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Fototipps

Food-Fotografie – Erst knipsen, dann essen!

«Wenn ich fertig bin mit Fotografieren, ist mein Essen immer noch warm und ich setze mich zu den anderen an den Tisch und esse, was ich eben fotografiert habe. Ich bin überzeugt: Diese Authentizität spürt der Betrachter. Es macht die Bilder zugänglich und appetitlich».

Vom Blogger zum Kochbuchautor

Der freischaffende Werbetexter Claudio Del Principe startete 2007 einen Food-Blog – als einer der ersten in der Schweiz. Heute gilt sein Blog «anonymekoeche. net» als Perle unter den deutschsprachigen Food-Blogs. «Angefangen hat alles aus reiner Notwehr», wie er sagt. «Die Leute in meinem Umfeld konnten es nicht mehr hören, dass ich immerzu vom Kochen und Essen redete».

 

Zusammen mit einem Leidensgenossen überlegte er, an wen sie sich mit ihrer Kochsucht wenden könnten. «Es müsste so etwas wie die Anonymen Alkoholiker, aber für besessene Köche geben». Und schon war der Name geboren: Anonyme Köche.

 

«Für mich war es einerseits ein wunderbarer Tummelplatz, um mir alles von der Seele zu schreiben, was mich kulinarisch beschäftigte. Zum anderen war es auch eine reine Fingerübung. Endlich konnte ich mal Texte schreiben, ohne einen Auftraggeber im Rücken zu haben.»

 

Heute ist der Blog eine Art Visitenkarte und Akquisitionstool in einem. Auftraggeber finden den Texter über seine Food-Seite und wollen mit ihm zusammenarbeiten. Auch Kochbuchverlage lassen nichts anbrennen und packen seine Rezepte, Geschichten und Foodfotos zwischen zwei Buchdeckel.

 

Authentische Bildsprache

«Schon im ersten Blog-Jahr meldete sich Gräfe und Unzer, der grösste Kochbuchverlag Deutschlands, um ein Buch mit mir zu verlegen.» Das Besondere daran: Es sollte kein Kochbuch werden, an dem wie gewöhnlich Rezeptautoren, Foodstylisten und Foodfotografen gemeinsam arbeiten, vielmehr sollte alles aus einer Hand kommen. Mit einer persönlichen, unverwechselbaren und authentischen Handschrift, was Text und Bildsprache betrifft.

 

«Damals fotografierte ich mit meiner ersten Digitalkamera. Einer Leica D-Lux 3. Ich habe mehr oder weniger einfach drauflos geknipst. Styling und Nachbearbeitung waren verpönt und „total uncool“. Es sollte ehrlich, ungekünstelt und ungeschminkt aussehen.»

 

Dieser neue, nüchterne und etwas maskuline Stil kam damals gut an. Für die Leser waren die fotografierten Gerichte gleichzeitig inspirierend und nachvollziehbar. Jeder dachte sich: Das kann ich auch nachkochen. Es wurde auch so etwas wie ein Markenzeichen: Del Principe serviert ehrliche Rezepte und authentische Geschichten über kulinarische Besessenheit. Er liebt die Reduktion aufs Wesentliche und entfacht damit eine heftige Leidenschaft fürs Kochen und Geniessen, die in so vielen von uns schlummert.

 

«Mir war es schon damals wichtig, nur bei Tageslicht oder available Light zu fotografieren – ohne Blitzlicht oder zusätzliche Ausleuchtung.»

 

Quantensprung X-Pro1

Im Herbst 2014 erschien sein zweites Kochbuch «Italien vegetarisch» beim Brandstätter Verlag, Wien. Es versammelt das Beste, was die italienische Küche an traditionellen, vegetarischen Schätzen zu bieten hat.

 

Auch bei diesem Projekt war man sich schnell einig, dass alles aus einer Hand kommen sollte. «Aber meine Ansprüche an Foodfotografie waren mittlerweile gestiegen. Für ein hochwertiges und langlebiges Printprodukt wie dieses Standardkochbuch wollte ich schärfere Bilder mit einer besseren Auflösung und ein lichtstarkes Objektiv, das bei offener Blende auch noch ein schönes Bokeh erzeugt.

