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Fototipps

Fotografie-Grundlagen - Tipps für Profi-Fotos

Wenn die Fotografie zu einem ernsthaften Hobby wird, ist das Smartphone nicht mehr gut genug. Diese Tipps erleichtern Ihnen den Zugang zur professionellen Fotografie und helfen beim Umgang mit Kameras.

Die Fotografie ist ein äusserst faszinieren­des Hobby: Kreativität, Selbstverwirklichung, Entspannung und Verspieltheit bilden einen unwiderstehlichen Mix. Bei der jungen Generation kommt der Erstkontakt meistens über ein Smartphone zustande. Kein Wunder: iPhones und andere Spitzenmodelle bieten heute eine erstaunliche Qualität, während die Vielfalt der Foto-Apps grenzenlos scheint.

 

Doch wer sich zum ersten Mal tiefer mit der Fotografie beschäftigt, steht plötzlich in einem Dickicht aus abstrakten Techniken und Begriffen, die kaum zu durchschauen sind. Der Schleier lichtet sich jedoch, wenn Sie den Ball flach halten und methodisch an die Sache herangehen. Im Web finden Sie zwar unzählige Videos, Lehrgänge und Beispiele, doch versuchen Sie nicht, das Thema mit der Brechstange zu bewältigen. Beherzigen Sie den Rat von Frank Underwood, dem Protagonisten der TV-Serie House of Cards: «Einen Wal verschlingt man Bissen für Bissen.»

 

Mit folgenden Tipps führen wir Sie an die professionelle Hobby-Fotografie heran – von der Motivwahl über Fotografie-Grundlagen, Fotoausrüstung bis hin zum Umgang mit höherwertigen Kameras.

 

Unverzichtbare Grundlagen

Es gibt endlos viele Möglichkeiten, um ein Motiv technisch zu meistern. Folgende Techniken gehören jedoch zum unverzichtbaren Repertoire. Ohne sie wird die Fotografie zum Glücksspiel. Bringen wir zuerst den schwierigsten Teil hinter uns; danach wird es nur noch einfacher.

1. Das Trio infernale

Die Belichtung eines Fotos wird immer durch drei Faktoren definiert:

Die Verschlusszeit bestimmt, wie lange das Licht auf den Sensor fällt. Je kürzer die Zeit (zum Beispiel 1/2000 Sekunde), desto mehr wird eine Szene «eingefroren», beispielsweise bei Sportaufnahmen. Lange Verschlusszeiten ohne Stativ führen hingegen zu verwackelten Aufnahmen.

Die Blende reguliert mit Lamellen die Lichtmenge. Sie definiert aber auch, welcher Bereich auf einem Foto scharf abgebildet wird (Tiefenschärfe). Je kleiner die Blendenöffnung, desto grösser ist der scharfe Bereich.

Der ISO-Wert legt fest, wie intensiv das Signal des Bildsensors verstärkt wird. Ein hoher Wert steigert die Empfindlichkeit und erlaubt kürzere Verschlusszeiten oder kleinere Blendenöffnungen, aber er verstärkt auch das Bildrauschen.

 

Die Tücke dieser drei Einrichtungen besteht in der Wechselwirkung. Egal, an welchem Rad Sie drehen: Sie beeinflussen damit auch die anderen Parameter. Erst wenn Sie dieses Zusammenspiel verstehen, können Sie auch die Wirkung auf das Foto abschätzen.

Um die Theorie im Gedächtnis zu verankern, hilft die Website camerasim.com. Dort können Sie mit den Einstellungen herum­spielen, den virtuellen Auslöser drücken und das Resultat begutachten.

