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Photo Specials

Fotorestauration – Fotos konservieren und restaurieren

Fast in jedem Haushalt, in jeder Firma und Institution sind Fotografien aus vergangenen Zeiten vorhanden. Meist sind sie in Schachteln aufbewahrt, teils in Alben geklebt, und in Archiven füllen sie oft ganze Magazinräume. Was aber, wenn die Fotos Schaden nehmen? Dann braucht es Fotorestauratoren wie Nadine Reding, die solche Bilder wieder „reparieren“. Erfahren Sie in diesem Artikel, was die Fotorestauration ist und wie sie funktioniert.

1500 verschiedene bekannte Fotografie-Verfahren

1839 wurde in Frankreich das erste praxistaugliche Fotoverfahren der Öffentlichkeit vorgestellt – die Daguerreotypie. Dabei wird eine versilberte und lichtempfindlich gemachte Kupferplatte belichtet. Seit damals entwickelte sich die Fotografie rasant, die verwendeten Materialien wurden ersetzt, um die Belichtungszeiten zu verkürzen, die Kosten zu senken und so die Fotografie massentauglich zu machen. Daraus resultierten bis heute schätzungsweise 1500 unterschiedliche Verfahren und Arbeitstechniken.

 

Mögliche Schäden

Wie sämtliche Materialien altern auch Fotografien:

Sie vergilben, werden spröde, zerbrechen oder reissen ein. Diese Schäden zu beheben und weitere zu verhindern ist die Aufgabe von Fotorestauratoren.

 

Die Spezialisten teilen die Arbeit an historischen Materialien in zwei Bereiche ein: Die Konservierung und die Restauration.

Die Konservierung

Die Konservierung umfasst alle Massnahmen, die den natürlichen Zerfall verzögern. Bei der Konservierung gibt es keinen direkten Eingriff am Objekt. Die Bilder werden mit  verschiedenen alterungsbeständigen Materialien haltbarer gemacht.

 

So werden die Fotografien in hochwertige Hüllen und Schachteln umverpackt, klimatische Bedingungen in Archivräumen optimiert und sämtliche möglichen Gefahrenquellen, wie Wasserleitungen, Stromleitungen, Geräte, auf ein Minimum reduziert.

 

Die Restaurierung

Bei der Restaurierung wird am Objekt selbst interveniert. Dabei werden die Degradationen bzw. Beschädigungen soweit rückgängig gemacht, dass die fotografischen Materialien in ihrer Lesbarkeit wieder dem originalen Erscheinungsbild entsprechen, gleichzeitig aber so viel wie möglich der originalen Substanz erhalten bleibt.

Die Restaurierung und Konservierung von Fotografien bedingt ein grosses Fachwissen an Fotogeschichte und -technik. Materialkenntnisse von Metall, Papier, Bindemittel und Chemie sind unabdingbar, um die jeweilige Fotografie und ganze Bestände zu behandeln.

 

Ein Fotorestaurator, wie Nadine Reding, übt ein naturwissenschaftliches Handwerk aus, einzig die Behandlungsdokumentation wird am Computer geschrieben. Vor jeder Behandlung wird das zu behandelnde Objekt dokumentiert. Dafür wird dieses fotografiert, vermessen und genauestens beschrieben.

Vorgehen und Techniken

Für die Restaurierung werden verschiedene Bindemittel (Klebstoffe) verwendet, welche auf die jeweilige Foto-Technik abgestimmt sind. Am häufigsten wird ein spezieller Stärkekleister verwendet, welchen die Restauratoren selbst herstellen.

 

Die Vielfalt der fotografischen Techniken benötigt ebenso unterschiedliche Behandlungstechniken. Gebrochene Glasnegative werden, je nach Kundenwunsch, geklebt. Dabei ist äusserste Präzision gefragt, da der Bruch nach der Klebung nicht mehr sichtbar sein sollte.

