23.02.26 zurück

Wild Bangkok: Streetfood im Neonlicht mit der X-T5

Bangkok ist laut, heiss und ständig in Bewegung. Für Yves Seeholzer ist die Stadt seit Jahren ein Ort, an den er immer wieder zurückkehrt. Nicht wegen der bekannten Bilder, sondern wegen des Alltags dazwischen. Mit «Wild Bangkok» arbeitet er an einem Buchprojekt, das Streetfood als kulturellen Ausdruck versteht und Menschen, Orte und Handgriffe in den Mittelpunkt stellt. Entstanden ist ein persönlicher Reisebericht über Nähe, Vertrauen und das genaue Hinsehen.
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Yves Seeholzer

Ich bin Autor, Fotograf und seit über zehn Jahren unterwegs – meist allein, oft in Asien, mit einer besonderen Bindung zu Bangkok. Mich interessieren keine perfekten Postkarten, sondern das echte Leben: Menschen, Märkte, Hitze, Arbeit, Nacht, hautnahe Erlebnisse. Zur Fotografie kam ich 2016 während der Arbeit an meinem ersten Koch- und Reisebuch «Zwei Pfannen on the Road». Heute erzähle ich Geschichten in Bildern und Worten und arbeite an meiner sechsten und siebten Publikation.


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Streetfood als Herzschlag der Stadt

Bangkok war für mich schon immer die mit Abstand intensivste Stadt der Welt. Eine Metropole, die niemals schläft, die drückt, zieht, lebt und vibriert – und das 24 Stunden am Tag. Mich fasziniert nicht das Postkarten-Bangkok, sondern das echte Leben zwischen den Clichés: die Gassen, die Hitze, der Rhythmus, die Menschen, das Essen, der Herzschlag Südostasiens. Genau das möchte ich mit «Wild Bangkok» zeigen.

Die Idee entstand spontan gemeinsam mit meinem Cousin und besten Freund Florian: ein Buch, das das kulinarische Bangkok authentisch darstellt. Streetfood ist für mich mehr als Essen – es ist Identität, Überleben, Stolz und Alltag zugleich. Wir wollen Köchinnen und Köche vor Ort treffen, mit ihnen kochen, ihre Geschichten hören und ihre Rezepte teilen. Nicht clean und inszeniert, sondern roh, ehrlich und eben ein bisschen wild.

Eine Herausforderung bleibt: das Tempo der Stadt, das Licht, die Angst, nicht alles einzufangen. Aber genau darin liegt auch die Magie dieses Projekts.

Mit einem inneren Kompass durch Bangkok

Es gibt ein grobes Konzept, das die Richtung vorgibt – eine Art innerer Kompass. Doch vieles entsteht bei mir intuitiv. Ich glaube, dass es zwei Arten von Menschen gibt: jene, die alles technisch und exakt planen, und jene, die sich vom inneren Rhythmus leiten lassen. Ich gehöre klar zur zweiten Gruppe. Ich plane im Kopf, aber ich weiss, dass vor Ort sowieso alles anders kommt, und genau das ist meist das Beste daran. Meine Freunde sagen oft: «Bei dir weiss man nie, es kann alles geschehen. ;)»

Der Zugang zu Menschen entsteht durch Offenheit und Neugier. Ich spreche Leute einfach an, höre zu, lasse Gespräche entstehen und nehme mir Zeit. Nach mehreren Jahren in Asien kenne ich den Rhythmus ein wenig – und Thailand gehört für mich zu den offensten und herzlichsten Kulturen überhaupt.

Geplant ist eine Mischung aus eigenen Rezepten, die wir in der Schweiz im Studio entwickeln, und Gerichten, die direkt mit Köchinnen und Köchen vor Ort entstehen. Portraits und Streetfotografie verbinden das Essen mit dem Leben der Stadt. Sie sollen das visuelle Bindeglied zwischen Küche und Alltag bilden.

