So finden Sie das richtige Objektiv für Filmaufnahmen mit einer Fotokamera

Matthias Lehnherr, einer der Geschäftsführer von Foto Video Zumstein und Leiter von „zumirent.ch“ hat verschiedene Cine – und Foto-Objektive, darunter auch das FUJINON MK 18-55 T2.9 und das FUJINON MK 50-135 T2.9, für Filmaufnahmen mit einer Fotokamera getestet und verglichen.

Ebenfalls erfahren Sie hier, was all die Begriffe in der Welt der Filmaufnahmen bedeuten.

Dieser Testbericht soll helfen, den richtigen Look für das nächste Filmprojekt zu finden. Von Matthias Lehnherr, Foto Video Zumstein.

Das Objektiv macht das Bild

Es wird viel geschrieben und diskutiert über die neuesten Kameras, deren Möglichkeiten und Bildqualität. Oft wird einem das Gefühl vermittelt, wer mehr für die Kamera bezahlt, erhält auch bessere Bilder. Nicht selten geht bei einer Anschaffung eines neuen Kamerasystems ein Grossteil an das Gehäuse wobei dann nur noch wenig Budget für das Objektiv übrig bleibt.

Heute ist es zwar schon in der Kamera möglich, aus einem mässigen Kunststofflinsen -Objektiv passable Bilder zu erstellen. Die Objektivleistung wird dabei genau gemessen und in einem Eprom Chip in der Optik gespeichert. Die Kamera muss dann nur noch wissen, bei welchen Werten sie eine Objektivverzeichnung oder die Vignettierung korrigieren muss. Hingegen die Bildschärfe, die Vergütung oder die Lichtstärke kann nicht wirklich elektronisch behoben werden.

Das Streben nach dem perfekten Foto Objektiv

Ich wage mal zu behaupten, dass die meisten Fotografen ein möglichst perfektes Objektiv bevorzugen. Keine Vignettierung oder Verzeichnung, möglichst wenig chromatische Aberration und eine gute Bildschärfe sind in Kombination die ideale Ausgangslage, um bei der Bearbeitung alle Möglichkeiten offen zu haben.

Mehr «Dreck» gibt dem Cine Objektiv den Look

Beim Film sieht das je nach Projekt schon wieder ein bisschen anders aus. Neben den unterschiedlichen mechanischen Anforderungen, die sich gegenüber den Fotoobjektiven an die Filmobjektive stellen, ist hier oft mehr «Dreck», also mehr Charakter gefragt. Insbesondere beim Feature Film sind oft andere Eigenschaften als eine knochenscharfe Abbildung wichtig. Im Bereich Werbung wird je nach Produkt und Aussage eine absolut perfekte Darstellung eines Produktes gewünscht und da hat ein charakterstakes Objektiv wenig Platz. Hingegen bei Branded Storytelling wird eine Dienstleistung mit Emotionen und einem schönen Filmlook vermutlich besser verkauft. Der Look kann durch eine gewisse Weichheit in der Bildschärfe oder schöne Flares im Gegenlicht, die durch eine geringere Vergütung der Linsenelemente enstehen, erreicht werden. 

Natürlich kann auch beim Film viel in der Bearbeitung optimiert werden, ist aber wesentlich aufwändiger und ein entsprechendes Filmobjektiv bringt den Look auch organischer auf den Sensor.

40min Testmaterial

Bei diesem Lenstest vergleichen wir verschiedene Cine Objektive mit Cine Mods und hochwertigen Foto Objektiven. Die Idee hinter diesem Test war, für mich selbst meine Kenntnisse über die verschiedenen Objektive aus dem zumirent.ch Sortiment zu vertiefen. Dir kann dieser Test hoffentlich ein bisschen helfen, den richtigen Look für das nächste Filmprojekt zu finden.

Die verwendete Kamera ist bei allen Aufnahmen eine Sony PXW-FS5 MK II. Mit dieser Kamera ist es möglich PL, EF und E-Mount Optiken zu verwenden. Durch den integrierten Vario-ND konnte mehr oder weniger die Belichtung gleich behalten werden. Es wurden keine Korrekturen bezüglich Helligkeit, Farbe oder Kontrast vorgenommen.