 

Einige Bearbeitungsschritte haben ihren Ursprung in Japan, so werden zum Beispiel Risse, Knicke und Brüche auf Karton mittels japanischen Kleisters und Japanpapier, ein handgeschöpftes, durchscheinendes Papier aus Japan, restauriert.

 

Daguerreotypien werden jeweils luftdicht versiegelt, denn Sauerstoff lässt das Silber oxidieren, sodass das Bild nachdunkelt.

Gefährliche Film-Materialien

Eine grosse Problematik sind die verwendeten Kunststoffe in der Fotografie. Um 1890 wurde der Nitratfilm entwickelt, da dieser jedoch leicht entzündlich war, wurde dieser in den 1950er Jahren durch den Acetatfilm (Safety Film) ersetzt.

 

Beide Filme weisen heute starke Zersetzungsstadien auf.

 

Riesige Archive

Eine weitere Problematik bei den Kunststofffilmen ist die Menge. Ganze Archive sind gefüllt mit Negativen, die schnellstmöglich behandelt werden müssten, damit der Bildinhalt der Nachwelt erhalten bleibt.

 

In vielen Archiven wurde lange Zeit dem Zustand der Fotografien wenig bis keine Bedeutung geschenkt. Oft waren die Archivare auch überfordert mit den Mengen an Bildern, die gesichtet und priorisiert werden müssen. Eine weitere Schwierigkeit ist die Erfassung und Erschliessung eines Bestandes, da oft mehrere Positive vorhanden sind aber nur ein Negativ existiert.

 

Um diese Archive nun zu konservieren, erarbeitet Nadine Reding heute im Kundenauftrag zuerst Bestandes-Analysen und verfasst Erhaltungskonzepte. Danach kann mit der eigentlichen Restaurierungsarbeit begonnen werden.

 

Der Arbeitsalltag

Alles in allem ist FotorestauratorIn ein äusserst spannender Beruf mit einem abwechslungsreichen Alltag. Gewisse Arbeiten wiederholen sich, wie das Reinigen von Glasnegativen. Hingegen ist die Restaurierung von Unikaten nie genau gleich und es wird auch immer versucht, für den Kunden eine optimale und bezahlbare Lösung zu finden. Die Suche nach geeigneten Bearbeitungstechniken ist der kreativste Teil eines restauratorischen Eingriffs, bei dem man immer wieder mit Überraschungen und Erfolgserlebnissen belohnt wird.

 

Zum Schluss ...

... noch ein wichtiger Tipp von Nadine Reding: Versuchen Sie nicht, Ihre Bilder mit irgendwelchen Mittelchen zu reinigen! Sie könnten damit unter Umständen irreversible Schäden anrichten.  Eine fachliche Beratung, ob und wie Bilder erhalten oder verbessert werden können, zahlt sich langfristig aus.

 

Im Fokus: Nadine Reding

Nadine Reding ist diplomierte Restauratorin/Konservatorin FH. Hierfür absolvierte sie eine vierjährige Lehre als FotoretuscheurIn und schloss diese als schweizweit letzte dieser Art ab. Nach einem Restaurierungspraktikum studierte sie an der Berner Fachhochschule Restaurierung und Konservierung von Grafik, Schriftgut und Fotografie. Während des Studiums nutzte sie die Möglichkeiten, verschiedenste Praktika bei renommierten Restauratoren bzw. Instituten in Wien und Rochester zu absolvieren, um ihr Praxiswissen zu vertiefen und zu erweitern.

 

Seit 2004 führt sie ihr eigenes Atelier «fokore» für Fotorestaurierung. Nebenher arbeitete sie in verschiedenen Institutionen. Die Fotografie fasziniert sie immer wieder auf’s Neue.

 

>> Mehr Infos zum Thema Fotorestauration sowie das Atelier von Nadine Reding finden Sie unter www.fokore.ch

 

Wenn nicht anders gekennzeichnet, sind alle Abbildungen von Nadine Reding/fokore

 

Foto- und Dia-Scanservice

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