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Photo Specials

Interview mit Fotograf Thomas Buchwalder

Die richtig grossen Stars können es sich leisten, einfach nur Mensch zu sein.

Thomas Buchwalder, der Shooting(!)-Star der Schweizer Fotografen, lud CREATE zum Studiogespräch. Wir wollten von ihm wissen, wie man einer der begehrtesten Celebrity-Fotografen der Schweiz wird, wie sich Stars vor der Linse benehmen – und welche Rolle die Technik beim Fotografieren spielt.

Thomas Buchwalder (32), Winterthurer und gelernter Maschinenschlosser, gewann beim Wettbewerb «Jugend & Kunst 1998» mit den Fotomotiven «Dolendeckel bei nächtlichem Regen» und «Kuschelndes Pärchen» den ersten Preis und damit viel Aufmerksamkeit. Innert kürzester Zeit wurde Buchwalder zu dem People-Fotografen der Schweiz. In seinem Studio in Oberglatt und vor Ort fotografiert er für Kunden wie Glanz & Gloria, die «Schweizer Illustrierte», Turkish Airways, Maurice Lacroix, Revlon, Lancia, Mercedes-Benz, Microsoft, Coca-Cola und viele mehr.

Thomas Buchwalder, für die meisten Fotografen beginnt der Karriereweg mit der ersten eigenen Kamera. Wie war das bei Ihnen?

 

Meine grosse Fotografier-Leidenschaft begann sogar noch früher, mit der Kamera meines Vaters. Meine erste eigene Kamera war dann eine Nikon D90. Dass diese Leidenschaft aber jemals solche Ausmasse annehmen würde, dass ich davon einmal sehr gut leben könnte, hätte ich mir nie erträumt. Ihr Erfolgsweg war ja auch nicht vorgezeichnet: Sie sind durch den Gewinn eines Wettbewerbs zum Beruf gekommen.

 

Sie haben zuerst einen technischen Beruf gelernt. Fasziniert Sie beim Fotografieren denn auch eher der technische Aspekt?

 

Die Technik gehört klar zum Beruf dazu. Fotografie ist ein Handwerk, also ist eine technische Lehre gar nicht mal so weit weg. Und eine handwerkliche Grundausbildung schadet grundsätzlich nie.

 

Dazu gehört ja auch die digitale Nachbearbeitung. Wer bearbeitet Ihre Bilder in der Postproduction?

 

Ich mache das immer selbst, ausser bei Uhren und Autos.

 

Auf diese Art haben Sie Ihren Stil bis zum Schluss unter Kontrolle. Wir würden den mit «Glamour» umschreiben. Einverstanden?

 

Für mich selbst ist es schwierig, meinen Stil zu beschreiben, da ich in sehr verschiedenen Bereichen arbeite. Ich mag es aber eher reduziert, schlicht, manchmal auch provozierend. Was Sie «Glamour» nennen: Glamourös sind ja vor allem die Models ...

 

... und damit die Welt, in der Sie sich bewegen. Sehen Sie sich als Teil davon, oder sind Sie eher Beobachter, der diese Welt durch das Objektiv betrachtet und sonst nichts mit ihr zu tun hat oder haben will?

 

Natürlich gehört es dazu, sich in dieser Welt bewegen zu können. Für mich ist es aber wichtig, ich selbst zu bleiben. Ich denke, das ist mir bis jetzt immer gut gelungen, da ich mich in erster Linie als Dienstleister sehe, der versucht, seinen Job möglichst gut zu machen.

 

Und den machen Sie ja tatsächlich gut. Und zwar so gut, dass man Sie beauftragt, Stars wie etwa Kevin Costner zu porträtieren. Wie ist es denn, Prominente zu fotografieren?

 

Die richtig grossen Stars, die, die es geschafft haben, können es sich leisten, einfach nur Mensch zu sein.

 

Wenn Sie Stars fotografieren: Wie wichtig ist es Ihnen, dass auch der Porträtierte Ihr Foto liebt und nicht nur der Auftraggeber?

 

Sehr wichtig. Der Prominente muss sich zwingend mit dem Bild identifizieren können, sonst habe ich meinen Job sehr schlecht gemacht …

 

Oft entsteht das Bild ja nicht in Ihrem Kopf, sondern in demjenigen des Creative Directors ...


Bei den meisten Aufträgen, die über eine Agentur kommen, ist vorher schon genau bestimmt, wie das fertige Bild aussehen soll. Es geht in diesem Job ja nicht in erster Linie darum, dauernd sein Potenzial möglichst gut zur Schau zu stellen, sondern den Kunden glücklich zu machen. Da gibt es andere Möglichkeiten, freie Arbeiten zum Beispiel, da kann man sich kreativ verwirklichen.

 

Auf welche Aufnahme sind Sie besonders stolz und weshalb?


Es gibt keine spezielle, herausragende Aufnahme. Um eine solche auszuwählen, dafür bin ich wohl ohnehin zu selbstkritisch ...

 

Das passt ja auch zu Ihrem Willen, sich ständig weiter zu verbessern. Verbessern kann man sich ja auch materialmässig. Wie evaluieren Sie neues Material?

 

Vielfach ausleihen, testen, dann eventuell kaufen. Und natürlich Recherche im Internet.

 

Wenn Sie nur ein einziges Objektiv haben dürften, welches?

 

Das Zeiss 85 mm f /1.4 ZE Planar T*

 

Wenn Sie privat Schnappschüsse machen, was benützen Sie? Ihr Handy?

 

Meine FUJIFILM X100 oder mein Nokia 1020.

 

Welches sind Ihre fotografischen Vorbilder?

 

Mir gefallen Marco Grob, Rankin und der Stil von Terry Richardson.

 

Sie sind Autodidakt. Andere brauchen einen Lehrmeister. Bilden Sie neue Talente aus?


Soweit es meine Zeit zulässt, versuche ich, das zu machen. Ich möchte aber in dieser
Beziehung gerne mehr bewegen …

 

Heutzutage ist ja jeder Fotograf. Und jeder publiziert, zum Beispiel auf Facebook, manche erreichen damit sogar ein grösseres Publikum als Profis in traditionellen Medien.Erwächst Ihnen da vermehrte Konkurrenz?


Ja, das ist absolut so, Fotografie ist Trend, nicht zuletzt wegen der unglaublichen digitalen Möglichkeiten. Ein Fotograf ist aber immer auch ein Gesamtpaket, welches sich aus dem Bild, dem Menschen an sich und dem unternehmerischen Flair zusammensetzt.Und da wird sich schlussendlich der Markt selbst regulieren. Aber die Konkurrenz durch junge, motivierte und gute Fotografen wird immer grösser.

 

Wenn Sie im Lotto gewinnen würden – würden Sie dann das Fotografieren an den Nagel hängen und dem süssen Nichtstun frönen?


Fotografie ist meine Leidenschaft! Auch wenn ich 100 Milliarden hätte, gäbe es keinen Grund, damit aufzuhören.

 

Und was macht Thomas Buchwalder ausser fotografieren? Haben Sie zu etwas anderem überhaupt noch Zeit?


Ich hab mal begonnen, mein Helikopter-Brevet zu machen. Allerdings ist es bis anhin an der fehlenden Zeit gescheitert … Aber ich bleibe dran!


Fotos: Thomas Buchwalder
Text: Gerhard Reinecke

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