Gerade bei den Aussenaufnahmen ist z.T. sehr deutlich ein grosser Unterschied betreffend Farbe und Kontrast zwischen den verschiedenen Objektiven ersichtlich. 

Der Test erfolgt mit dem immer gleichen Ablauf. Zuerst, wenn vorhanden, Blende 1.4 dann 2.0 oder ein ähnlicher Wert und zum Schluss Blende 5.6.

Bei den Innenaufnahmen wurde eine Schärfenfahrt von dem Rohr (1), zu den Augen (2), auf den Hintergrund (3) und dann wieder zurück auf die Augen (4) gemacht. Zum Schluss fährt noch eine Gegenlichtquelle (5) von rechts nach links durch das Bild.

Bei den Aussenaufnahmen wurde eine Schärfenfahrt von 1m Distanz (1), zu den Augen (2), auf den Hintergrund (3) und dann wieder zurück auf die Augen (4) gemacht. 

Objektive

Cine Objektive für die optimale Kontrolle

Objektive für den Film sind mechanisch komplett anders aufgebaut als Fotoobjektive. Sie besitzen keinen Autofokus dafür einen z.T. bis zu 300° weiten Fokuseinstellungsweg. Die Blende ist stufenlos verstellbar, um während der Aufnahme keine Belichtungssprünge zu sehen.

Cine Modded Lens

Cine modded Lenses sind Fotoobjektive, die für die Verwendung an Cine Kameras optimiert wurden. Zu deren Ausstauung gehört z.B. ein Fokuszahnriemen und eine stufenlose Blende. Leider ist das dann auch schon alles und die oben beschriebenen Vorteile der Cine Optiken fehlen.

Rehoused Fotolens

Hierbei wird ein Fotoobjektiv komplett auseinandergebaut. Die Linsenelemente werden weiterverwendet und in einem, mechanisch auf Cine-Anforderungen optimierten, Gehäuse verbaut. 

Fotoobjektiv mit Autofokus

Aktuell gibt es zwei verschiedene Varianten: 

Einerseits gibt es Linsen mit Schlupfkupplung, die zwar manuell mechanisch fokussieren können, aber keinen Endanschlag besitzen. Folglich schwierig für Followfokus Anwendungen. Zum anderen gibt es immer mehr Hersteller, die die Objektive mit einem «Focus by wire» System ausstatten. Bei diesen Objektiven kann zwar manuell fokussiert werden, aber ein digitaler Endcoderring treibt den Fokusmotor an. Da dieser je nach Geschwindigkeit der Drehbewegung anders reagiert, ist es nicht möglich, saubere Fokusfahrten damit zu erstellen.

Begriffserklärung

Parafokalität

Echte Cine Zooms besitzen die parafokale Eigenschaft. Das bedeutet, die Schärfe bleibt durch den ganzen Zoombereich gleich. Somit kann man im Tele einfacher die korrekte Schärfe einstellen und dann auf den gewünschten Bildausschnitt zurückstellen. Diese Eigenschaft setzt einen viel komplexeren Aufbau des Objektivs voraus. Die Brennweitenverstellung muss in Einklang mit der Fokusverstellung erfolgen und dies geschieht über eine angepasste und speziell berechnete Linsengruppenverstellung.

Breathing

Das “Atmen” wird bei Fotoobjektiven als nicht so tragisch angeschaut. Einzig bei Makroaufnahmen ist es eher lästig, wenn durch die Fokussierung eine Brennweitenveränderung von bis zu 10-15mm bei einem 100mm Brennweiten Objektiv erfolgt und dadurch die Kamera immer wieder neu ausgerichtet werden muss. Bei hochwertigen Filmobjektiven ist das sogenannte Breathing auf ein Minimum reduziert, so können schöne Fokusfahrten ohne das lästige «Pumpen» durch die Brennweitenveränderung erstellt werden.

Bokeh

Eine nahe Einstellung mit einer lichtstarken Portrait Optik bringt bei offener Blende einen wunderschönen, verträumten Look und eine dreidimensionale Wirkung ins sonst flache Bild.