2. Keine Programmautomatik

Verlassen Sie die Programmautomatik und keh­ren Sie nie wieder zurück. Schliesslich macht sie nichts anderes, als eine brauchbare Kombination aus Verschlusszeit und Blende auszuwählen. Jetzt, da Sie die Zusammenhänge kennen, sollten Sie diese Entscheidung selbst treffen. Verwenden Sie deshalb auf der Kamera die Stellung A (Zeitautomatik mit Blendenvorwahl) oder S (Blen­denautomatik mit Zeitvorwahl)

3. RAW oder JPEG

Jede bessere Kamera speichert die Fotos im uni­versellen JPEG- und/oder im RAW-Format. Letz­teres belässt die Dateien so, wie sie sind, ohne jegliche Optimierungen. Dafür sind RAW- Fotos auch einiges grösser und müssen speziell nachbearbeitet werden. Machen Sie sich die Wahl einfach: Kaufen Sie eine grosse, schnelle Speicher­karte und speichern Sie die Fotos in beiden Formaten. Dazu gibt es in den Menüs der Kamera eine Einstellung. Arbeiten Sie zuerst mit dem unproblematischen JPEG-Format. Wenn Sie sich später mit dem RAW-Format auseinandersetzen, greifen Sie auf Ihr RAW-Archiv zurück.

4. Kamerakenntnisse aneignen

Lernen Sie Ihre Kamera in- und auswendig. Studieren Sie jede einzelne Funktion – und sei es nur, um herauszufinden, dass Sie diese nicht benötigen. Passen Sie alle Einstellungen so an, dass sie Ihrer Arbeitsweise entgegenkommen.

5. Drittelsregel beachten

Bücher über die Bildkomposition füllen auch das längste Regal. Wenn Sie sich mit diesem Thema noch nie auseinandergesetzt haben, orientieren Sie sich für die erste Zeit an der Drittelsregel, dies entspricht in etwa dem Goldenen Schnitt. Dabei wird das Bild in neun Felder aufgeteilt. Platzieren Sie das Hauptmotiv auf einer Schnittkante. Das allein garantiert noch keine preisverdächtigen Fotos und die Regel ist nicht in Stein gemeisselt. Doch sie führt mit minimalem Aufwand zu besseren Bildern. Fast jede Kamera kann dieses Raster auf dem Display einblenden, noch bevor der Auslöser gedrückt wird.

6. Fokuspunkt verschieben

Wenn Sie die Drittelsregel bzw. den Goldenen Schnitt beachten, wird das Motiv nicht mehr in der Mitte platziert, wo die Kamera normalerweise die Schärfe anpeilt. Lesen Sie im Handbuch nach, wie Sie bei Ihrer Kamera den Fokuspunkt manuell verschieben, um auf Objekte ausserhalb der Bildmitte zu fokussieren.

 

Tipps zur Ausrüstung

Wie jeder Handwerker benötigen auch Fotografen ein vernünftiges Werkzeug. Die folgenden Zubehörteile gehören zu einer guten Fotoausrüstung.

1. Stativ

Egal, für welches Thema Sie sich entscheiden: Eher früher als später werden Sie ein Stativ brau­chen. Im Idealfall können Sie vor Ort bei einem Fachhändler verschiedene Stative vergleichen. Die Kriterien: Das Stativ muss so stabil sein, dass es die Kamera sicher hält. Wägen Sie die Kamera mit dem schwersten Objektiv und dem Blitzgerät auf einer Küchenwaage. Brauchbare Stative für den Innenbereich gibt es ab 200 Franken, doch die Preise sind nach oben offen.

2. Blitzgerät

Ein Blitzgerät muss leistungsstark sein. Ausser­dem sollte es sich in alle Richtungen schwenken lassen, damit Sie indirekt über eine Wand oder die Zimmerdecke blitzen können – das führt zu deutlich weicherem Licht. Achten Sie darauf, dass das Gerät entweder vom Kamerahersteller kommt oder hundertprozentige Kompatibilität garan­tiert.

3. Wechselobjektive

Wechselobjektive sind ein unerschöpfliches Thema. Kaufen Sie die Kamera am besten gleich mit einem Standardzoom (Kit-Objektiv), das die meisten Motivbereiche in einer akzeptablen Qua­lität abdeckt. Wenn Sie vom Kamerasystem über­zeugt sind, investieren Sie nach und nach in hoch­wertige Objektive. Das lohnt sich, denn diese bleiben Ihnen auch erhalten, wenn Sie das Ge­häuse gegen den Nachfolger eintauschen.

