Exif-Daten richtig lesen und verwenden

Was sind Exif Daten und wie interpretiert, verwendet und ändert man diese richtig? Dieser Frage ging Klaus Zellweger vom PCtipp nach und hat die wichtigsten Infos zusammengestellt.

Eine Foto-Datei besteht nicht nur aus dem Foto selbst, sondern besteht ebenso aus  Daten, die ausnahmslos an jedem digitalen Foto hängen: «Exchangeable Image File»-Daten oder kurz Exif. Sie zeigen, unter welchen Bedin­gungen die Aufnahme geschossen wurde und auf welchem Quadratmeter dieses Planeten Sie sich dabei aufgehalten haben.

Jede Kamera und jedes Smartphone erzeugen diese Metadaten und verbinden sie untrennbar mit dem Foto. Später können diese Exif-Daten von Programmen ausgelesen und verwendet werden. So sortiert z. B. die Bildverwal­tung die Fotos auf die Sekunde genau in chronologischer Reihenfolge, die Karten-App zeigt, wo die Aufnahme gemacht wurde, etc.

Exif-Daten prüfen

Die Exif-Daten lassen sich auf vielfältige Weise betrachten. Wenn die Daten intakt sind, ist der Abruf einfach, auch wenn Sie keine Fotoverwaltung wie Photoshop Elements oder ähnliches benutzen. Es kann jedoch sein, dass Sie Fotos von Dritten erhalten, bei denen diese Angaben entfernt wurden. Die Infos können je nach Programm auch ergänzt werden.

Windows

Unter Windows prüfen Sie die Exif-Daten direkt im Explorer. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine Bilddatei und wählen Sie im Kontextmenü Eigenschaften. Im folgenden Fenster wechseln Sie zum Reiter Detail und scrollen nach unten, um sich die Exif-Daten anzusehen.

Um einen ganzen Ordner voller Bilder auszuwerten, wählen Sie im Explorer-Fenster im Menü Ansicht die Option Detail. Klicken Sie mit der rech­ten Maustaste auf den Spaltenkopf und wählen Sie im Kontextmenü den Befehl Weitere.

Nun picken Sie aus unzähligen Kriterien jene heraus, die in der Spaltenansicht angezeigt werden sollen, zum Beispiel das Kameramodell.

MAC 

Unter macOS öffnen Sie das Foto im Pro­gramm Vorschau und rufen anschliessend im Menü Werkzeuge den Befehl Informationen einblenden auf. Deutlich dekorati­ver als dieses Werkzeug arbeitet jedoch die Software «EXIF App», die Sie kostenlos im Mac App Store erhalten: Die Benutzer­oberfläche imitiert einen Kamerasucher und zeigt sogar die Stelle an, auf die bei der Aufnahme fokussiert wurde – wobei leider nicht jede Kamera diese Informationen in die Exif-Daten schreibt.

Der Nutzen in der Praxis

Auch wenn Sie die Daten nicht konkret beachten, profitieren Sie dennoch von Ihnen: Im einfachsten Fall z. B. sorgen diese Daten automatisch dafür, dass die Fo­tos in Ihrer Fotoanwendung chronologisch sortiert werden. Wenn Sie sich jedoch da­für interessieren, lassen sich einige span­nende Dinge mit den Exif-Daten anstellen.

Protokollierung der Aufnahme-Einstellungen 

Möchten Sie aus Ihren eigenen Bildern lernen, müssen Sie wissen, wie diese zustande gekommen sind. Aufgrund der Exif-Daten erfahren Sie zu Hause vor dem Computer, dass ein Porträt mit dem 24–70-mm-Zoom in der Stellung 63 mm bei Blende 5,6 aufgenommen wurde. Früher hielten die Fotografen diese Angaben in einem Notizbuch fest und orientierten sich dabei am Zählerstand des Films.

Automatische Entwicklung mit „Adobe Lightroom“

Jede Kamera bildet die Welt anders ab. Vielleicht tendiert sie zur Unterbelichtung oder übersättigt die Rottöne. In der Foto-Software „Adobe Lightroom“ können Sie festlegen, dass alle Fotos einer Kamera automatisch korrigiert werden.

Wählen Sie ein Re­ferenz-Bild und nehmen Sie sämtliche Korrekturen vor, die für alle neu importierten Fotos dieser Ka­mera gelten sollen. Jede Funktion ist zulässig.

Nun wählen Sie im Menü Entwickeln den Befehl Stan­dardeinstellungen festlegen. Machen Sie diese Kor­rekturen zum Standard für alle neu hinzugefügten Fotos.

Ab jetzt wird Lightroom die Kamera auf­grund der Exif-Daten erkennen und die Korrektu­ren beim Import vornehmen. Im selben Menü lässt sich die Entwicklung neuer Bilder wieder auf die Werkseinstellungen zurücksetzen.

Flickr als Hilfe bei der Objektiv-Suche 

Die weltgrösste Fotoplattform Flickr (flickr.com) zeigt zu jedem Bild die Exif-Daten auf eine sehr dekorative Weise, doch diese sind nicht Selbst­zweck:

Nehmen wir an, Sie suchen eine neue Kamera. Die «FUJIFILM X-T1» hat es in die engere Auswahl geschafft, aber restlos überzeugt sind Sie noch nicht.