 

«Ich suchte eine neue Kamera und nach einigen Tests fielen alle Spiegelreflexkameras raus, weil sie für mich zu schwer und zu unhandlich waren. Die kompakte X-Pro1 mit dem FUJINON XF 35mm F1.4R überzeugte schliesslich auf ganzer Linie. Im Gespräch mit befreundeten Foodfotografen stellte sich zudem heraus, dass dieses Modell die Kamera der Stunde war und so manchen Profi dazu bewegt hatte, seine Kamera mit Kleinbild-Sensor gegen eine solche FUJIFILM mit APS-C-Sensor einzutauschen.»

 

Minimalistisches Equipment

Del Principe investierte viel Zeit, um sich die passenden Requisiten und Untergründe für das „Italien vegetarisch“-Kochbuch zu beschaffen. «Ich habe eine Menge Ausflüge nach Italien unternommen und kenne nun so manchen Flohmarkt und Second-Hand-Laden, wo ich authentisches Geschirr, aber auch stimmige Textilien und alte, „lebendige“ Holzbretter fand.»

 

So minimalistisch seine Rezepte und die Art des Anrichtens sind, so simpel ist auch der Aufbau seiner Fotografie.

 

«Es ist ganz einfach: Wir sind eine vierköpfige Familie und alle haben Hunger. Wenn ich also etwas koche, das auch in ein Buch kommen soll, nehme ich meinen Teller und trage ihn von der Küche ins Esszimmer, wo ich eine ideale Lichtquelle habe: ein Fenster mit Nordlicht. Der Untergrund und allfällige Requisiten sind bereits ausgewählt und liegen bereit.

 

Alles, was ich dann noch brauche, ist ein Reflektor. Den habe ich mir sogar selbst gebastelt: aus silbrigem Fotokarton! Mehr brauche ich nicht. Kein Glycerin, kein Haarspray oder welche haarsträubenden Mittelchen früher beim Fotografieren von Essen Gang und Gäbe waren.»

 

«Wenn ich fertig bin mit Fotografieren, ist mein Essen immer noch warm und ich setze mich zu den anderen an den Tisch und esse, was ich eben fotografiert habe. Ich bin überzeugt: Diese Authentizität spürt der Betrachter. Es macht die Bilder zugänglich und appetitlich.»

 

Reportage im Magnum-Stil – unmöglich?

Sein aktuelles Kochbuch heisst „Ein Sommer wie damals", 2016 ebenfalls im Brandstätter Verlag erschienen. Es ist ein nostalgischer Blick auf das sommerliche Italien. An die ersten Ferien am Meer. Mit unvergesslichen Speisen, Musik und viel Amore.

 

Beinhaltete „Italien vegetarisch“ an die hundert Rezeptfotos, wünschte sich der Verlag für dieses Buch, neben Foodfotos auch Fotos der sommerlichen verschiedenen Regionen.

 

«Unmöglich! war meine erste Reaktion. Die Stimmungsbilder müssen wir einkaufen. Ich habe weder die Ausrüstung noch die Erfahrung für Reportage und Landscape

 

Mein Verleger überzeugte mich aber mit den Worten: «Die Fotografen der Magnum-Fotoagentur haben damals in den 50er-Jahren mit ihren Bildern Geschichte geschrieben. Und was hatten sie? Eine Sucherkamera mit einem 35mm-Objektiv – genau wie du.»

 

Die Portraits von Produzenten, Marktleuten und Gastronomen, die Landschaftsaufnahmen und die italienischen Bilderbuchmomente von Venedig bis Apulien fügen sich tatsächlich zu einem stimmungsvollen Ganzen zusammen.

 

«Es war eine sehr schöne Arbeit, die mich mit vielen passionierten Leuten zusammengebracht hat. Man entwickelt mit der Zeit auch ein Gespür für den richtigen Augenblick und ein Auge für das perfekte Licht. Aber was mich am meisten befriedigt hat: Ich konnte mit dieser Kamera und nur einem einzigen Objektiv jedes Motiv einfangen, das ich wollte. Für keine einzige Aufnahme hatte ich eine zusätzliche Ausrüstung gebraucht. Aber das Allerschönste ist: An der Frankfurter Buchmesse erhielt das Buch den Premio ENIT 2016, eine Auszeichnung für den „schönsten Bildband über Italien“. Was will man mehr?»

Im Fokus – Claudio del Principe

Clauio Del Principe ist leidenschaftlicher Food-Fotograf, -Blogger und -Texter.

 

Neben diversen Kochbuch-Aufträgen als freischaffender Fotograf, Autor und Texter führt er einen erfolgreichen Food-Blog:

 

www.anonymekoeche.net

www.instagram.com/cladio_anonymekoeche

 

 

 

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