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Photo Specials

Unterwasserfotografie – Interview mit einem Unterwasserfotografen

Reto Moser, 46, aus dem Kanton Zürich ist ein begeisterter Fotograf und Taucher. Somit ist auch naheliegend, dass er versucht, beides zu kombinieren und leidenschaftlich Unterwasserfotos macht. Worauf es dabei ankommt, wo man am besten Fotografieren kann und wie man selbst zum Tauch-Fotografen wird, verrät er uns in einem spannenden Interview.

Reto Moser, wo lohnen sich Unterwasserbilder besonders?

 

Das ist unterschiedlich. Die Gewässer sind so verschieden. In der Maggia oder in einem Bergsee ist das Wasser ganz klar und man sieht sehr weit. In Meer sind die „Landschaften“ unter Wasser halt oft viel imposanter und farbiger. Sonst in einem See zu tauchen finde ich, für mich persönlich, weniger spannend, ausser es liegen irgendwo Wracks oder ähnliches. Wenn das Wasser zudem nicht klar ist, sieht man schon in einer geringen Tiefe nichts mehr.

 

Was sind die wichtigsten Punkte, welche es zu beachten gilt? Haben Sie ein paar Fototipps?

 

Es muss einem Bewusst sein, dass im Wasser alles grösser erscheint. Das lässt sich ganz einfach demonstrieren, indem man zum Beispiel einen Bleistift in ein Glas Wasser hält. Der Teil im Wasser wirkt vergrössert. Auch der Farbverlust ist schon bei geringen Distanzen sehr gross. Daher sollte man nie weiter als 1.5 Meter vom Objekt entfernt sein. Somit spielt die Objektiv-Wahl eine grosse Rolle. Für Weitwinkelaufnahmen braucht es ein entsprechendes Objektiv mit 10-28mm, für Nahaufnahmen eins mit 35-100mm und für Makroaufnahmen eins mit 60-100mm.

 

Wichtig ist zudem, dass man sich im Wasser gut austarieren und somit „regungslos“ sein kann. Sonst berührt man sehr schnell Dinge wie Korallen, Steine, Wracks oder Tiere und beschädigt oder verschiebt somit die schönen und wertvollen Objekte. Es gibt hierzu einen passenden Spruch: „Take only pictures, Leave only bubbles.” Was etwa so viel heisst wie: „Mach nur Bilder, hinterlasse nichts ausser Luftblasen.“

 

Wie lange dauert ein Tauchgang in der Regel und wie tief gehen Sie?

Das kommt sehr auf den Ort und das Ziel drauf an. Meist zwischen 40 Minuten und 1.5 Stunden. Tiefer als 25m empfehle ich weniger zum Fotografieren, denn je tiefer desto grösser ist der Farbverlust. In unklaren Gewässern taucht man vielleicht sogar nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche. Wenn jedoch irgendwo ein Wrack liegt, so geht man auch mal bis zu 40m in die Tiefe (oder auch tiefer, je nach Ausbildung). Mit dem Blitz oder allenfalls mit einer starken Lampe kann man die Objekte dann ausleuchten.

 

Was gehört zu einer Ausrüstung, um schöne Unterwasserbilder schiessen zu können?

 

Sicherlich eine gute Tauchausrüstung, sprich Anzug, Flossen, Flaschen, etc... Was das Fotografie-Material angeht, gibt es viele Lösungen. Je nach Budget und Bedürfnis. Es gibt sogenannte Amphibien-Kameras welche an sich, bis zu einer gewissen Tiefe, wasserdicht sind. Auch die Action Camcorder von GoPro sind wasserdicht. Eine weitere Möglichkeit wäre eine kleinere oder grössere Kompaktkamera mit einem passenden Gehäuse. Wenn man etwas weiter gehen möchte, gibt es auch für Spiegelreflex oder sonstige Systemkameras Gehäuse. Oft empfehlen sich auch Unterwasser-Blitze und allenfalls eine Lampe. Dies vor allem, wenn man filmen möchte. Ich selbst fotografiere mit einer CANON 5DMK2, habe meist noch 2 Blitze dabei und, sofern ich filmen möchte, noch eine Beleuchtung.

 

Gibt es das auch für wenig Geld? Wenn ja, wo?

 

Die Preise sind natürlich sehr unterschiedlich. Begrenzt wasserdichte Aktivkameras sind bereits ab 100.– Franken, Amphibien-Kameras ab circa 500.– Franken und kleinere Kompakt-Kameras mit Kunststoff-Gehäuse ab circa 400.– Franken erhältlich. Grössere Kameras mit Metallgehäuse und Zubehör sind dann natürlich etwas höher im Preis. Hier sprechen wir von etwa 2000.–  Franken. Nach oben offen. Erhältlich sind all die Sachen vor allem in Diving-Shops und nur teilweise in Fotofachgeschäften. Die Fantic UW-Foto AG in Sirnach ist das grösste, auf Unterwasserfotografie spezialisierte Geschäft in der Schweiz.
 

Kann man auch als Tauchlaie gute Unterwasserbilder schiessen?

 

Es ist wie bei allem. Übung macht auch hier den Meister

 

Gäbe es auch Gadgets für Handys?

 

Ja, es gibt beispielsweise Kunststoff- oder Metallgehäuse für Smartphones.

 

Nun noch etwas zu Ihnen. Wie sind Sie auf das Unterwasserfotografieren gekommen?

 

Ich bin bereits lange getaucht und hatte grosses Interesse und Freude an der Fotografie. So entstand automatisch der Wunsch, zu fotografieren, was es unter Wasser zu sehen gibt. So entwickelte sich eine Art Passion und ich arbeitete sogar gut sechs Jahre in Ägypten als Unterwasserfotograf.

 

Wo waren Sie schon überall tauchen? Wo gefällt es Ihnen am besten und warum?

 

Wie bereits erwähnt habe ich lange in Ägypten getaucht. Unter anderem aber auch in Thailand, Kroatien, Italien, der Insel Sizilien und selbstverständlich auch in der Schweiz. Mein Favorit ist ganz klar das rote Meer. Die Vielfältigkeit, die Farben, alles ist grösser als sonst irgendwo.

 

Für wo oder was benötige ich welchen Tauchschein?

 

Einen Tauchschein braucht es überall, sobald man überhaupt tauchen geht. Hier geht es zum einen um die eigene Sicherheit aber auch um die Haftung durch die Versicherung, falls etwas passiert.


Gibt es so etwas wie Unterwasserfotografie-Kurse?

 

Ja, die meisten Tauchschulen bieten auch Unterwasserfotografie-Kurse an. Es empfiehlt sich jedoch, zuerst den Tauchschein zu machen, Erfahrung im Tauchen selbst zu sammeln, und dann erst mit dem Fotografieren zu beginnen.

 

Weiterführende Links

Verbände und Tauchschulen

 

>> Schweizer Unterwasser-Sport-Verband

>> Professional Association of Diving Instructors

>> Scuba Schools International

 

Ausrüstung

 

>> Fantic Geschäft und Webshop

 

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