31.03.26 zurück

GFX100S II auf Skitour mit Jannis Richli

Für eine Skitour abseits stark frequentierter Routen begibt sich der Fotograf Jannis Richli in eine wenig dokumentierte Region an der Grenze von Graubünden und Glarus. Über mehrere Tage hinweg entstehen Aufnahmen zwischen Aufstieg, Gemeinschaft und einfachen Momenten in der Hütte. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf der Landschaft, sondern auch auf den Situationen, die sich unterwegs ergeben. Mit der FUJIFILM GFX100S II arbeitet er bewusst reduziert und richtet den Blick auf Details, die oft übersehen werden.
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Jannis Richli

Ciao, ich bin Jannis. Ähnlich oft, wie ich im Klassenzimmer einer vierten Primarschulklasse stehe, bin ich auf einem Berg anzutreffen. Die Jahreszeit mag unterschiedlich sein – eine Kamera ist jedoch stets dabei. Ich fotografiere viel analog, manchmal auch digital, und für diesen Beitrag mit dem GFX System.

Meine Werke sind ruhig und gleichzeitig bedeutungsvoll. Ich arbeite fast ausschliesslich draussen im natürlichen Licht und versuche dieses auf immer neue Weise zu interpretieren.

Neben meinem eigenen Schaffen bin ich Präsident des Outdoorkollektivs «The Alpinists» und Co-Autor zweier Wanderbücher.

Mehr über mich und mein Schaffen findest Du auf meiner Website oder auf Instagram:


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Zwischen Abgeschiedenheit und Gemeinschaft

Im Winter wie im Sommer nehme ich mir bewusst Zeit, neue Gegenden zu entdecken – über mehrere Tage und möglichst ab vom Schuss. Mit dem anhaltenden Outdoor-Hype seit Corona ist das gar nicht mehr so einfach.

Fündig wurde ich in dieser Skitourensaison mit einer wenig dokumentierten Schutzhütte an der Kantonsgrenze von Graubünden und Glarus. Angesichts der hochalpinen und weitläufigen Landschaft bedurfte es nicht vieler Worte, um drei meiner Freunde zu motivieren, mich zu begleiten.

Auch wenn mir die Ruhe an solchen Orten zusagt, bin ich selten allein unterwegs, da ich die Gespräche und gemeinsamen Erlebnisse abseits von Handyempfang und Trubel schätzen gelernt habe.

Zudem hat sich mein fotografischer Schwerpunkt über die letzten zehn Jahre stetig verschoben: von exklusiver Landschaftsfotografie hin zu den Momenten dazwischen und zum Unterwegssein. Eine epische Kulisse wie diejenige unserer Skitour steht dabei erst an zweiter Stelle – wenn auch denkbar knapp.

Geplante Spontaneität

Auf solchen Abenteuern arbeite ich mit etwas, das ich selbst als «geplante Spontaneität» bezeichne. Ich bin jemand, der Struktur und Abläufe liebt, aber auch gelernt hat, dass es oft ganz anders kommt als gedacht. Wenn ich eine Route plane, merke ich mir spannende Stellen und habe Bildideen im Kopf, aber mache mich erst vor Ort auf die Suche nach endgültigen Kompositionen und Farben. Sobald mein (fotografisches) Auge sich auf einen neuen Ort eingelassen hat, läuft alles von selbst.

Reduziert auf die Kamera und eine Linse

Meine letzten Jahre waren geprägt von der Filmfotografie. Als ich dann zum ersten Mal 120er-Film geschossen habe, machte ich grosse Augen. Es war einfach anders, anders gut, und mein Entschluss, dieses Format auch auf einem digitalen Sensor auszuprobieren, stand fest. Die GFX100S II war für mich aufgrund der hohen Auflösung und der kompakten Bauweise die logische Entscheidung. Meine Kreativität steigt durch Einschränkung, weshalb ich oft nur wenige Linsen dabeihabe. Auf unserer Skitour auf dem Panixerpass sogar nur das GF45mmF2.8.