Wenn die Unschärfe sich sehr weich und harmonisch im Hintergrund verhält, so spricht man von einem schönen Bokeh. Der Vordergrund wird somit noch besser in Szene gesetzt. Ist der Hintergrund aber wild und voller störender Objekte, kann er dem Vordergrund eher schaden. Eine Blende mit z.B. 11 oder mehr Blendenlamellen führt auch bei kleiner Öffnung zu einer kreisrunden Blende. Dies ergibt ein schöneres Bokeh und schönere Blendenflecke als bei einer Fotooptik, die oft nur 5-9 Blendenlamellen besitzt.

Flares

Reflexionen sind nicht immer erwünscht, können aber eine eher einfache Bildkomposition richtig interessant werden lassen. Im direkten Gegenlicht kann ein Kameraschwenk mit Flares und teilweise durch Reflexe überbelichten der Aufnahme ein schönes, warmes Sommergefühl vermitteln.

Chromatische Aberration

Farbsäume versucht man meistens durch aufwändige Linsendesigns und durch den Einsatz von Asphärischen Linsenelementen weitestgehend zu unterdrücken. Dennoch kann dies durchaus auch reizvoll als Vintage Look angesehen werden.

Kontrast

Moderne Objektive sind eher etwas kontrastreicher und durch die bessere Vergütung auch weniger anfällig auf ausgeblichene Bilder, wie bei schwach vergüteten Optiken. Vintage Objektive sind da meist schon wesentlich weniger kontrastreich.

T-Stop oder F-Stop

Bei Fotoobjektiven wird mit dem F-stop der errechnete Wert für die Lichtstärke angegeben, wogegen die T-Blende der Cine Objektive die effektive Lichtstärke, die aus dem Objektiv zum Sensor gelangt, angibt.

Die getesteten Objektive:

Innenaufnahme mit 18-21mm

  • Angénieux Type EZ2 15-40mm T2.0
  • Angénieux Optimo Style 16-40mm T2.8
  • Fujinon MK 18-55 T2.9
  • Leica R 19mm F2.8 Version II
  • Schneider Cine Xenar III 18mm T2.2
  • Sony E PZ 18-110 F4 G OSS
  • Zeiss CP.3 XD 21mm T2.9
  • Zeiss LWZ.3 21-100mm T2.9-3.9

Innenaufnahme mit 25-35 (35mm)

  • Zeiss Otus 28mm F1.4
  • Angénieux Type EZ1 30-90mm T2.0
  • Angénieux Type EZ2 15.40mm T2.0
  • Angénieux Optimo Style 16-40mm T2.8
  • Fujinon MK 18-55 T2.9
  • Schneider Cine Xenar III 35mm T2.1
  • Schneider Xenon FF 35mm T2.1
  • Sigma Art 35mm F1.4 DG HSM
  • Sony E PZ 18-110 F4 G OSS 
  • Veydra 35mm T2.2
  • Zeiss CP.3 XD 35mm T2.1
  • Zeiss LWZ.3 21-100mm T2.9-3.9

Aussenaufnahme mit 75-85mm (80mm)

  • Angénieux Type EZ1 30-90mm T2.0
  • Fujinon MK 50-135 T2.9
  • Leica R 80mm F1.4
  • Schneider Cine Xenar III 75mm T2.0
  • Sigma Art 85mm F1.4 DG HSM
  • Sony E PZ 18-110 F4 G OSS
  • TLS Morpheus 80-200mm T2.8
  • Zeiss CP.3 XD 85mm T2.1
  • Zeiss Otus 85mm F1.4

Leider konnte ich weder beim Innen- noch beim Aussendreh auf das ganze zumirent.ch Sortiment zugreifen und so fehlen leider die eine oder andere Optik im Vergleich. Alle getesteten Objektive findest du in unserem Mietportal, zumirent.ch

Im Fokus – Matthias Lehnherr

Matthias Lehnherr ist einer der drei Geschäftsführer von Foto Video Zumstein und Leiter vom zumirent.ch.

Durch seine langjährige Erfahrung in der Branche und das tiefgreifende Fachwissen findet er für jedes Filmprojekt die passende Lösung.

Vielen Dank an dieser Stelle, dass wir diesen spannenden Beitrag verwenden dürfen.

Quelle: Den Originalbeitrag finden Sie im Blog von Foto Video Zumstein / Zumirent.ch

 

 

 

 

 

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29.11.2018

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