Bild bekommen.

Teleobjektive

Für die Hauptbühnen mit den Headlinern setze ich ein Telezoom ein (ich benutze das Fujinon XF 50-140mm f/2.8). Der Nutzen des Teleobjektives für grosse Festivals liegt zum Teil an der Höhe der Bühnen (welche bei Veranstaltungen wie dem Greenfield Festival beträchtlich sein kann), aber auch an der hohen Anzahl anderer Fotografen. Mit einem Teleobjektiv kann man auch von weiter hinten aus der Gruppe heraus oder von den Seiten fotografieren, wo es in der Regel einfacher ist, sich zu bewegen, und von wo man auch manchmal eine bessere, oft auch spannendere Perspektive hat. Bei Bedarf benutze ich noch den 1.4x Konverter um etwas mehr Reichweite zu haben.

Zoom-Objektive im mittleren Bereich

Für Frontaufnahmen der grössen Bühnen und für die kleineren Bühnen im Allgemeinen ist ein Zoom im mittleren Bereich wie das Fujinon XF 16-55mm f/2.8 oder Fujinon XF 18-55mm f/2.8-4 eine gute Wahl. Aufgrund des grösseren Umfangs der meisten Musikfestivals kann das Zoom im mittleren Bereich eine „breitere“ Rolle spielen. Nicht nur, dass man es für alle Bühnen einsetzen kann; es dient auch als Allround-Objektiv für das Geschehen am Rande, wie die Fans in der ersten Reihe und Stimmungsaufnahmen vom Festival.

Genügend Akku und Speicherplatz!

Bei den vielen Band ist es wichtig, dass man ein Augenmerk auf die Akkuleistung und die Kapazität der Speicherkarte legt. Man möchte ja nicht, dass man am späteren Abend, wenn die „Headliner“ die Bühne rocken, die Batterien leer sind oder man keinen Speicherplatz mehr hat.

Wenn man mehrere volle Tage fotografiert, sollte man alle Batterien vor Beginn eines jeden Tages voll aufladen.

TIPP: Um Akkuleistung zu sparen sollte man die Bildbetrachtung am Kamerabildschirm minimieren und konservativ fotografieren.

Ebenfalls ist beim Fotografieren eines Musikfestivals der Bildspeicherplatz von zentraler Bedeutung. Musikfestivals sind die Marathons der Live-Musikfotografie, und reichlich Speicherplatz ist genauso wichtig wie die Batterien für die Stromversorgung der Kameras.

Ein ganztägiges Festival benötigt mindestens 2-4 Mal so viel Speicherplatz wie ein normales „3-Band-Konzert“.

Auch ist es sehr wichtig, Ihre Daten effizient zu verwalten. Hierfür gibt es drei Hauptansätze:

  • Speicherkarten mit grosser Kapazität
  • Abspeicherung auf dem Laptop
  • „Bearbeitung“ in der Kamera (Überprüfung + Löschen vor Ort)

Speicherkarten mit grosser Kapazität

32GB oder sogar 64GB Speicherkarten sind zu empfehlen und heutzutage auch erschwinglich.

Abspeicherung auf dem Laptop

Wenn man die Möglichkeit hat, vor Ort die Bilder auf einen Laptop herunterzuladen, beseitigt das im Wesentlichen alle Speicherprobleme. Haben Sie die Möglichkeit, den ganzen Tag über neben dem Fotografieren die Bilder auch gleich „auszumisten“, macht dies die Arbeit während des Festivals sehr viel effizienter.

«Bearbeitung» in der Kamera

In-Kamera-Bearbeitung bedeutet einfach, Bilder auf dem Bildschirm der Kamera zu betrachten und wenn nötig zu löschen. Wenn man zwischen den Sets genügend Zeit hat, ist dies eine gute Option, da man nicht mehr Hardware benötigt als das, was man bereits hat – die Kamera.

Der Nachteil dieses Ansatzes ist, dass man nicht den Vorteil einer grossen Anzeige für eine genaue und kritische Betrachtung der Bilder hat. So besteht die Gefahr, dass man unvorsichtige Entscheidungen trifft und versehentlich gute Bilder löscht. Auch muss bei dauerndem Einsatz der Monitor-Ansicht an den Akku gedacht werden…

Tipps für akkreditierte, offizielle Openair-Fotografen

Wer an einem Festival offiziell als Fotograf akkreditiert ist hat natürlich noch weitaus mehr Möglichkeiten, aber auch das eine oder andere zu bedenken.

„Offiziell“ an einem Openair fotografieren – wie kommt man dazu?

Zuerst aber zur Frage, wie man denn überhaupt „offiziell“ an einem Festival Fotografieren darf und wie man zugelassen wird.

