Mit dem XF 16-80mm f/4 R OIS WR unterwegs in den Dolomiten – ein Erlebnisbericht

Zeitlich passend für meine Reise durch die Dolomiten hatte ich Ende September die Gelegenheit, das neue FUJINON XF16–80mm f4 Objektiv zu testen. Mein Name ist Yannick Pulver und nebst meiner Arbeit als Software Entwickler dokumentiere ich oft Reisen, Landschaften oder auch Momente in der Stadt mit der FUJIFILM XT-3. In fast allen Fällen befindet sich auf meiner Kamera entweder das 23mm F1.4 oder das 56mm F1.2. Aus diesem Grund war ich gespannt, ob ich das Zoom-Objektiv in meinen Alltag integrieren kann oder ob ich nicht doch jeweils lieber auf eine der Festbrennweiten ausweichen würde.

Zweifel waren unbegründet

Gleich vorab mein Fazit: Meine Zweifel waren unbegründet: Ich habe rund 90% der etwa 3000 Bilder mit dem FUJINON XF16–80mm geschossen. Das Objektiv fühlt sich, wie auch die anderen FUJINON-Objektive, hochwertig an und ist trotz des grossen Zoom-Bereichs noch recht kompakt. Den Tag hindurch konnte ich mit dem Objektiv in praktisch allen Fällen realisieren was ich mir vorgestellt habe. Meine beiden Fixbrennweiten blieben zwar immer in meinem Rucksack, ich hätte diese aber wohl auch (fast) zu Hause lassen können. Es gab jedoch auch einige Situationen, welche mich zu einem Objektivwechsel bewegten, auf welche ich später in diesem Bericht eingehen werde.

Zuerst möchte ich aber die absolut überwiegenden, positiven Aspekte hervorheben.

Meiner Ansicht nach ist das 16–80mm aber ein optimales Reiseobjektiv, mit welchem die meisten Situationen tadellos abgebildet werden können. In den folgenden Paragraphen gehe ich dabei auf diverse Punkte ein, welche dieses Objektiv zum perfekten Reisebegleiter machen.

Flexibilität

Das 16–80mm ermöglichte es mir, eine Landschaft innerhalb kurzer Zeit in sehr verschiedenen Facetten einzufangen und die gewünschten Fotos zu kreieren, ohne das Objektiv wechseln zu müssen.  Aufgefallen ist mir, dass ich das Objektiv oftmals an einem der beiden Enden des Spektrums (16mm oder 80mm) verwendet habe. Die gleichbleibende Blende hilft dabei, dass die Verschlusszeit und der ISO Wert beim zoomen nicht neu gesetzt werden müssen.

Diese Flexibilität hat mir sehr gefallen. Ich hatte schon zahlreiche Male mit dem Gedanken gespielt mir ein Teleobjektiv zuzulegen, da ich mit dem 56mm f1.2 in gewissen Fällen nicht ganz so Nahe wie gewünscht ans Subjekt herankomme. Mit der Möglichkeit, bis auf 80mm zu zoomen, konnte ich dieses Bedürfnis auf dieser Reise auf jeden Fall decken.

Anbei sind zwei Gegenüberstellungen von 16mm und 80mm im Vergleich vom jeweils gleichen Ort.

Es ist jedoch auch zu erwähnen, dass ich durch die Möglichkeit vom Zoom gefühlsmässig teilweise etwas “faul” geworden bin. Speziell zu Beginn habe ich so in vielen Situationen einfach Näher ans Subjekt herangezoomt, anstatt einige Schritte weiter zu laufen und das Bild in der Kamera neu zurechtzulegen. Nachdem ich mich aber einige Male dabei erwischt habe, mich mit einer gezoomten, eher suboptimalen Komposition zufrieden zu geben, konnte ich schlussendlich das Beste aus beiden “Welten” nutzen: Eine gute Komposition mit den Augen zu suchen und dann die Möglichkeiten des Zooms zu nutzen, den Hintergrund näher oder weiter weg erscheinen zu lassen.

16-80mm auf 16mm, f4.0, 1/2s, handgehalten.

Stabilisierung (OIS)

Obwohl ich während den meisten Sonnenauf und -untergängen ein Stativ griffbereit hatte, war ein solches nicht immer nötig. Mit der eingebauten Stabilisierung (OIS), welche über 6 Stops hinweg geht, sind Auslösezeiten bis zu 1/2 Sekunden handgehalten durchaus möglich.

Da ich mit meinen Festbrennweiten nicht in den Genuss der Stabilisierung komme, war ich sehr erstaunt, wie tadellos diese funktioniert und mir zu scharfen Bildern verhalf. Mit meinen nicht-stabilisierten Linsen kann ich mit einer derart hohen Verschlusszeit handgehalten definitiv kein scharfes Bild erzeugen.

Dank dem OIS (Optical Image Stabilizer / Optische Bildstabilisierung) können somit stille Szenen auch mal bei dunkler Atmosphäre einfach festgehalten werden.

Obwohl ich während meines Tests und der Reise keine Videos gemacht habe, stelle ich mir vor, dass diese Stabilisierung auch dafür sehr spannend sein kann.

