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Fototipps

Vom Goldenen Schnitt zum perfekten Bild

Sie werden sich vielleicht auch schon gefragt haben, warum die Fotografien von Profis auf den ersten Blick so ausgesprochen harmonisch wirken. Aber worauf soll man achten, um die eigenen Bilder genauso interessant wirken zu lassen?

Bildaufbau – die Suche nach fotografischer Harmonie

Zu den wichtigsten fotografischen Techniken gehört die Gestaltung eines Bildes über den Bildaufbau. Wie die Komposition eines Malers besteht die Bildgestaltung aus der bewussten Anordnung der Bildelemente, welche für den Betrachter wichtig sind und eine gewisse Spannung erzeugen sollen. Auf ungeplanten Aufnahmen wirken die Motive oft ganz anders, als man sie in Erinnerung hat. Dieser Effekt ist relativ einfach zu erklären: Da Ihre Augen einen dreidimensionalen Eindruck vermitteln, nehmen Sie eine Szenerie ganz anders war, als es die zweidimensionale Technik der Fotokamera und die Darstellung eines Fotos vermag. Die Aufgabe bei der Bildgestaltung besteht also darin, eine zweidimensionale Darstellung so herzustellen, dass sie vom Betrachter als möglichst harmonisch und interessant zugleich wahrgenommen wird. Ein grundlegendes Stilmittel hierfür ist der bewusste Einsatz der Schärfentiefe. Je grösser sich die Blende der Kamera öffnen lässt, umso kreativer lassen sich Motive damit in Szene setzen.

 

>>  Mehr zum Umgang mit der Blende erfahren Sie hier

 

Die Wahl des Motivs

Der erste Schritt zur Gestaltung eines Bildes besteht in der Wahl des Motivs, auf das die Aufmerksamkeit des Betrachters gelenkt werden soll. Die Hauptregel dabei: Konzentration auf das Wesentliche, ohne Ablenkung mit zu vielen Details. Eine der leichtesten Methoden, ein Motiv hervorzuheben, ist eine zentrierte oder bildfüllende Darstellung. Ein Segelschiff auf einer ansonsten leeren Wasserfläche springt sofort als Motiv ins Auge. Um ein Bild jedoch etwas interessanter und aussergewöhnlicher zu gestalten, gilt es, ein paar weitere Regeln zu beachten.

 

Der Goldene Schnitt und die Drittel-Regel

Der Goldene Schnitt nutzt das Phänomen, dass die Positionierung eines Motivs auf einem Foto nicht in der geometrischen Mitte des Bildes erfolgen muss, um harmonisch zu wirken. Wenn zwei Abschnitte einer Strecke im Verhältnis von ca. 62:38 zueinander stehen, entspricht das Längenverhältnis dem Goldenen Schnitt. Da Sie beim Fotografieren aber nur selten die Gelegenheit haben, Objekte bzw. die Perspektive der Kamera ganz genau nach den Regeln des Goldenen Schnitts zu arrangieren, nutzen die meisten Fotografen die so genannte Drittel-Regel. Dabei teilt man das Bild in horizontale und vertikale Drittel auf. Dort, wo sich die Linien schneiden, entstehen vier Punkte. Alle Bildelemente, deren Mittelpunkt Sie jetzt an einem der vier Punkte platzieren, sind dann sowohl horizontal als auch vertikal nach der Drittel-Regel und deshalb auch etwa nach den Regeln des Goldenen Schnitts positioniert. Gestreckte Motive wie ein Horizont oder ein langer Baumstamm, welche Sie entlang einer der Hilfslinien anordnen, befinden sich so auch automatisch in einer Position, welche harmonisch wirkt. Viele Kameras bieten die Möglichkeit im Sucher oder auf dem Monitor, solche Hilfslinien einzublenden, damit Sie die Drittel-Regel schon beim Fotografieren praktisch umsetzen können. Bilder können natürlich auch nachträglich nach den gleichen Regeln angepasst werden. In vielen Bildbearbeitungsprogrammen stehen ebenfalls Drittel-Linien zur Verfügung.

 

Augentraining und der letzte Schliff

Ähnlich wichtig wie der Bildaufbau ist die Wahl des richtigen Bildausschnitts. Wesentliche Elemente des Bildes werden dadurch hervorgehoben. Details, welche für die optische wie inhaltliche Bildaussage unwichtig sind, werden weggelassen. Die Wahl des Bildausschnitts beginnt mit der Wahl eines Standorts sowie der Perspektive. Technische Möglichkeiten der Kamera, wie ein grosser Zoom-Bereich sowie im Display oder Sucher eingeblendete Hilfslinien, sind weitere Möglichkeiten, den Bildausschnitt zu wählen. Die Aufgabe der nachträglichen Bildbearbeitung besteht darin, den wirkungsvollsten Bildausschnitt zu suchen und zu finden. Hier können auch nachträglich Bilder nach Regeln, wie zum Beispiel dem Goldenen Schnitt, angepasst werden. Wenn Sie im Nachhinein Bilder bearbeiten, hat das den grossen Vorteil, dass Sie sich nicht mehr an das ursprüngliche, bei der Aufnahme gewählte, Seitenverhältnis des Fotos halten müssen. Mit der passenden Software stellt die Technik zwar diverse Instrumente wie Hilfslinien zur Verfügung, doch um den optimalen Bildausschnitt zu finden, benötigen Sie in erster Linie Experimentierfreude und ein sicheres Auge.

 

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