Sommer-Fotos – Einfache Fototipps für die Sommerzeit

Nicht etwa die Ausrüstung, sondern eine gute Fotokomposition ist ausschlaggebend für gelungene Bilder. Komposition zu perfektionieren, braucht „Training“ und Übung, aber schon mit einigen einfachen Grundregeln verbessern Sie Ihre Fotos deutlich. So werden Ihre nächsten (Sommer-)Ferien nicht nur in der Erinnerung wunderschön sein, sondern auch z. B. in einem Fotobuch oder einem Poster an der Wand.

Richtig komponieren

Achten Sie beim nächsten Ausflug mit der Kamera auf die folgenden 5 Regeln – egal, ob es sich um eine teure Digital-Kamera oder um eine einfache Smartphone-Kamera handelt:

Fokus und Drittelsregel

Legen Sie den Fokuspunkt des Bildes auf die Drittelslinien. Unterteilen Sie das Foto im Kopf in ein Feld von 3 × 3 Rechtecken und platzieren Sie das Subjekt dort, wo sich die Linien kreuzen.

Viele Kameras können ein solches Gitter im Sucher oder auf dem Display anzeigen.

Mehr zur Drittelsregel oder dem sogenannten goldenen Schnitt finden Sie in diesen Artikeln.

Tiefenwirkung durch Ebenen

Fotografieren Sie in Ebenen. Gerade bei Landschaftsfotos helfen Ebenen, das Bild lebendiger und realer erscheinen zu lassen.

Legen Sie sich auf einen Fokuspunkt fest und versuchen Sie, einen „Akteur“ im Vordergrund und die Landschaft als Hintergrund einzubauen.

Ein klassisches Beispiel dafür wäre ein Stein, ein Ast oder Blumen nahe am Fotografen vor einer Hügellandschaft.

Oder Äste als Rahmen um eine Seelandschaft. 

Mehr zum Thema Bildaufbau finden Sie in diesem Artikeln.

Formen und Linien

Linien und Formen finden sich überall: Gartenzäune, Hauswände, Waldränder. Legen Sie diese Linien nicht einfach zufällig in das Bild hinein, sondern nutzen Sie die Formen gezielt als Bildmotiv.

Diese Regel lässt sich auch sehr gut mit der Drittelsregel kombinieren, beispielsweise mit einer senkrechten Linie (z. B. ein Baum) auf einer Drittelslinie oder einem Weg, der genau eine Drittelslinie im 45-Grad-Winkel kreuzt. Oft noch spannender sind Diagonalen, welche z. B. durch die Schnittpunkte des 9er-Rasters verlaufen.

In diesen Artikeln finden Sie noch mehr Wissenswertes und Tipps zum Arbeiten mit den Diagonalen.

Rahmen und „Ende“ des Bildausschnitts

Rahmen Sie bewusst ein. Ein typischer Unterschied zwischen Einsteigern und Fortgeschrittenen ist der Rand der Aufnahme: Achten Sie darauf, wo Sie eine Landschaft abschneiden, wo Ihr Porträt aufhört und welche Elemente in den Rand hineinragen.

Schneiden Sie bei Landschaften beispielsweise nicht an einem auffälligen Felsen, sondern eher mitten im Wald. Vermeiden Sie bei Porträts zufällig abgeschnittene Gliedmassen; setzen Sie den Rand zum Beispiel in die Mitte der Oberschenkel, unter die Brust oder zwischen Brust und Schlüsselbein. Abgeschnittene Zehen und Fingerspitzen sind ebenfalls unschön.

Hintergrund

Vergessen Sie den Hintergrund nicht. Auch wenn Sie mit einer weit geöffneten Blende fotografieren und den Hintergrund unscharf stellen, verändert der Hintergrund ein Foto drastisch.

Schauen Sie sich die Elemente hinter Ihrem Subjekt genau an und überlegen Sie, wie sie verschwommen aussehen würden. Gerade bei Porträts ist es ratsam, den Hintergrund relativ einfach zu halten. Zu viele verschiedene Farben und Formen lenken vom Subjekt ab.

Weitere Tipps für gelungene Portraits finden Sie in diesem Artikel.

Regeln brechen

Jetzt, da Sie die Regeln für ansprechende Kompositionen kennen, können Sie diese brechen.

Zentrieren Sie ein Subjekt, setzen Sie Ihr Modell in die äusserste Ecke und fokussieren Sie auf den Hintergrund!

