Testbericht: das Fujinon XF200F2 R LM OIS WR und XF1.4X TC F2 WR bei einem Sportfotografen

FUJIFILM hat vor kurzem das neue Fujinon-Objektiv Fujinon XF200 F2 R LM OIS WR sowie den extra dafür entwickelten Telekonverter Fujinon XF1.4x TC F2 WR angekündigt.

Um dessen Leistung, vor allem in Sachen Geschwindigkeit und Autofokus, zu testen, hat FUJIFILM dem Sportfotografen Martin Meienberger das Objektiv für einen Test zur Verfügung gestellt. Resultat: er ist mehr als begeistert! Martin Meienberger berichtet von seinen Erfahrungen…

JPEG aus X-T3 BW 420mm BZ 1/1’000 Blende 2.8 ISO 2’500

Als Sportfotograf bin ich auf lange Telebrennweiten angewiesen und war deshalb seit Monaten gespannt auf dieses Objektiv und den extra dazu entwickelten 1.4fach Telekonverter. Ich wartete sehnsüchtig auf den Moment, bei dem mir FUJIFILM Schweiz ein Vorserienmodell des Objektivs zum Test überlies.

Ich hatte ein wenig Bedenken, dass es den Ansprüchen der Sportfotografie im Bereich Geschwindigkeit, insbesondere in Verbindung mit dem Telekonverter, nicht gerecht wird. Weniger zweifelte ich daran, dass dieses Objektiv die von FUJIFILM gewohnte, tolle Abbildungsleistung liefern wird und es auch dem Preis gerecht wird.

Getestet habe ich das Objektiv und den Telekonverter an meiner FUJIFILM X-H1 und an einem Vorserienmodell der FUJIFILM X-T3, welches ich von FUJIFILM Schweiz ebenfalls zum Testen erhalten habe.

Ich möchte erwähnen, dass ich diesen Text auf neutraler Basis nach meinen persönlichen Erfahrungen gemacht habe ich mich auch nicht davor scheue, bei Bedarf kritische Punkte und Verbesserungswünsche anzubringen.

Ein wenig Technisches

Das XF 200 F2 hat wie im Namen ersichtlich eine Brennweite von 200mm, was am APS-C Sensor einer kleinbildäquivalenten Brennweite von 300mm entspricht, und dies bei einer Blende von F2.0.

Mit dem eigens für das Objektiv entwickelten Telekonverter XF1.4X TC F2 WR ergibt dies eine Brennweite von 280mm respektive kleinbildäquivalent 420mm bei einer Blende von F2.8.

Zudem sind das Objektiv und der Telekonverter witterungsbeständig („WR“ für weather resistant).

Ausgestattet ist das Objektiv auch mit einem Bildstabilisator („OIS“ für optical image spabilizer).

Das Objektiv besitzt auch die Möglichkeit einer manuellen Fokusspeicherung („R“ für „Ring“).

Mehr zum Fujinon XF200F2 R LM OIS WR und XF1.4X TC F2 WR finden Sie in diesem Artikel.

Unboxing / Erster Eindruck

Bei einem Vorserienmodell entfällt leider das „Unboxing“. Das heisst, auf den Anblick der wohl wie herkömmlich schwarzen Schachtel, muss ich mich noch gedulden. Aber in diesem Falle der schwarzen Schachtel zählen ja definitiv die inneren Werte.

Nach dem Öffnen des Reissverschlusses des Softcases kam das lang ersehnte Teil endlich zum Vorschein:

Im Vergleich mit einer 400/2.8 Optik einer Spiegelreflex-Kamera sieht das XF200F2 eher «herzig» aus, im Vergleich zu den gewohnten Objektiven von FUJIFILM wirkt es riesig. So viel zur relativen Grösse.

Sehr wertig

Was aber auf jeden Fall sofort auffällt ist, dass das Objektiv durch seine Grösse ein ordentliches Gewicht hat und einen sehr wertigen Eindruck macht. Das relativ hohe Gewicht entstand wohl durch die vielen grossen Linsen im Objektiv (das Ding ist ja nicht viel weniger dick als lang). Der wertige Eindruck führt daher, dass man viel Metall erblickt und keinen Kunststoff.

Das Objektiv scheint aber nicht nur diesen wertigen Eindruck zu machen, denn es scheint in der Tat überaus wertig zu sein. Obwohl alle Schalter und Drehringe vernünftig leichtgängig sind, sind sie nicht klapprig und auch präzise eingearbeitet.

Auch gefallen die Details…

So ist der Stativ-Fuss an der Stativ-Schelle „Arca-Swiss“ kompatibel, was einem, im Falle einer Verwendung eines Statives mit Arca-Swiss-Stativkopf, die Verwendung ohne Adapterplatte ermöglicht.

Die Stativ-Schelle dreht sich leichtgängig und mit nur soviel Spiel wie nötig, wenn man die Arretier-Schraube löst. Als Detail daran erfreulich zu erwähnen ist, dass die Schelle beim Drehen leicht einrastet, wenn das Objektiv wieder gerade auf dem Stativ steht. Sicherlich ist das nichts was man vermissen würde, aber praktisch fand ich es alleweil.

Leistung

Die Spannung war somit gross, als ich das «Ding» endlich in den Händen hielt, aber kein (sportliches) Motiv zur Stelle war. Somit musste ich vor dem ersten Spiel, an dem ich das Objektiv einsetzen wollte, noch beim Training meines Fussballclubs vorbei.