Zwischen Aufstieg und Innehalten

In einer Landschaft wie dieser hat man den Luxus, ständig seine Kamera auf einen Berg halten zu können und dabei nichts falsch zu machen. Doch das wurde mir vor einigen Jahren zu einfach, und mittlerweile habe ich einen gewissen Ehrgeiz entwickelt, mich nicht direkt auf das offensichtliche Bild zu stürzen.

Ich habe den Anspruch an mich, weiterzudenken, auf Details zu achten, Emotionen zu antizipieren und mit ungewöhnlichen Kameraeinstellungen zu experimentieren.

Dünne Luft, steile Flanken und technisch anspruchsvolle Passagen hindern mich, dies während einer ganzen Tour zu machen – worüber ich nicht unglücklich bin. So vergesse ich nicht, selbst im Moment zu sein und die Umgebung mit eigenen Augen aufzunehmen.

Dazu gehörte beispielsweise das Ankommen auf dem Gipfel des Hausstocks – der höchste Punkt unserer Tour. Es war die erste hochalpine Skitour für alle in der Gruppe, und die Rundumsicht nach dem Hochkraxeln der SO-Flanke in brütender Morgensonne war ein Moment zum Innehalten.

Handling im alpinen Kontext

Wenn die Hangneigung nicht grad über 30 Grad liegt, dann trage ich die Kamera oft am linken Schultergurt meines Rucksacks. So wird ihr Gewicht bestmöglich ausgeglichen durch die Wasserflasche auf der gegenüberliegenden Seite der Packung.

Zugegeben, die GFX ist die grösste Kamera, die bisher an meinem Rucksack-Clip gehangen hat; vom Gewicht her schien sie sich jedoch nicht merklich von meinen Analogkameras zu unterscheiden. Der grösste Unterschied im Handling lag darin, mit einem digitalen Sucher zu arbeiten – anstelle der rudimentären Viewfinder, wie sie Filmkameras oft haben. Für mich war es eine willkommene Abwechslung, direkt zu sehen, wie das Bild mit den gewählten Einstellungen und Filmsimulationen später ausschauen würde. Insbesondere deshalb, weil bei starker Sonneneinstrahlung und dem reflektierenden Schnee alte Belichtungsmesser nicht immer zuverlässig sind.

Analoge Ansätze im digitalen Workflow

Von meiner X100V habe ich meine persönlichen Filmrecipes kopiert und auf die vielen Positionen des oberen Drehrads an der GFX programmiert. Es dauerte gute 20 Minuten, bis ich realisiert hatte, dass die Presets mit dem Drehrad gewechselt werden können: absolut genial! Mit meinen Looks versuche ich, verschiedene Filmstocks abzudecken, um möglichst für alle Fälle gewappnet zu sein – eine Portra 400 Imitation als Go-to in Kombination mit einer Cinestill 800 Simulation und einem B&W Recipe. Zudem habe ich wegen meiner kürzlich entfachten Obsession mit der FUJIFILM TX-2 und ihrer Panoramafunktion einen Slot für das schnelle Umschalten auf eine 65:24 Aspect Ratio verwendet: eine Spielerei, die ich sichtlich genossen habe. Mit den Simulationen habe ich mehrheitlich Szenen abgelichtet, von denen ich wusste, dass sie für Erinnerungszwecke sind. Für Keyshots und Nachtaufnahmen blieb ich im manuellen Modus und fotografierte in RAW.

PORTA 400 / Cinestill 800 Recipes

B&W Recipe basierend auf ACROS

Was bleibt

Einmal mehr genoss ich die Gemeinschaft mit Freunden, abgeschieden von der Aussenwelt, in der Stille und Endlosigkeit der verschneiten Bergwelt. Mein persönliches Highlight war, als ich Aeneas beim Zähneputzen am Abend spontan porträtiert habe. Handheld 0,5 s – den Atem anhaltend und anschliessend ungläubig den Kopf schüttelnd.

Ein Gedanke, der sich für mich bestärkt hat, sodass ich ihn den Lesenden mitgeben möchte: Komm weg vom ständigen Sensationsfotografieren, knipse, was nicht offensichtlich ist, und richte Deine Aufmerksamkeit auf alle Farben, Lichter und Schatten, die Du dabei entdecken wirst!

Fotos & Text: Jannis Richli

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