5 einfache Tipps für das Fotografieren an Konzerten

Sie gehen gerne an Konzerte und möchten dort gute Fotos schiessen oder gar in die Konzertfotografie einsteigen? Til Jentzsch, offizieller X-Photographer und semiprofessioneller Musikfotograf, hat für Sie die 5 wichtigsten Tipps für die Konzertfotografie zusammengestellt. Egal, ob Sie aus dem Publikum fotografieren oder gerade Ihren ersten Foto-Pass bekommen haben.

1. Beginnen Sie in kleinen, lokalen Klubs

Sonic Syndicate performing at Kofmehl in Solothurn, Switzerland.

 

Beginnen Sie in kleinen, lokalen Clubs. Dies ist der einfachste Weg, um Erfahrungen zu sammeln, da man fast immer eine Kamera-Ausrüstung uneingeschränkt mitnehmen kann. Ein weiterer Vorteil ist, dass man für diese Konzerte normalerweise keine Presse-Akkreditierung benötigt.

Suchen Sie einfach in der Lokalzeitung, auf Blogs oder Veranstaltungsseiten nach Bands, die Sie fotografieren möchten und schon kann es losgehen.

2. Schnelle Objektive verwenden

Bei der Entscheidung, welche Objektive für die Konzertfotografie am besten geeignet sind, kommt man immer zu dem gleichen Schluss: Schnelle, lichtstarke Objektive mit möglichst kleinen Blendenzahlen (weit geöffneter Blende).

Was heisst das?

Je grösser die Öffnung der Blende (tiefe Blendenzahl), desto lichtstärker ist das Objektiv und desto mehr Licht kann bei kurzer Verschlusszeit eintreten und auf den Sensor gelangen. Die maximale Blende ist auf dem Objektiv selbst ersichtlich, z. B. f1.8, f2.8.

Warum ist das wichtig?

In der Konzertfotografie ist man oft der Situation ausgesetzt, dass nur wenig Licht vorhanden ist, vor allem wen man in kleinen Klubs fotografiert. Weniger lichtstarke Objektive können dann nicht mithalten. Ein „Kompensieren“ mit längeren Verschlusszeiten ist meist nicht möglich, da man die Szenen und Bewegungen auf der Bühne und im Publikum „einfrieren“ möchte und es sonst zu unschönen, verschwommenen und unscharfen Bildern kommt.

Objektive mit solch tiefen Blendenzahlen, also sehr lichtstarke Modelle, können sehr teuer sein, aber es gibt auch Ausnahmen. Für Besitzer einer FUJIFILM X-Kamera gibt es keine bessere Wahl als das FUJINON 23mm f2 oder das FUJINON 35mm f2. Diese Objektive ermöglichen es auf einen einfachen Weg als Konzertfotograf zu starten.

3. Eine Kamera mit hoher ISO-Fähigkeit

Atari Teenage Riot performing at the ISC Club in Bern, Switzerland.

 

Eine weitere, wichtige Einstellung an der Kamera ist der ISO-Wert. ISO bezieht sich auf die Empfindlichkeit Ihres Kamerasensors (bei den analogen Filmen der ASA-Wert). Je höher die ISO-Einstellung, desto weniger Licht wird benötigt, um eine korrekte Belichtung zu erreichen. Je höher jedoch der ISO-Wert ist, desto wärmer wird der Sensor, was zu mehr Bildrauschen führt.

Aufgrund der eher schlechten Lichtsituationen in der Konzertfotografie, sind ISO-Werte ab 1600 ISO oder höher notwendig, um mit einer angemessen geringen Verschlusszeit (1/125 oder kürzer) arbeiten zu können.

4. Die „besten“ Kameraeinstellungen

Die Wahl der richtigen Kameraeinstellungen ist der Schlüssel zu tollen Fotos in der Konzertfotografie. Bei den oft schlechten Lichtverhältnissen hilft der Automatikmodus nicht weiter bzw. dieser reicht nicht aus. Man muss der Kamera also selbst sagen, was sie wie tun soll.

Die wichtigsten Einstellungen im Überblick:

  • Manueller Modus: Kurze Stroboskop-Blitze und andere, sehr kurze Lichteffekte an den Konzerten tragen leider nicht sehr viel zur besseren Beleuchtung bzw. zu optimaleren Lichtverhältnissen bei. Der Automatikmodus kann da also nicht mithalten. Die Aufnahme im manuellen Modus ist der einfachste Weg, um Ihre Belichtung zu kontrollieren und gute Ergebnisse zu erzielen.
  • ISO-Wert + Verschlusszeit: Eine ISO-Einstellung ab ISO 1600 ist in den meisten Situationen eine gute Wahl. Versuchen Sie, die Lichtempfindlichkeit so gering als möglich zu halten, um Bildrauschen zu vermeiden.