Kameras, Festbrennweiten und Arbeitsweise

Meine Verbindung zu FUJIFILM begann 2016 während der Arbeit an meinem ersten Kochbuch gemeinsam mit Iwan Hediger, als wir neben analogen Kameras erstmals auch mit einer FUJIFILM fotografierten. Seitdem habe ich nie ernsthaft über eine andere Marke nachgedacht. Der Retro-Look, die klaren Drehregler und die intuitive Bedienung passen zu meiner Arbeitsweise. Die X-T5 und neu auch die X-E5 sind für mich heute die idealen Kameras: leicht, robust, schnell und reduziert auf das Wesentliche – genau das, was ich auf Reisen brauche. Ich liebe die Dinge simpel und unkompliziert – da passt FUJIFILM einfach perfekt.

Ich arbeite bewusst mit lichtstarken Festbrennweiten. Zoomobjektive haben mich in der Streetfotografie nie wirklich überzeugt. Festbrennweiten zwingen mich, Entscheidungen zu treffen, mich zu bewegen und aktiv Teil der Szene zu werden. In einer Stadt wie Bangkok, die vor allem nachts lebt, ist Lichtstärke entscheidend. Mit dem 23-mm-Objektiv für Street, 33 mm für Food und Portraits und 56 mm für ruhigere, verdichtete Momente aus der Distanz decke ich alle Perspektiven ab – flexibel, unauffällig und immer bereit.

Im Takt der Flamme und Bewegung

Als gelernter Koch bin ich neugierig geblieben. Ich liebe es, Neues zu probieren, auch Dinge, die ich selbst nie kochen würde. In Bangkok passiert das an jeder Ecke: super spicy Papayasalat mit Salty Eggs, Nudelsuppen mit Innereien, Hühnerfüsse, Zeug ohne Namen. Meine Regel ist simpel: Ich probiere es. Nicht alles wird mein Lieblingsgericht, aber kaum etwas erzählt mehr über eine Kultur als das Essen und die Menschen, die es zubereiten.

Die besten Gerichte meines Lebens habe ich oft in den schäbigsten Garküchen gegessen – in Indien, auf den Philippinen, hier in Bangkok. Genau dort suche ich meine Bilder. Mich interessieren die Hände, der Schweiss, der Wok, die Flamme. Ich gehe hin, frage, schaue zu, fotografiere. Meist werde ich sofort akzeptiert. Und manchmal bitte ich um ein Gericht, das richtig Feuer spuckt, weil genau dieser Moment zeigt, was Streetfood wirklich ist: roh, heiss und lebendig.

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Beobachtungen im Neonlicht

Low Light ist ein zentraler Teil dieses Projekts und gleichzeitig eine der grössten Herausforderungen. Ich mag Körnung als Stilmittel, aber ich halte sie bewusst so niedrig wie möglich. Nicht aus Perfektionismus, sondern aus Respekt vor dem finalen Medium: dem Buch. Papier, Druck und Nachbearbeitung verlangen Spielraum – und den gibt mir sauberes Ausgangsmaterial.

Nicht jede Situation war so kontrollierbar, wie ich es mir vorgestellt hatte. Besonders nachts in Bangkok, wenn Neonlichter, Werbetafeln und Verkehr gleichzeitig um Aufmerksamkeit heischen. Da kam ich stellenweise an Grenzen. Weniger an die der Kamera, sondern eher an meine eigenen. Also habe ich gelernt, improvisiert, recherchiert, ausprobiert. Manchmal direkt vor Ort. Manchmal auch mit KI. Ich nutze sie wie einen Shortcut für Ehrlichkeit. Ich frage nach Kameraeinstellungen, von deren Existenz ich überhaupt nichts wusste. Manchmal knipse ich die Szene kurz mit dem Smartphone und frage: «Wie kriege ich das genau so hin?» Seien wir ehrlich: Die Kamera ist selten das Problem. Wir sind es. KI verkürzt diesen Lernweg entscheidend – und genau deshalb nutze ich sie.