Rufen Sie die Website flickr.com auf und ge­ben Sie die Bezeichnung der Kamera in das Such­feld ein. Jetzt sehen Sie sämtliche Fotos, die mit dieser Kamera geschossen wurden. Klicken Sie eines davon an, um alle Exif-Daten einzusehen. Diese Suche funktioniert übrigens, ohne dass Sie zuvor ein Flickr-Konto eröffnen müssen.

Tipp zur Suche:

Halten Sie sich an die genaue Bezeichnung des Herstellers, doch wenn keine Treffer zu sehen sind, streichen Sie technische Ab­kürzungen oder was auch immer, bis Sie die gewünschten Treffer erhalten.

Geotags 

Auch die Geotags gehören zu den Exif-Daten. Sie enthalten die Koordinaten des Orts, an dem das Foto gemacht wurde, und sind manchmal bis auf den Meter genau. Jedes Smartphone verfügt über ein GPS-Modul, das diese Koordinaten erfasst. Die Geotags werden zum Beispiel visualisiert, indem die Foto-Software die Position auf Google Maps anzeigt, falls sie dazu in der Lage ist. Wenn Sie etwa den populären Dienst «Google Fotos» ver­wenden, tippen Sie in der App bei einem Foto ein­fach auf das i-Symbol, um den Aufnahmeort auf der Karte anzuzeigen. Heute bieten übrigens un­zählige Anwendungen diese Kartenansicht.

Geotags für alle Kameras  

Alle modernen Smartphones speichern die Fotos mit Geotags, wenn der Kamera-App der Zugriff auf die Ortungsdienste erlaubt wurde. Leider sind aber die wenigsten klassischen Kameras mit einem GPS-Modul ausgerüstet. Es wird also Hilfe benötigt.  

Die Lö­sung für dieses Problem liegt auf der Hand: Das Smartphone zeichnet ständig die Koordinaten im Hintergrund auf. Später werden diese Informationen am PC mit den Bilddaten verknüpft.

Dazu ist es unerlässlich, dass Smartphone und Kamera die­selbe Zeit anzeigen, denn der Zeitstempel wird ver­wendet, um die Daten zusammenzuführen.

Eine bewährte Smartphone-App für die Auf­zeichnung heisst «Geotag Photos Pro 2» und ist für Android und iOS verfügbar. Sie erfasst im Hintergrund fortlaufend den aktuellen Standort. Die Koordinaten werden dabei in eine Datei im GPX-Format geschrieben, die sich mit Dropbox oder einem anderen Cloud-Dienst synchronisie­ren lässt.

Später werden diese Daten am Compu­ter mit den RAW- und JPEG-Dateien der Kamera zusammengeführt. Die nötige PC-Anwendung of­feriert der Geotag-Hersteller kostenlos.

Weil die GPX-Daten genormt sind, kann diese Aufgabe auch von vielen anderen Programmen wahrge­nommen werden. Die kostenlose Smartphone-App kann übrigens nur drei Strecken aufzeichnen; um diese Einschränkung zu umgehen, benötigt es einen In-App-Kauf für ungefähr 8 Franken.

Geotags löschen

Geotags können aber auch in einigen Situationen zu einem Problem werden: Alle freuen sich auf die Ferien und das hastig veröffentlichte Foto zeigt die ganze Bande beim Kofferpacken. Übersetzung: «Wir sind ab morgen in den Ferien und das Haus steht leer!» Und dank den Geotags weiss jeder, wo sich dieses Haus befindet. So praktisch die Geotags sind, manchmal sollten sie nicht mit dem Foto publiziert werden.

Löschen der Geotags in Windows

Unter Windows aktivieren Sie im Windows-Explorer alle Fotos, die von den Geotags befreit werden sollen. Klicken Sie die Auswahl mit der rechten Maustaste an und greifen Sie im Einblendmenü zu Eigenschaften. Öffnen Sie den Bereich Details und klicken Sie auf Eigenschaften und persönliche Informationen entfernen. Wählen Sie im nächsten Fenster Kopie erstellen, schliessen Sie mit der Schaltfläche OK ab. Windows stellt von allen Fotos Kopien her, aus denen die Geotags entfernt wurden, sodass diese Informationen in den Origi­nalen erhalten bleiben.

Löschen der Geotags bei MAC

Öffnen Sie das Foto im mitgelieferten Programm Vorschau. Wählen Sie danach im Menü Werkzeuge den Befehl Informationen einblenden. Wechseln Sie nun zum Bereich GPS und klicken Sie auf die Schaltfläche Ortsdaten entfernen.

Achtung:

Die Geotags werden ohne Rückfrage gelöscht, sodass Sie immer nur mit Kopien arbei­ten sollten. Sie können meh­rere Fotos gleichzeitig öffnen, indem Sie diese auf das Symbol von Vorschau ziehen; doch um die Geotags zu löschen, müssen Sie jede ein­zelne Miniatur-Abbildung separat anklicken.

Auf dem Smartphone  

Sind Sie unterwegs und möchten die Geotags auf Ihrem Smartphone entfer­nen, so verwenden Sie zum Beispiel die kostenlosen Apps «EXIF ToolKit» für Android oder «Koredoko» für iOS. Diese beiden Anwendungen laden Sie via Google Play Store oder Apple App Store auf Ihr Smartphone. Alter-nativ nutzen Sie die Links in der blauen Box links auf die­ser

 

Quelle: PCtipp / Juni 2017

Autor: Klaus Zellweger

www.pctipp.ch

Vielen Dank der PCtipp Redaktion, dass wir diesen Artikel wiederverwenden dürfen.

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15.02.2018