Bei der Verschlusszeit sollte man schauen, dass sie mindestens 1/125 Sek. oder kürzer ist. Sind die Bilder dann immer noch zu dunkel,  so sollte man einen höheren ISO Wert wählen.

  • Kleinste Blendenzahl des Objektivs: Grundsätzlich gilt es, immer mit der grösst möglichen Blendenöffnung (tiefe Blendenzahl) zu arbeiten. So trifft nicht nur die grösstmögliche Lichtmenge auf den Kamerasensor, man erhält auch einen unscharfen Hintergrund und kann so das Hauptmotiv im Vordergrund „freistellen“

Mehr zum Thema richtige Kamera-Eistellungen finden Sie in diesen Artikeln.

  • Autofokuspunkt: Am besten stellt man den Autofokus auf den einzelnen Autofokuspunkt in der Mitte des Suchers und vergrössert diesen so, dass er insgesamt  9 AF-Felder einschliesst. Bei den FUJIFILM X-Kameras lässt sich der Fokusbereich mit einem Joystick, über den Touchscreen oder über die Pfeilknöpfe leicht verschieben.
  • Auto-Weissabgleich: Für die meisten Konzerte drinnen, bekommt man mit Hilfe der Auto-Weissabgleichs meisten den „richtigen“ Abgleich hin. Es gibt aber immer mal wieder die seltene Ausnahme, wo an den Konzerten eine monofarbige LED-Beleuchtung oder eine Mixed-Source-Beleuchtung zum Einsatz kommt. Da man so oder so im RAW-Format fotografieren sollte, können Sie in solchen Fällen den Weissabgleich bzw. die Farbtemperatur im Nachhinein noch korrigieren.

Mehr zum Thema Weissabgleich finden Sie in diesem Artikel.

5. In RAW fotografieren

Wenn man in „RAW“ fotografiert hat man die grösste Flexibilität bei der Nachbearbeitung der Konzertbilder. Bei JPEG-Aufnahmen, werden die Einstellungen wie Sättigung, Kontrast, Schärfe u.s.w. vom internen Kameraprozessor auf Ihre Bilder angewendet. Diese Dateien sehen am Computer toll aus, lassen aber in der Nachbearbeitung nicht viel Freiraum.

Bei den ersten Konzerten ist JPEG vielleicht noch ein guter Kompromiss, da man sich dabei eher auf andere Dinge konzentriert und vor allem einfach einmal Erfahrungen sammeln möchte.

Nach den ersten Erfahrungen merkt man jedoch,  dass es fast schon ein Muss ist, auf das RAW-Format umzusteigen, um danach das Optimum aus den Fotos herauszuholen. Die meisten Kameras bieten die Möglichkeit, gleichzeitig in JPEG und in RAW aufzunehmen. Wenn man im RAW-Format fotografiert, kann man mit Bildbearbeitungsprogrammen jeden beliebigen Parameter ändern. Die Nachteile sind jedoch, dass die Dateien sehr viel grösser sind und man lernen muss, wie man seine digitalen Dateien „entwickelt“.  

Mehr zum Thema RAW und JPEG finden Sie in diesem Artikel.

Bildergalerie 

Bonus Tipp

Ohrstöpsel tragen

Konzerte sind eine laute Angelegenheit, auch wenn mittlerweile das Limit bei den meisten Konzerten bei 100 db, teilweise sogar noch darunter, liegt. Über kurz oder lang schadet aber die regelmässige Belastung den Ohren dennoch, da  regelmässiger Lärm über 80 dB zu irreversiblen Hörschäden führt. Daher ist es wichtig, wenn man in der ersten Reihe steht, über richtige Ohrstöpsel zu verfügen. Lassen Sie sich allenfalls sogar welche an Ihre Ohren anpassen. So haben Sie  auch über lange Zeit Spass an den Konzerten und am Fotografieren der Events.

Am Anfang wird alles neu und beängstigend sein, fotografieren Sie also einfach darauf los und seien Sie in keinem Fall frustriert, wenn nicht alles so auf Anhieb klappt, wie Sie möchten – das ist vollkommen normal!

Spannendes Interview auf Youtube

Ein spannendes Interview von mir als Musikfotograf, genau zu diesen Themen, mit meinem X-Photographer Kollegen Nick Schreger finden Sie hier.

Der Tipp-Geber: Til Jentzsch

Til Jentzsch fotografiert seit über 30 Jahren. Seit 2008 ist er als freischaffender Musikfotograf unterwegs. Dabei steht er nicht nur vor der Bühne, sondern begleitet Künstler auch vor und nach den Auftritten und dokumentiert so deren Alltag

Seit 2015 ist er darüber hinaus offizieller Schweizer X-Photographer.

Mehr Infos zu Til Jentzsch findet man auf seiner Webseite http://blickwechselfotografie.ch

Auf Instagram: http://instagram.com/blickwechsel

Sein offizielles X-Photographers-Galerie-Profil finden Sie hier.

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9.11.2017