Fotografie ist Kunst und Kunst lässt sich bekanntlich nicht einschränken.

Die Idee dahinter ist, selbst zu erfahren, was das Einhalten und das Brechen der Regeln bedeutet und wie das Endresultat aussieht.

Fotografieren Sie ein Motiv mehrfach. Dabei testen Sie sowohl übliche Kompositionen als auch ungewöhnliche Varianten. So setzen Sie sich nicht nur intensiver mit dem Subjekt auseinander, sondern haben nachher auch mehr Auswahl beim Publizieren.

Vielleicht eignet sich das traditionelle Bild für Facebook und das Untypische für die Wand zu Hause?

Wichtig ist: Brechen Sie die Regeln bewusst.

Keine Ausreden, es gibt kein unpassendes Wetter!

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung; ein Satz, den man oft hört. Bei der Fotografie ist das nicht anders. Weder garstiger Regen noch strahlende Mittagssonne sind ideale Bedingungen für spektakuläre Fotos.

Das hindert Sie aber nicht daran, auch an einem verregneten Sommertag gute Bilder zu schiessen. Es braucht dazu nur ein wenig Kreativität. Regen führt zu nassem Boden und somit zu interessanten Reflexionen.

Mehr Ideen und Tipps zum Fotografieren bei schlechtem Wetter zeigen wir Ihnen in diesem Artikel.

Bei strahlender Mittagssonne suchen Sie sich einen Wald, einen Markt oder eine ähnliche Möglichkeit, die Sonne etwas einzudämmen. Ideal sind Märkte mit Tüchern, Baumgruppen oder Kirchen mit Buntglasscheiben.

So sperren Sie die Sonne nicht weg, sondern kreieren damit neue, schwächere Lichtquellen für spektakuläre Fotos.

Natürlich gibts immer auch Ausnahmen. In einem Schneesturm oder bei 40° in der brütenden Sonne trotzdem auf Fototour zu gehen, wäre unverantwortlich.

Die Bearbeitung

Für viele ist eine Aufnahme fertig, sobald der Auslöser durchgedrückt ist. Für Erinnerungsfotos im Familienalbum ist das auch absolut richtig, schliesslich will man in erster Linie die Ferien geniessen und nicht jedes Foto nachbearbeiten.

Für richtig gute Bilder kommt man aber schlicht nicht an der Post-Produktion bzw. Nachbearbeitung vorbei.

Photoshop wird stellenweise als Unwort verstanden. Im Profibereich hingegen gehört die Postproduktion dazu

Mit den meisten hochwertigeren Kameras ist es dabei glücklicherweise möglich, die Bilder nicht nur als JPG-Datei aufzunehmen, sondern auch als RAW-Datei (Rohdatenformat). Diese lassen sich dann mit der richtigen Software wie z. B. Adobe Lighroom, Photoshop oder ähnlichen, praktisch frei bearbeiten.

Die Kamera verarbeitet dabei die Bilder nicht mehr direkt zu fertigen Fotos weiter, sondern legt sie in einem Rohdatenformat ab, das später am PC von Hand „entwickelt“ und dann in ein Bild-Format wie TIFF, JPG oder ähnliches „konvertiert“ wird.

Man kann sich den Vorgang wie eine Art digitales Negativ vorstellen. Die Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen: Mehr Kontrolle über Farben, Kontraste, Schärfe und sämtliche anderen Elemente der Fotografie sind den zusätzlichen Aufwand klar wert

Mehr Infos sowie eine Übersicht von verschiedenen, teilweise kostenlosen Bildbearbeitungsprogrammen finden Sie in diesem Artikel.

Der Fotograf und nicht die Ausrüstung zählt

Natürlich braucht es für gewisse Techniken und Gegebenheiten das eine oder andere Zubehör wie z. B. ein Stativ oder Filter.

Hochwertiges Equipment hilft zwar sicherlich, bessere Fotos zu machen. Aber: solide Komposition, Kreativität und ein wenig technisches Geschick machen 95 Prozent eines guten Fotos aus.

Denken Sie also nicht, dass Sie mit besserem Equipment dieses eine Foto vom Surfer am Strand erwischt hätten, sondern erleben Sie die Magie der Fotografie mit der Kamera, die Sie bereits haben.

 

Quelle: PCtipp / Juni 2016

Autor: Luca Diggelmann

www.pctipp.ch

Vielen Dank der PCtipp Redaktion, dass wir diesen Artikel wiederverwenden dürfen.

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14.06.2018