Dies hängt sehr davon ab, was Sie machen bzw. für wen Sie fotografieren: Wenn Sie für eine Zeitung, Agentur oder ähnliches fotografieren, dann kümmern sich diese entweder um Akkreditierung oder Sie nehmen diese selbst vor und haben dann einen Nachweis auf sich, für wen Sie fotografieren. In der Regel gibt es auf den Webseiten eines Openairs Infos, einen Kontakt oder gar ein Kontakt-Formular, über welches man sich akkreditieren lassen kann.

Wenn Sie sogar Teil vom Festival bzw. im OK sind, wie Til Jentzsch im Simmental, dann erübrig sich die Akkreditierung.

Oder Sie sind „Teil“ der Band, also so zu sagen offizieller „Band-Fotograf“, dann sind Sie auf der Mitgliederliste der Band und bekommen so ebenfalls einen Zugang auf das Gelände. In diesem Fall können Sie aber meist auch nur Bilder von dem Künstler machen, mit dem Sie unterwegs sind. Aber manchmal ergeben sich da auch Möglichkeiten… 

Ablauf und Planung

Die Startzeiten, der Abstand zwischen den Bühnen und die zu erwartende Popularität der Bands sind die Hauptfaktoren für diese Planung. Der letzte Punkt der Popularität ist besonders für akkreditierte Profi-Fotografen wichtig: die Anzahl der Fotografen, welche offiziell in den Fotograben zugelassen werden, ist oft begrenzt. Dies war z. B. bei Green Day am Greenfield Festival 2017 der Fall. Hier wurden nur etwa 10 von den 50 anwesenden Fotografen in den Fotograben zugelassen.

Kommen Sie also früh zum Fotograben für die Bands, die Sie unbedingt fotografieren müssen oder wollen – auch wenn dies bedeutet, dass Sie andere Acts „verpassen“.

Wenn für Fotografen ein Medien-Zelt oder ähnliches zur Verfügung steht so können Sie hier alles, was Sie nicht benötigen deponieren. Dies gilt auch für den Laptop für die Datenspeicherung und Datensicherung.

Fotograben Etikette

Dies ein Tipp für akkreditierte Fotografen: Bei grossen Musikfestivals können die Fotograben schnell überfüllt sein. Grundsätzlich gilt hier die goldene Regel: seien Sie rücksichtsvoll, denn mit aller Wahrscheinlichkeit wird man den ganzen Tag/ das ganze Wochenende lang den Fotograben mit denselben Leuten teilen.

Die ersten drei Lieder

Wie bei den meisten „normalen“ Konzerten gilt für offiziell für den Fotograben zugelassene Fotografen auch bei Festivals die Regel „die ersten drei Lieder“. Das bedeutet, dass Sie die ersten drei Songs einer Band aus dem Fotograben fotografieren kann.

Für populäre Bands und die „Headliner“ am Abend ist es ratsam, frühzeitig zum Fotograben zu gehen, wenn man eine gute Aufnahmeposition haben möchte. Wenn man erst kurz vor Beginn des Konzertes Richtung Bühne geht, kann es passieren, dass man Schwierigkeiten hat sich durch das Publikum zu kämpfen und bleibt dann nur am Rande des vollgepackten Fotograben hängen.

«Zonenverteidigung»

Da der Fotograben bei Festival eher überfüllt ist, ist es nicht sinnvoll, sich darin zu bewegen, wie bei einem «normalen» Konzert. Das ständige Bewegen wird ein verlorener Kampf in einem überfüllten Graben sein, so dass es einfacher ist, „Zonenverteidigung“ zu spielen und Musiker aus einem einzigen Bereich zu fotografieren, wenn sich von dort die Möglichkeiten bieten.

Schlussbemerkungen

Wenn Sie ein Festival / Openair fotografieren gehen, haben Sie Spass! Ich hoffe, diese Tipps und Anregungen haben geholfen. Eine letzte Sache: Auch wenn der Wetterbericht für das Festival toll sein sollte, sollte man immer seine Gummistiefel mitnehmen

Der Tipp-Geber: Til Jentzsch

Til Jentzsch fotografiert seit über 30 Jahren. Seit 2008 ist er als freischaffender Musikfotograf unterwegs. Dabei steht er nicht nur vor der Bühne, sondern begleitet Künstler auch vor und nach den Auftritten und dokumentiert so deren Alltag

Seit 2015 ist er darüber hinaus offizieller Schweizer X-Photographer.

Mehr Infos zu Til Jentzsch findet man auf seiner Webseite http://blickwechselfotografie.ch

Auf Instagramhttp://instagram.com/blickwechsel

Sein offizielles X-Photographers-Galerie-Profil finden Sie hier.

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17.07.2018