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Bei Nacht - See
Fototipps

Nachtfotografie - Fotografieren bei Nacht

Wenn die Sonne langsam hinter dem Horizont versinkt, Kunstlicht die Herrschaft über die Dunkelheit übernimmt und Schatten selbst bekannte Orte verwunschen und fremd wirken lassen, dann schlägt die Stunde der Nachtfotografen.

So gelingen Nachtaufnahmen

Von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang suchen sie ihre Motive in der Stadt und auf dem Land, unter Menschen, Tieren und manchmal auch im Weltraum. Heraus kommen faszinierende Lichtmalereien, die ein gewisses Mass an Gestaltungs- und Fotografiewissen voraussetzen, damit Effekte sinnvoll genutzt werden können. Aber keine Bange, die Nachtfotografie ist keine Quantenphysik und lässt sich leichter umsetzen, als viele Anfänger befürchten.

 

Nachtfotografie: Komposition statt Schnappschuss

Genau genommen versteht man unter Nachtfotografie nicht nur Aufnahmen in tiefster Dunkelheit - das Spektrum ist viel grösser. Vielmehr geht es darum, das wenige natürliche Restlicht und künstliche Lichtquellen beim Fotografieren bei Nacht zu nutzen, um Unsichtbares, wie z. B. Bewegungen, nächtliche Phänomene, wie z. B. das Polarlicht, oder besondere Ansichten und Beleuchtungssituationen, wie z. B. beleuchtete Gebäude, sichtbar zu machen.

 

Inszenierung ist wohl der treffende Ausdruck: Nachtaufnahmen sind selten Schnappschüsse, sondern in der Regel sorgfältig komponiert und mit deutlich mehr Zeit und Musse aufgenommen als Tagesaufnahmen. Die Grenzen zu einzelnen Genres wie Architekturfotografie, Streetfotografie, Eventfotografie und Astrofotografie sind dabei fliessend.

 

>> Mehr zum Thema Architekturfotografie finden Sie hier.

 

>> Mehr zum Thema Streetfotografie finden Sie hier.

 

>> Mehr zum Thema Astrofotografie finden Sie hier.

 

Belichtungseffekte und Fehlerquellen gezielt nutzen

Licht ist in der Fotografie elementarer Bestandteil. Umso herausfordernder sind Aufnahmen unter schlechten Lichtbedingungen und Abwesenheit von Licht. Hier gilt es, technische Fehler und Effekte, die sich aus bestimmten Aufnahmetechniken wie der Langzeitbelichtung ergeben, sinnvoll für die Bildgestaltung zu nutzen.

 

So kann das ungeliebte Rauschen bei hohen ISO-Werten in der nächtlichen Architekturfotografie extrem stören - bei einer Szene in einem Club oder auf der nächtlichen Strasse kann derselbe Effekt jedoch gezielt genutzt werden, um eine bestimmte Stimmung und Intensität zu erzeugen.

 

Ein anderes Beispiel sind die Lichtspuren, die bei Langzeitbelichtungen entstehen. Sie können ganz gezielt zur Bildgestaltung genutzt oder sogar zum Hauptmotiv erhoben werden - etwa dann, wenn eine lange Belichtungszeit gewählt wird, um die Laufbahn von Sternen zu zeigen oder das Thema Bewegung umzusetzen.

 

Die lange Belichtungszeit bewirkt, dass sich bewegende Objekte, die Licht ausstrahlen (oder reflektieren), nicht mehr als Objekt an sich erkennbar sind, aber eine Spur von Licht in der Nacht hinterlassen. Auf diese Weise ist es übrigens auch möglich, störende Fahrzeuge beim Fotografieren bei Nacht auszublenden - lediglich ihre Lichtspur ist zu sehen.

 

>> Mehr zum Thema Bewegung einfangen finden Sie hier.

 

Kameraeinstellungen bei der Nachtfotografie

Wenn Sie bei Nacht fotografieren möchten, sollten Sie eines ganz genau kennen: Ihre Kamera. Nur wer mit der Funktionsweise und Einstellmöglichkeiten vertraut ist, kann wirklich alle technischen Möglichkeiten nutzen, um anspruchsvolle Nachtaufnahmen zu realisieren.
 

Belichtungsautomatik

Auf die Belichtungsautomatik sollte man sich gerade bei nächtlichen Aufnahmen nicht verlassen. Grund dafür sind die häufig schwierigen Lichtverhältnisse in der Nacht: Oftmals müssen Fotografen starke Hell-Dunkel-Kontraste technisch oder in der Nachbearbeitung ausgleichen. Wer bei der Aufnahme nicht darauf achtet und dem Histogramm (ein stark unterschätzter, aber sehr praktischer Helfer) keine Beachtung schenkt, läuft Gefahr, dass Höhen überstrahlen und keine Zeichnung mehr aufweisen oder Tiefen absaufen (ja, das heisst wirklich so).

ISO

Zu den wichtigsten Einstellungen, die individuell wählbar sein sollten, zählt der ISO-Wert. Es gilt: Je weniger Licht zur Verfügung steht, desto höher sollte der ISO-Wert sein, wenn kein Blitz zum Einsatz kommt. Auf diese Weise entstehen auch unter schwierigen Lichtbedingungen scharfe, verwacklungsfreie Fotos.

 

Übrigens: Je grösser der Chip, desto höher kann der Wert gewählt werden, ohne dass störendes Rauschen auftritt.

Blende und Belichtungszeit bei der Nachtfotografie

Auch Blende und Belichtungszeit sind im optimalen Fall frei wählbar. Auf diese Weise ist es möglich, gezielt mit Schärfen, Unschärfen und Helligkeiten zu spielen und dabei entstehende Effekte zu nutzen.

 

Wussten Sie zum Beispiel, dass Sie gar keinen Filter für den beliebten Sternchen-Effekt benötigen? Wählen Sie stattdessen einfach eine kleinere Blende (f8 oder höher) und der Effekt entsteht automatisch an allen Lichtern im Bild.

 

Bildstabilisator, Stativ und weitere nützliche Helfer

Um wirklich scharfe Bilder ohne (ungewollte) Bewegungs- und Verwacklungsunschärfen zu erhalten, bietet es sich an, Einstellungsmöglichkeiten der Kamera und einige kleine Hilfsmittel und Tricks zu nutzen. Geht es nur um Sekundenbruchteile, sind lichtstarke Objektive mit Stabilisator empfehlenswert, die Verwacklungsunschärfen weitgehend ausschalten können.

 

Besonders wichtig ist es, vor allem bei längeren Belichtungen, die Kamera stabil zu halten - wenn nötig auch über mehrere Sekunden oder Minuten. Bei längeren Belichtungszeiten sollte die Kamera entweder auf einem stabilen Stativ befestigt oder auf einem stabilen Untergrund abgelegt werden.

 

Das alles nutzt zumindest bei Spiegelreflexkameras aber wenig, wenn der Kameraspiegel durch seine Bewegung beim Auslösen in der Kamera selbst Bewegung erzeugt oder die Kamera beim Drücken des Auslöseknopfes wackelt. Abhilfe schafft hier zum einen die Spiegelvorauslösung, zum anderen ein Fernauslöser oder alternativ die Selbstauslösefunktion der Kamera.

 

Eine Streulichtblende verhindert, dass seitlich einfallendes Licht, etwa von Strassenlaternen oder vorbeifahrenden Autos, die Komposition stört.

 

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