Mein Setup mit lichtstarken Festbrennweiten war absolut richtig. Vielleicht hätte ein extremes Weitwinkelobjektiv neue Perspektiven eröffnet oder ein leichtes Teleobjektiv mir noch mehr Spielraum gegeben, aber genau dieses Reduzierte hat mich gezwungen, bewusster zu sehen. Und genau darum geht es.

Zwischen Preset und RAW

Ich will ganz ehrlich sein: Vor diesem Projekt hatte ich auf meiner FUJIFILM keinerlei Preset-Einstellungen vorgenommen. Mir war nicht einmal wirklich klar, wie man das genau macht. Umso dankbarer war ich für den Tipp von FUJIFILM Schweiz, das Ganze doch einfach mal auszuprobieren. So habe ich mir ein paar Presets von FUJIFILM Weekly auf der Kamera vorinstalliert.

REALA ACE

Kodachrome 64

Als Erstes kann ich sagen: Es war wirklich nice. Man spart sich definitiv Zeit in der Nachbearbeitung. Gleichzeitig habe ich aber gemerkt, dass ich persönlich die RAW-Bilder trotzdem brauche. Oft habe ich mit der Filmsimulation fotografiert, das RAW aber parallel mitgespeichert. Das einzige Problem für mich war, dass ich teilweise bewusst massiv unter- oder überbelichtet habe – und genau das ist für Filmsimulationen eher mühsam. Denn das Ziel wäre ja eigentlich, die Bilder nicht mehr gross in Lightroom bearbeiten zu müssen.

Ich glaube, wenn ich das nächste Mal einen reinen Städtetrip mache oder etwas fotografiere, das nicht für ein konkretes Projekt oder Buch gedacht ist, möchte ich bewusst ausschliesslich mit Filmsimulationen arbeiten. Und dann aber auch so belichten, wie es sich für mich direkt im Sucher oder auf dem Bildschirm richtig anfühlt – damit ich das Bild im besten Fall sofort verwenden kann.

Zuhören statt erzählen

Ich habe das Gefühl, dass «Wild Bangkok» mein bislang authentischstes Buch wird. Nicht, weil den anderen etwas gefehlt hätte, sondern weil ich mich in Bangkok wirklich zu Hause gefühlt habe. Diese Stadt hat mich nicht geprüft, nicht bewertet, nicht auf Abstand gehalten. Sie hat mich einfach aufgenommen. Und die Menschen haben sich mir geöffnet – so, wie ich mich ihnen geöffnet habe. Solche Begegnungen sind selten. Und sie verändern etwas.

Vielleicht war es genau dieses Projekt, bei dem ich aufgehört habe, meine eigene Geschichte erzählen zu wollen. Stattdessen habe ich versucht, Bangkok zuzuhören. Den Menschen. Den Küchen. Den Strassen. Ich war nicht auf der Suche nach Peak Experiences, sondern nach Verständnis. Nach dem Puls dieser Stadt. Und dabei habe ich mehr über mich gelernt als auf vielen Reisen zuvor.

Wir durften mit bekannten Köchen arbeiten und im nächsten Moment mit Menschen aus dem ganz normalen, oft harten Alltag kochen. Genau diese Spannweite prägt das Buch. Und sie hat mich geprägt.

Was bleibt, ist Dankbarkeit. Und die Erkenntnis, dass Authentizität kein Stil ist, sondern eine Entscheidung. Wenn wir ehrlich auftreten, öffnen sich Türen. Geschichten wollen erzählt werden – wir alle tragen eine in uns. Vielleicht ist das Wichtigste, was ich mitnehme, dieses Vertrauen: dem Herzen zuzuhören, dem Bauchgefühl zu trauen und dem Kopf nur die Aufgabe zu überlassen, dem Ganzen eine Richtung zu geben. Alles andere entsteht daraus.

Fotos & Text: Yves Seeholzer

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