4. Sonnenblende

Verwenden Sie die Sonnenblende, die mit dem Objektiv geliefert wurde, oder kaufen Sie eine dazu. Sie kann Streulicht innerhalb des Objektivs verhindern und so die Bildqualität verbessern. Vor allem aber schützt sie die Frontlinse, wenn Sie irgendwo gegenstossen.

5. Filter

Im Zeitalter der digitalen Fotografie benötigen Sie nur noch drei Filter: Einen Polarisationsfilter, um Reflexionen zu mindern, einen Graufilter, um die Lichtmenge für Langzeitaufnahmen zu redu­zieren und einen Grauverlaufsfilter, mit dem Sie den Himmel gegenüber dem Boden abdunkeln können. Diese Filter werden am Objektiv befes­tigt. Gute Filter kosten jedoch schnell einmal 100 Franken und mehr. Kaufen Sie jene Grösse, die auf das Objektiv mit dem grössten Durchmesser passt. Verwenden Sie anschliessend preiswerte Adapterringe, um die Filter an die kleineren Objektive anzupassen.

6. Tasche oder Rucksack

Für Landschaftsfotografen und Tramper ist ein Rucksack die bessere Wahl, für die meisten anderen empfiehlt sich eine Tasche. Breiten Sie vor dem Kauf Ihre Ausrüstung vor sich aus, damit die Grössenordnung ersichtlich wird.

7. Reinigungsmittel

Dazu gehört ein Blasebalg, um Sand und Staub von der Linse zu pusten. Für die folgende Feuchtreinigung empfehlen sich einzeln verpackte Brillenputztücher, die Sie überall kaufen können.

8. Kameragurt

Die meisten mitgelieferten Kameragurte sind eine Qual. Gute Alternativen sind nicht günstig, aber sie halten viele Jahre.

 

Mentale Hilfen

Fotografie ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch der Einstellung – und die ist gerade am Anfang wichtiger denn je.

1. Tempo selbst bestimmen

Fotografie ist in unserem Fall ein Hobby. Gehen Sie das Thema locker an, und zwar in Ihrem eigenen Tempo. Wenn Sie zum Beispiel gebeten werden, mit Ihrer tollen neuen Ausrüstung eine Hochzeit zu fotografieren, lehnen Sie dankend ab. Den Stress und die enorme Verantwortung wollen Sie sich garantiert nicht antun, von der Nachbearbeitung ganz zu schweigen. Natürlich können Sie später Ihre besten Bilder beisteuern – ohne Versprechungen oder Erfolgsgarantien.

2. Komfortzone nicht verlassen

Fortgeschrittene sollten ihre Komfortzone verlassen und sich auf neues, unbekanntes Terrain begeben. Das gilt nicht für Einsteiger. Bleiben Sie bei Ihrem Lieblingsthema, bis Sie es ausgereizt haben oder seiner überdrüssig werden.

3. Fehler sind erlaubt

Fehler sind toll, weil man daraus lernt. Stress entsteht hingegen, wenn Sie unter Druck stehen und mit der Kamera nicht klarkommen. Bevor Sie sich also an ein wichtiges Ereignis heranwagen, sollten Sie Ihre neue Kamera blind beherrschen.

4. Perfektion ist nicht alles

Zum Schluss die Entwarnung: Technische Perfektion ist nicht das Mass aller Dinge. Unzählige Fotos der letzten Jahrzehnte sind zu Ikonen ge­worden – trotz groben Korns oder mangelhafter Schärfe. Wenn ein Foto jedoch eine lustige, persönliche oder berührende Szene zeigt, kann es nicht wirklich schlecht sein.

5. Lernprozess verfolgen

Beobachten Sie, wie Ihre Fotos immer besser wer­den; das motiviert ungemein. Schiessen Sie täg­lich ein sorgfältig komponiertes Foto und lassen Sie die Ergebnisse nach einem Jahr Revue passie­ren. Oder begeben Sie sich auf eine Fototour mit der Auflage, exakt drei Bilder zu schiessen.

 

Quelle: PCtipp Nr.3/März 2015

 

Laura

Sehr nützliche Infos. vielen Dank

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