Geschwindigkeit

Es war dann schnell klar, dass meine Bedenken, betreffend Geschwindigkeit, total umsonst waren. Denn das Objektiv ist nicht nur ohne Telekonverter eine Rakete, sondern auch mit dem aufgesetzten Zwischenteil.

Ich konnte eigentlich keinen Unterschied der Fokusgeschwindigkeit feststellen, der Konverter scheint gefühlt keine Geschwindigkeit einzubüssen, was mir wieder ein Glücksgefühl bescherte, wenn mir dies auch ungewohnt und merkwürdig vorkam.

Ein weiteres Glücksgefühl erlebte ich, als ich die Leistung in Kombination mit der Geschwindigkeit der FUJIFILM X-T3 sah. Die X-T3 hat eine Serienbild Geschwindigkeit von 20 Bilder/Sekunde mit dem elektronischen Sucher und gar eine von 30 Bilder/Sekunde im Sportmodus (mit auf 16MP reduzierter Auflösung).

Alle Bilder scharf, vom ersten bis zum letzten Bild

Mit kontinuierlichem Fokus waren alle Bilder scharf, vom ersten bis zum letzten Bild. Sie haben richtig gelesen – alle Bilder waren scharf! Falls Sie nun eine Pause benötigen, gönnen Sie sich diese, denn ich war auch erstaunt ab dieser enormen Leistung und brauchte auch einen Moment um mich zu sammeln.

Aber ich gab mich nicht so schnell geschlagen, und habe mir gedacht, ich bringe das Objektiv schon noch an seine Grenzen…

Eine bekannte Szene …

Kennen Sie folgende Szene beim Fussball?

Der Flügelspieler läuft und läuft an der Seitenlinie entlang und man hält ihn mit dem kontinuierlichen Fokus im Sucher fest, und plötzlich flankt er den Ball in den Strafraum. Ja genau, das ist der Moment, in der der Fotograf dann mit einer ruckartigen bis wilden Bewegung das Objektiv ebenfalls in den Strafraum abdreht und versucht, jenen Spieler, welcher den Ball erwischt, einzufangen, und dies im Bild festzuhalten.

In diesem Moment hat man keine Zeit für einen Druckpunkt oder so, dann drückt man einfach den Auslöser durch – und hofft, dass der Spieler auch tatsächlich scharf ist. Das Fujinon XF 200 lässt einem dabei tatsächlich nicht im Stich! Habe ich schon erwähnt, dass das auch mit aufgesetztem Konverter funktioniert?

Fazit zur Geschwindigkeit

Mein Fazit zur Geschwindigkeit des XF200F2 ist kurz: Es ist einfach sauschnell! Ich habe pro Spiel gut 3’000 Auslösungen gemacht und es waren, wenn ich es nicht durch Selbstverschulden selber versaut habe, alle Bilder scharf!

Die Abbildungsleistung

Ich kann Sie beruhigen, ich nerve Sie nicht mit technischen Daten, Linienpaaren oder Abbildungstests durch einen Siemensstern, Akku-Batterien oder so, denn diese Sachen überlasse ich dann den anderen Testern.

Klares und scharfes Bild mit gewohnter FUJIFILM Abbildungsqualität

Ich versuche Ihnen die Abbildungsleistung mit meinen Worten zu erklären und zeige Ihnen einfach Fotos, dann dürfen Sie sich Ihr eigenes Bild machen.

Grundsätzlich habe ich das Gefühl, das XF200F2 hat eine Abbildungsleistung, wie ich sie von meinen FUJIFILM Festbrennweiten bereits kenne: ein klares und scharfes Bild, welches mir persönlich gut gefällt, und dies schon bei Offenblende 2.0.

Interessanterweise, ist die Abbildungsleistung auch bei 420mm (KB Äquivalent), also bei aufgesetzten Telekonverter, bei Offenblende 2.8 ebenfalls meinem Verständnis nach hervorragend, was ein weiteres Glücksgefühl auslöst.

Ich möchte noch erwähnen, dass die Testbilder auch bei schwierigem Licht keine chromatische Abberation, also mir keine erkennbaren Farbsäume, aufweisen. Jetzt möchte ich Sie aber nicht mehr länger auf die Folter spannen, die Bilder…

Mein Fazit

Für mich hat FUJIFILM mit der Entwicklung des Fujinon XF200F2 R LM OIS WR und dem XF1.4X TC F2 WR bewiesen, dass FUJIFILM nicht nur faszinierende Weitwinkel-Objektive bauen kann, sondern auch bei lichtstarken Teleobjektiven mit den in diesem Bereich marktführenden Herstellern auf Augenhöhe ist.

Dieses Objektiv und der Telekonverter haben meine hohen Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern weitgehend übertroffen.

Im Fokus: Martin Meienberger

Martin Meienberger ist leidenschaftlicher Fotograf und führt ein eigenes Fotostudio. Seine Passion gilt dem Sport respektive der Sportfotografie: regelmässig trifft man ihn in den kleineren und grösseren Sportplätzen und -Arenen der Schweiz. Zudem ist er auch im Bereich der Event- und Pressefotografie tätig.

Mehr Infos zu Martin Meienberger findet Sie auf der Webseite www.meienberger-photo.ch

Oder auf Instagramhttps://www.instagram.com/meienbergerphoto/

 

 

 

300 0 10
25.09.2018