Sonnenaufgang mit Regen, 16–80mm auf 30mm, f13

Wetterresistenz (WR)

Das FUJINON 16–80mm f4 ist, wie auch andere FUJINON-Objektive, Wetterresistent (WR) aufgebaut und man muss die Kamera nicht weglegen, wenn die Bedingungen einmal etwas “schlechter” sind. In Kombination mit einem wetterresistenten Body wie die FUJIFILM X-T3 erhält man eine Ausrüstung, welche für jedes Wetter bereit ist.

Eher unfreiwillig konnte ich dies testen, als wir während eines Sonnenaufgangs in einen Regenschauer gekommen sind und ich trotzdem einige Aufnahmen machen wollte. Weder die Kamera noch das Objektiv wurden dabei beschädigt und waren vollumfänglich einsatzbereit.

An dieser Stelle möchte ich jedoch erwähnen, dass ich ich all meine Objektive auch bei Regen und Schnee verwende und dabei noch nie Probleme hatte, auch wenn diese, wie meine beiden Festbrennweiten, nicht explizit Wetterresistent gebaut (WR) sind.

Qualität

Die Linse wirkt im allgemeinen sehr hochwertig. Viele Elemente sind aus Kunststoff, was das Objektiv relativ leicht macht. Wie bei allen FUJIFILM-Objektiven wird auch hier eine Sonnenblende mitgeliefert.

Während der Reise ist mir das Objektiv einmal mit Stativ von 0.5m kopfüber direkt auf die Sonnenblende gestürzt. Die Sonnenblende hat einen kleinen Kratzer davon getragen, das Objektiv selbst wurde dabei aber in keiner Weise beschädigt. Dies spricht durchaus für die Qualität (und den Einsatz von Sonnenblenden als Schutz).

Landschaft mit Nebel, 16–80mm auf 43mm, f9, 1/2s

Mindest Fokus-Abstand

Der mindest Fokus-Abstand beim 16–80mm f4 beträgt über die gesamte Skala nur kurze 35cm. Im Vergleich zum 56mm f1.2 ist dies genau die Hälfte (70cm) und somit für mich ganz schön ungewohnt.

Speziell bei Portraits von Menschen oder Detailaufnahmen ist dies von sehr grossem Vorteil.

Ich habe mich bisher noch nicht ausführlich mit Makrofotografie auseinandergesetzt, das Objektiv scheint aber auch für diesen Einsatzbereich geeignet zu sein.

Die restlichen 10%

Nun noch kurz zu den wenigen Situationen, in denen ich dann doch zu einer meiner beiden Festbrennweiten griff:

Portrait von Roman, 56mm f1.2

Situation 1 — Portraits bei blauer Stunde

Durch die offenen Blenden (f1.2) der beiden Festbrennweiten bin ich mir ein ausgeprägtes Bokeh und dadurch eine gute Freistellung der Sujets gewohnt, auch bei schlechten Lichtverhältnissen. Mit dem 16–80mm f4 ist die Freistellung zwar möglich, speziell im oberen Zoom-Bereich jedoch aus gegebenen Massen nicht so stark.

In der beschrieben Situation befanden wir uns in der blauen Stunde, das Sonnenlicht war also weg. In solchen Momenten hätte ich mir gewünscht, dass das Objektiv noch 2–3 Blendenstufen mehr gehabt hätte, z.B. f2.8. Die hätte jedoch zur Folge, dass die Linse schwerer hätte gebaut werden und man so auf den Komfort der Kompaktheit und Leichtigkeit hätte verzichten müssen. Also griff ich zu meinem FUJINON 56mm f1.2.

Rückblickend lässt sich sagen, dass wenn ich die Fixbrennweite nicht dabei gehabt hätte, sehr wahrscheinlich auch mit dem 16–80mm mit etwas höherer ISO ein ähnliches Bild möglich gewesen wäre.

Den Tag hindurch und somit bei guten Lichtverhältnissen, konnte ich aber durchaus das eine oder andere Portrait mit dem 16–80mm einfangen, welches mir sehr gefällt.

 

Milchstrasse mit Zelt, Dolomiten, 12mm f2.0

Situation 2 — Milchstrasse

Auf der Reise durch die Dolomiten hatten wir einige Male die Möglichkeit, die Milchstrasse zu betrachten und zu fotografieren. In dieser Situation tauschte ich das Zoom-Objektiv mit dem 12mm f2.0 Objektiv. Dieses eignet sich für die Milchstrassen-Fotografie aufgrund der offenen Blende und dem weiten Winkel für mich besser.

Zusammenfassung

Die Möglichkeiten mit diesem Objektiv sind nahezu grenzenlos. Die Linse eignet sich in rund 80% oder gar 90% der Fälle optimal. Besonders für Reisen, wo das Gepäck oftmals limitiert ist, eine sehr gute Wahl. Obwohl ich die Eigenschaften meiner beiden Festbrennweiten sehr mag, allen voran die offene Blende, werde ich durchaus in Erwägung ziehen, nur noch das 16–80mm f4 auf Wanderungen & Reisen mitzunehmen. Testeshalber habe ich auf einer etwas kürzeren Reise nur das Zoom-Objektiv mitgenommen und bin dabei nie an den Punkt gekommen, an welchem ich ein gewünschtes Foto nicht habe machen können.

Ich bin definitiv sehr positiv überrascht über die Flexibilität und die Qualität des Objektivs und würde es allen empfehlen, welche ein stabiles, vielseitiges Allrounder-Objektiv suchen.

 

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11.11.2019