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Fototipps

Fremde Menschen fotografieren – Praxistipps

Suchen Ihre Freunde und Verwandten das Weite, sobald Sie Ihre Kamera auspacken? Dann ist es wohl an der Zeit, andere Modelle zu finden. Also nichts wie rein ins Getümmel – Mit diesen einfachen Tipps vom X-Fotografen Denny Phan ist‘s ganz leicht!

Nicht zu verwechseln ist diese Disziplin mit der Streetfotografie. Hier werden die Menschen abgelichtet, ohne dass diese es mitbekommen, was dabei auch die grosse Herausforderung darstellt. Es werden Szenen auf der Strasse eingefangen, ohne diese bewusst zu beeinflussen und zu verändern.

 

Beim Fotografieren fremder Menschen hingegen geht es genau darum, Personen bewusst zu portraitieren, diese anzusprechen und in der gegebenen Umgebung abzulichten.

 

>> Mehr Infos zur Streetfotografie finden Sie in diesem Artikel.

 

Tipp 1: 5, 4, 3, 2, 1 und Klick!

Maximal fünf Sekunden nachdem Sie eine interessante Person gesichtet haben, sollten Sie mit einem Lächeln im Gesicht vor ihr stehen. Dies ist mein erster und mit Abstand wichtigster Tipp zur „Stranger“-Fotografie. So ist die Person nicht sofort ausser Reichweite und Sie lassen sich selber keine Zeit, kalte Füsse zu bekommen. Ich kann Ihnen zudem versichern, dass das Horrorszenario, in welchem Ihnen jemand die Kamera aus der Hand reisst, nur äusserst selten eintritt.

 

 „Hallo, mein Name ist ..., ich bin gerade am Fotografieren von mir fremden Personen und habe nun dich entdeckt. Darf ich dich  um ein Portrait bitten?“

 

Am Anfang ist es vielleicht etwas schwierig, eine Person einfach so anzusprechen. Nach 2-3 „Modellen“ geht es dann aber wie von selbst und macht sogar richtig Spass.

 

Tipp 2: Alles so einfach wie möglich

Die meisten Personen (vor allem in der Schweiz) laufen nicht planlos durch die Gegend und warten darauf, von Ihnen angesprochen zu werden. Halten  Sie sich entsprechend kurz und erwähnen Sie, dass es lediglich wenige Minuten beanspruchen wird. Für mich geht es bei der „Stranger“-Fotografie auch darum, authentisch zu bleiben und die Person gleich dort zu fotografieren, wo man sie angetroffen hat. Eine solch spontane und improvisierte Arbeitsweise kann zusätzlich dabei helfen, seine Fähigkeiten in kürzester Zeit zu verbessern.

 

Tipp 3: Ausschau halten

Sind Sie einmal etwas mit der „Materie“ vertraut, so halten Sie die Augen offen und sehen Sie sich nach möglichen Portrait-Kandidaten um. Achten Sie dabei auch gleich auf spannende Hintergründe und die Lichtverhältnisse. Suchen Sie zum Beispiel eine schöne Hauswand, eine Mauer oder einen hübschen Brunnen und halten Sie von dort Ausschau nach Personen, welche Sie dann davor portraitieren können.

 

Tipp 4: „Weshalb möchtest du mich fotografieren?“

Wohl eher früher als später werden Sie sich dieser Frage stellen müssen. Es hilft, darauf eine schmeichelnde und überzeugende Antwort bereit zu haben und was hört sich besser an als: „Ich arbeite gerade an einem Projekt, bei dem ich ausgewählte, interessante Personen in deiner Stadt portraitiere und du bist mir sofort aufgefallen“. Mit einem Projektgedanken können Sie Ihrer „Stranger“-Fotografie zudem einen roten Faden und Tiefe verleihen.

 

Tipp 5: Auch zu zweit klappt’s!

Geteilte Nervosität ist halbe Nervosität. Das gilt auch für diese Art der Fotografie. Das Ansprechen fällt mit Rückendeckung um einiges leichter. Der Selbstvertrauensschub wirkt sich positiv auf Ihre Ausstrahlung aus. Im Team unterwegs zu sein, macht oftmals einen offizielleren Eindruck. Ihr Foto-Buddy kann zudem helfen, auch grössere Gruppen anzusprechen, indem er die Gruppe unterhält, während Sie sich um die Portraits kümmern.

 

Tipp 6: Ein einfacherer Einstieg

Sie trauen es sich trotz all dieser Tipps noch nicht zu, jemanden auf offener Strasse anzusprechen? Dann versuchen Sie es doch am Anfang einfach mal beim Service-Personal in Cafés, Läden und Restaurants. Da man sich mit diesen Personen oftmals bereits in einem Gespräch befindet, erübrigt sich das unangenehme Ansprechen. Aber auch hier empfiehlt es sich, nicht allzu lange zu zögern.

 

Tipp 7: Nicht jeder möchte mitmachen...

... und das ist absolut OK so. Natürlich ist es schade, wenn es sich dabei um eine äusserst interessante Person handelt. Ein „Nein“ sollte aber auf keinen Fall demotivieren, auf sich bezogen oder als Niederlage angesehen werden. Manche Personen haben einfach einen anstrengenden Tag hinter sich oder lassen sich grundsätzlich nicht gerne fotografieren.

 

Das Wort zum Schluss

Zu diesem Thema könnte ich noch etliche Zeilen schreiben. Dies würde aber den Rahmen dieses Artikels sprengen. Am besten schnappen Sie sich jetzt Ihre Kamera, machen sich bewusst, wie einfach es eigentlich ist und gehen auf die Suche nach Ihrem noch unbekannten Modell. 

Im Fokus:

Denny Phan

 

Denny Phan ist Schweizer X-Photographer und hat vor rund vier Jahren, auf einer Reise nach Japan, angefangen, vermehrt unbekannte Personen zu portraitieren. Seine Neugierde und Motivation überwogen schliesslich der Angst vor einem "Nein" und etliche neue Bekanntschaften später wurde die „Stranger“-Fotografie zu siener absoluten Lieblingsdisziplin.

 

>> Mehr zu Denny Phan und seiner Fotografie finden Sie unter http://aqvest.ch/

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